Was passierte eigentlich an Fronleichnam?

Brauchtum erklärt : Was passierte eigentlich an Fronleichnam?

Frömmigkeit und Hartnäckigkeit, das waren die Antriebsfedern einer ungewöhnlichen Kirchen-Geschichte. Sie spielt in der Region Lüttich und handelt von einer Ordensfrau, die fast im Alleingang eines der katholischsten Feste überhaupt ins Leben rief.

Mit 16 Jahren hatte die später heiliggesprochene Juliana aus dem Kloster der Augustinerinnen auf dem Mont Cornillon eine Vision - die in erster Konsequenz zu ihrer Vertreibung aus dem Kloster und in zweiter Konsequenz zur Einführung des Fronleichnamsfestes führte. Es wurde 1264, vor 750 Jahren, von Papst Urban IV. zum allgemeinen Kirchenfest erhoben.

1192 in Retinne bei Lüttich geboren, wurde das Mädchen aus betuchtem Hause mit fünf Jahren zur Vollwaise. Schon früh fiel Juliana, die in die Obhut einer Ordensfrau des Wirtschaftshofes auf dem Mont Cornillon kam, durch zwei Besonderheiten auf: durch ihren Wissensdrang und die Anziehung, die die Kapelle und vor allem der Tabernakel mit der geweihten Hostie auf sie ausübten.

Zum zentralen Ereignis ihres Lebens wurde eine Vision im Jahr 1209, die sich später mehrfach wiederholte. Ins Gebet versunken, sah sie die Mondscheibe mit einem kleinen schwarzen Fleck darauf. Nach Gesprächen mit Theologen deutete Juliana ihre Erscheinung als eine Weisung Christi: Der Mond stehe für das Kirchenjahr, der Fleck aber für das Fehlen eines Festes zur Verehrung der heiligen Hostie.

Über Jahrzehnte behielt Juliana diesen Auftrag für sich. Als sie schließlich 1230 zur Oberin ihres Klosters gewählt wurde, erntete sie mit ihrem Vorstoß Spott und Widerspruch. War es aufgrund dieser "religiösen Schwärmerei" oder aufgrund ihres strengen Führungsstils, dass man sie aus ihrem Konvent vertrieb? Mit einigen Getreuen begann Juliana ein Wanderleben zwischen mehreren Klöstern der Region und lebte seit 1248 als Reklusin in Fosses - freiwillig eingeschlossen, um dort Gott allein zu dienen. Zehn Jahre später, 1258, starb sie dort.

Bischof Robert von Lüttich führte das Fest für sein Bistum im Jahr 1246 ein. Im Jahr 1264 legte Papst Urban IV. fest, Fronleichnam am zweiten Donnerstag nach Pfingsten zu feiern. Papst Johannes XXII.(1316-1314) sorgte dafür, dass das Fest in der gesamten abendländischen Kirche gefeiert wird.

Die Prozessionen entstanden in Deutschland. 1279 gilt als das Jahr der ersten Fronleichnamsprozession, die in Köln stattfand. Die Protestanten empfanden das Fest lange als "gegenreformatorische Machtdemonstration". Vor allem in konfessionell gemischten Gebieten kam es immer wieder zu Spannungen.

So wird Fronleichnam gefeiert

Das Wort Fronleichnam stammt aus dem Mittelhochdeutschen: "fron" bedeutet "Herr", "lichnam" meint den lebendigen Leib. Im Mittelpunkt des Hochfestes zehn Tage nach Pfingsten steht das eucharistische Brot, für die Katholiken ein Realsymbol für die Gegenwart Christi.

Diese Gegenwart wird an Fronleichnam in besonderer Weise gefeiert, indem eine in einem Gottesdienst geweihte Hostie in einer Monstranz, einem liturgischen Schaugefäß, in einer Prozession durch die Straßen getragen wird. An einigen Orten gibt es auch Fronleichnamsprozessionen zu Wasser.

Entlang des Prozessionsweges werden Straßen und Häuser festlich geschmückt, an manchen Orten kennt man die Tradition großer Blumenteppiche. Die Prozession macht Station an geschmückten Altären, wo aus den Evangelien vorgelesen, Fürbitte gehalten und mit dem eucharistischen Brot der Segen erteilt wird.

In neun Bundesländern ist Feiertag

Katholische Christen feiern am Donnerstag das Fronleichnamsfest. Gesetzlicher Feiertag ist Fronleichnam in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg und Bayern sowie in überwiegend katholischen Gemeinden in den Ländern Sachsen und Thüringen.

(ham)