Der Kühlschrank - früher und heute

Wohntrends : Der Kühlschrank - früher und heute

Der Kühlschrank war für den Haushalt eine Revolution. In den USA wurde er in den 1920ern Verkaufsschlager, in Europa sollte es noch 30 Jahre länger dauern.

<p>Der Kühlschrank war für den Haushalt eine Revolution. In den USA wurde er in den 1920ern Verkaufsschlager, in Europa sollte es noch 30 Jahre länger dauern.

In den 1950er Jahren wurde der Kühlschrank in Europa zum Verkaufsschlager. In den USA war er zu diesem Zeitpunkt bereits seit 30 Jahren Massenware. Foto: AMK

Der Kühlschrank war für den Haushalt eine Revolution. In den USA wurde er in den 1920ern Verkaufsschlager, in Europa sollte es noch 30 Jahre länger dauern.

Er war weiß, weil das für Reinheit und Sauberkeit stand. War der Kühlschrank zunächst freistehend... Foto: AMK

Schon in der Antike holten sich Alpenbewohner Eisblöcke von den Bergen, um ihre Nahrung vor dem Verderben zu schützen. Wer nicht in Gletschernähe wohnte, musste sich jahrhundertelang mit anderen Konservierungsmethoden begnügen. Es wurde gepökelt und eingekocht, getrocknet und geräuchert.

...wurde er später in die Küche integriert. Foto: Joe Gough/Shutterstock.com

Im 19. Jahrhundert etablierte sich in europäischen Großstädten der Handel mit dem Eisblock. Eisfabriken belieferten großbürgerliche Haushalte mit riesigen Eisstangen, die ihren Platz in mit Dämmstoff und Holz ausgerüsteten Kisten, den Eisschränken, fanden. In deren Mitte lagerten frische Produkte. In einigen deutschsprachigen Regionen wird daher der Kühlschrank immernoch als Eisschrank bezeichnet.

Heute haben die Kühlschranke mehrere "Klimazonen", die auf spezielle Lebensmittel abgestimmt sind. Foto: AMK

1950er Jahre: Der Kühlschrank feiert Erfolge in Deutschland

Kühlschranke gibt es mittlerweile nicht nur für die Küche und nicht mehr nur für Lebensmittel, sondern auch für Kosmetik oder Wein. Foto: AMK

1876 erfand Carl von Linde eine technisch-chemische Kältemaschine, was der Vorläufer des Kühlschranks werden sollte. In den 1920er Jahren wurde der Kühlschrank in den USA bereits zum Verkaufsschlager, während die Europäer noch viele Jahre auf ihre kühlen Aufbewahrungsorte setzten. In alten Gemäuern mit dicken Wänden waren es Nischem mit Holzklappen, in Erdlöcher im Garten oder in Teichen oder Gewässern wurden die Lebensmittel kühl gehalten. In Tongefäßen und schweren Fässern wurden Waren wie Butter, Milch und Fleisch im Keller aufbewahrt, in Etagenwohnungen diente die nicht geheizte Speisekammer als Vorratsort für verderbliche Lebensmittel.

Erst in den 1950er Jahren, der Zweite Weltkrieg sollte seine Verbreitung verzögern, feierte der Kühlschrank auch in Deutschland und Europa große Erfolge. Er änderte die Hausarbeit nachhaltig. Bis dahin war es üblich, täglich einkaufen zu gehen und die meistverzehrte Fleischsorte war durchwachsener und gepökelter Speck.

Mit dem Kühlschrank als Massenware konnte nun auch leicht verderbliches Geflügel oder Hackfleisch aufbewahrt werden, es reichte, zweimal die Woche einkaufen zu gehen. Dieses veränderte Einkaufsverhalten ließ auch die Ladenbesitzer umdenken, nun gab es Vollsortimenter und Sonderangebote. Ebenso erweiterte der Kühlschrank den Speiseplan: Kalte Platten, Buttercreme, Sahnetorten, Würstchen, exotisches Obst, Eier und Mayonnaise wurden in den 1960er Jahre immer beliebter.

Stromlinienförmig, auf Beinen und weiß

Die Gestaltung der Nachkriegskühlschränke war durch das damals sehr angesagte "stromlinienförmige" Design geprägt. Sie standen dabei meist auf Beinen, sahen sehr dickwändig und gewölbt aus und hatten runde Ecken. Ein überaus stabiler, demonstrativer Öffnungsgriff aus Chrom erinnerte visuell an die Türöffner der US-amerikanischen Straßenkreuzer. Die immerwährende Frontfarbe dieser kompakten Kühlmaschinen war Weiß, das besonders für Sauberkeit und Hygiene stand. Man wollte den aufkommenden Wohlstand mit und durch den Kühlschrank sichtbar und reinlich repräsentieren. Ende der 1950er Jahre hatten viele Geräte ein kleines, sogenanntes "Frosterfach". Dieses Eiswürfelfach eignete sich aber nicht für die langfristige Aufbewahrung von gefrorenen Produkten. Tiefkühltruhen waren in dieser Zeit wahre Luxusgüter, denn sie brauchten Platz und hatten hohe Anschaffungskosten.

Erst als der Kühlschrank in den 1970er Jahren zur Standardausstattung wurde, wurde er auch eingebaut und verschwand optisch. Er wurde Teil der neu aufkommenden Einbauküche. Wieder durch US-amerikanische Vorbilder beeinflusst, kamen in den 1970er und 1980er Jahren hohe Kühl-Gefrier-Kombinationen auf den Markt. Ebenso verkleidet wie ihre kleinen Vorgänger, fanden sie einen integrierten Platz in der Einbauküche. Oben war ihr Kühlschrank, während unten ein Gefrierschrank oft mit eigenem Motor Lebensmittel und Flüssigkeiten gefrieren lässt.

In den vergangenen 10 Jahren kamen wieder frei stehende Kühl-Gefrier-Kombinationen auf den Markt. Zum einen in farbigem Retrodesign, zum anderen aber auch in voluminösen Großkühlschränken mit Edelstahlfront und Eiswürfelspender, die professionelle Gastronomie zum Vorbild haben.

Kühltechnik immer weiter verbessert

Die Kühltechnik war nach der Nutzung natürlichen Eises stets mit technisch-chemischen Prozessen verbunden. Erste Prototypen stanken nach Ammoniak und mussten zweimal die Woche abgetaut werden. Bis weit in die 1980er Jahre war Flurchlorkohlenwasserstoff (FCKW) das übliche Kühlmittel. Da es bei Freisetzung allerdings die Ozonschicht der Erdatmosphäre in hohem Maße beschädigt, wurde es seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr verwendet und ist seither in Neugeräten verboten.

Moderne Kühlschränke haben heute eine energiesparende und umweltschonende Kühltechnik, die meist durch Kompressoren erzeugt wird. Kühlkompressoren sind fast geräuschlos und tauschen die warme Innenluft durch Verdampfung nach außen aus. Als Kühlmittel werden unbedenkliche Kältemittel verwendet.

Ein wesentliches Thema beim modernen Kühlschrank ist heute der Energieverbrauch, dieser ist zu einem wichtigen Kaufkriterium geworden. Bei der durchschnittlichen Lebensdauer eines Kühlschranks ergibt sich so eine echte Einsparungsmöglichkeit an den immer weiter steigenden Energiekosten eines Haushalts. Einher mit energiesparender Motorisierung geht eine bessere Isolierung und eine funktionale Zoneneinteilung.

Diese Zonendefinition des Kühlraums ist als eine Empfehlung für den Nutzer zu verstehen, denn die unterschiedlichen Kältezonen sind für unterschiedliche Lebensmittel optimiert. So ist heute beispielsweise die kalte und luftfeuchtegeregelte Gemüseschublade ein kleines professionelles Kühlhaus. Manche Schubladen sind mittlerweile mit LED-Licht ausgestattet, um Obst und Gemüse auch bei geschlossener Tür zu beleuchten. So wird es vor seinem automatisch einsetzenden Vitaminabbau in Dunkelheit geschützt.

Verändert Kühlschrank erneut das Einkaufsverhalten?

Es gibt kleine Kühlschränke für das Badezimmer, in denen teure Kosmetik, Medikamente oder auch ein Piccolo aufbewahrt werden können. Es gibt kleine mobile Geräte mit Akku für das Picknick im Grünen und sogar Kühlschränkchen für‘s Auto, die mit Niedervoltversorgung zum eisgekühlten Kaffee bis zum Reiseziel verhelfen und es gibt heute spezielle Kühlschränke zur Weinkühlung.

Die neueste Entwicklung zeigt Modelle, die durch einen digitalen Scan des Innenraums die Anzahl der Produkte erkennen. Auf das Smartphone übermittelt ergibt sich so eine Bestandsliste, die wieder einmal das Einkaufen rechtfertigt. So eine Liste könnte in Zukunft direkt an einen Lebensmittellieferanten gehen, der dann für das Auffüllen verantwortlich wäre. Der Kühlschrank hat also immer noch das Zeug, das Einkaufsverhalten zu verändern.

(RPO)