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Thanksgiving 2020 in den USA: Darum feiert man Thanksgiving?

Erntedankfest in den USA : Thanksgiving – warum das US-Erntedankfest in den USA so wichtig ist

In den USA ist Thanksgiving der wichtigste Feiertag. In diesem Jahr findet das US-amerikanische Erntedankfest am 26. November 2020 statt.

Thanksgiving ist der wichtigste Feiertag in den USA. Am 26. November 2020 ist es wieder soweit.

Das US-amerikanische Erntedankfest wird traditionell mit der ganzen Familie bei einem großen Festessen gefeiert. Was Sie alles über den Feiertag mit dem Truthahn wissen sollten, lesen Sie hier.

Was ist Thanksgiving?

Thanksgiving ist das „Erntedankfest“ der Nordamerikaner. Es wird aber ganz anders gefeiert als in Deutschland und Europa. In den USA und Kanada ist Thanksgiving noch vor Weihnachten das wichtigste Familienfest, an dem die ganze Familie zu einem großen Festessen zusammenkommt.

In den USA ist Thanksgiving ein gesetzlicher Feiertag, der immer am vierten Donnerstag im November stattfindet. Dieses Datum führte einst US-Präsident Abraham Lincoln im Jahr 1863 ein. Zuvor wurde Thanksgiving nach einer Regelung von Präsident George Washington aus dem Jahr 1789 immer am dritten Oktober gefeiert.

Bestätigt wurde der vierte Donnerstag im November im Jahr 1941 vom Kongress als landesweiter Feiertag. In Kanada wird Thanksgiving noch immer im Oktober gefeiert – nämlich am zweiten Montag im Oktober. Auch in Kanada ist Thanksgiving ein nationaler Feiertag.

Das Fest soll an die Geschichte der Pilgerväter erinnern, die 1621 das erste Mal gemeinsam ein Thanksgivingfest mit den amerikanischen Ureinwohnern feierten. Der Geschichte zufolge kamen die Pilgerväter im Herbst 1620 auf der Mayflower im Gebiet des heutigen US-Bundesstaat Massachusetts an und überlebten den Winter nur mit der Hilfe der amerikanischen Ureinwohner.

Traditionell kommt an Thanksgiving die ganze Familie zusammen. Verwandte, die in allen Landesteilen verstreut leben, reisen zu den Großeltern, Eltern oder Tanten an. Den Freitag nach Thanksgiving, der kein amerikanischer Feiertag ist, nehmen sich viele Arbeitnehmer frei, um ein verlängertes Wochenende mit der Familie verbringen zu können.

Der wichtigste Teil des Festes ist das abendliche Festessen. Für dieses ausladende Abendessen kocht und backt die Familie den ganzen Tag. Das Festmahl besteht aus gefülltem Truthahn mit Beilagen wie Kartoffelbrei mit Bratensoße, grüne Bohnen, Süßkartoffeln, Mais, Erbsen und Cranberry-Soße, Apfel- oder Kürbiskuchen als Nachtisch.

Das Essen ist reichhaltig, die Stimmung ist ausgelassen. Viele Thanksgiving-Gerichte werden nach alter Tradition zubereitet. Diese Mahlzeiten sollen schon beim ersten Thanksgivingfest der Pilger aufgetischt worden sein. Zu Beginn des Festmahls wird ein Dankesgebet aufgesagt oder die Familienmitglieder und Gäste sprechen aus, worüber sie dankbar sind.

Der Tag nach Thanksgiving, der Black Friday, ist der erste Tag der Weihnachtssaison – zumindest für den Einzelhandel. An diesem Tag gewähren Geschäfte hohe Rabatte und Amerikaner nutzen diesen Tag, um erste Weihnachtsschnäppchen zu ergattern.

Wann ist Thanksgiving 2020?

Das amerikanische Thanksgiving fällt im Jahr 2020 auf den 26. November. In Kanada fand Thanksgiving schon am zweiten Montag im Oktober, am 12. Oktober 2020 statt. Das deutsche Erntedankfest war sogar noch früher: Es findet traditionell am ersten Sonntag im Oktober statt.

2020 war das der vierte Oktober. Aber das Erntedankfest hat in Deutschland nur eine religiöse Bedeutung – wenige Menschen feiern es über die kirchlichen Messen hinaus, bei denen saisonale Feldfrüchte und Getreide dekorativ aufgestellt werden. Das Datum für das deutsche Erntedankfest wurde erst 1972 bei der Bischofskonferenz festgelegt.

In den USA wurden Vorläufer von Thanksgiving schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gefeiert. Als Ursprung des Festes in den USA gilt jedoch das Thanksgiving im Jahr 1621, welches die Pilgerväter gemeinsam mit den amerikanischen Ureinwohnern des Stammes der Wampanoag feierten.

Wie ist Thanksgiving entstanden?

Nach der amerikanischen Geschichte geht Thanksgiving auf das erste offizielle Thanksgiving von 1621 zurück. Dieses dreitägige Erntedankfest wurde zwischen den Pilgervätern bei Plymouth Rock im heutigen US-Bundesstaat Massachusetts und dem Stamm der Wampanoag gefeiert, die den englischen Siedlern geholfen hatten.

Die Pilgerväter, die der christlichen Strömung des Puritanismus angehörten, waren auf der Suche nach Religionsfreiheit in die „Neue Welt“ gekommen. Die Anhänger dieser englischen Religionsströmung hatten sich von der englischen Kirche freigesprochen und wurden dafür ausgegrenzt und verfolgt.

Zunächst flüchteten die Puritaner nach Holland, fühlten sich durch den Einfluss der Holländer dort jedoch nicht wohl. Im September 1620 stachen 102 Puritaner auf dem Schiff Mayflower in die See auf dem Weg nach Nord-Virginia. Durch die rauen Herbststürme führte sie ihr Weg über einen Umweg nach Plymouth im heutigen US-Bundesstaat Massachusetts.

Sie hatten nicht genügend Vorräte, um den Winter überleben zu können. Die Native Americans (Deutsch: Amerikanische Ureinwohner) des Stamms der Wampanoag halfen ihnen. Sie versorgten sie mit Lebensmitteln und lehrten ihnen Techniken des Ackerbaus.

Die Kommunikation zwischen den Pilgervätern und den Wampanoag war durch Squanto möglich. Dieser Ureinwohner war Jahre zuvor von dem Kapitän Thomas Hunt nach Spanien verschleppt und dort als Sklave verkauft worden. Er wurde von Mönchen gekauft, die ihn bekehren wollten.

Sie lehrten ihm Englisch und ließen ihn später frei. Als Übersetzer gelang er mit dem Schiff zurück nach Amerika. Dort war sein Stamm der Patuxet in der Zwischenzeit durch eingeschleppte Krankheiten der Europäer ausgelöscht worden. Squanto schloss sich den Wampanoag an und diente ihnen als Übersetzer.

Die puritanischen Pilgerväter waren nicht die ersten Siedler im heutigen Gebiet der USA. Schon im frühen 16. Jahrhundert ließen sich Europäer in den USA nieder und es bestanden unter anderem auch freundliche Handelsbeziehungen mit den amerikanischen Ureinwohnern. Gleichermaßen kam es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und zur Verschleppung von Ureinwohnern als Sklaven. Krankheiten gelangen von Europa nach Amerika und löschten ganze Stämme aus. Nach und nach vertrieben und töteten die Europäer die Native Americans.

Dieser Genozid an der amerikanischen Bevölkerung sollte Jahrhunderte andauern und hinterlässt bis heute einen tiefen Schmerz in den Nachkommen der Native Americans. Deswegen sehen die heutigen amerikanischen Ureinwohner das Fest an Thanksgiving anders als die meisten Menschen in den USA: Sie gedenken und betrauern den Beginn des Genozids durch europäische Siedler, den Verlust von Millionen ihrer Vorfahren und die Enteignung ihres heiligen Landes.

Doch das dreitägige Erntedankfest, welches im Herbst 1620 zwischen den Pilgervätern und dem Stamm der Wampanoag gefeiert wurde, gilt als kurze, friedliche Zeit zwischen den unterschiedlichen Kulturen.

Ob dieses Fest wirklich so stattgefunden hat und damit den Grundstein für das amerikanische Thanksgiving legte, ist nicht eindeutig belegt. Sowohl die amerikanischen Ureinwohner als auch die Siedler vor den Puritanern feierten Erntedankfeste schon viele Jahre vor dem Thanksgiving von 1621.

Was feiert man an Thanksgiving?

An Thanksgiving denken die Amerikaner an das „erste Thanksgiving“, das vor 400 Jahren gefeiert wurde. Die Pilgerväter feierten damals gemeinsam mit dem Stamm der Wampanoag. Thanksgiving ist auch ein Tag des Dankens. Traditionell bedanken sich die Menschen für die reiche Ernte.

Heute bedankt sich die Familie eher untereinander. Bevor die Gäste den Truthahn und die zahlreichen Beilagen genießen, spricht ein Familienmitglied ein Dankgebet oder alle Gäste sagen, wofür sie in diesem Jahr besonders dankbar sind. Gedacht wird auch dem (kurzzeitigen) Frieden zwischen den englischen Siedlern und den Wampanoag und der gegenseitigen Hilfe.

Warum feiern die Amerikaner Thanksgiving?

Thanksgiving ist eines der wichtigsten Familienfeste der Amerikaner – vielleicht sogar das wichtigste vor Weihnachten. Denn an diesem Tag kommt die ganze Familie zusammen. Auch Tanten, Onkel, Cousinen, die Großeltern und die Enkel. Es ist ein Fest des Friedens und der Dankbarkeit.

Gedacht wird den Pilgervätern und dem ersten Thanksgivingfest von 1621, das der Geschichte nach in Frieden mit dem Stamm der Wampanoag gefeiert wurde. Die Dankbarkeit wird oft mit einem Dankesgebet vor Beginn des Festessens ausgedrückt. Alternativ sagen Familienmitglieder und Gäste, wofür sie in diesem Jahr dankbar sind.

Über die Jahrhunderte entstanden unterschiedliche Bräuche zu Thanksgiving. Eine ist die Begnadigung des Truthahns von dem US-Präsidenten. Während der Thanksgiving-Ansprache vor dem Weißen Haus wird dem amtierenden Präsidenten ein Truthahn von den Industrieverbänden überreicht. Dieses Tier wird feierlich begnadigt und nicht geschlachtet.

Die Tradition geht auf den US-Präsidenten John F. Kennedy (1961-1963) zurück, der bei der Übergabe des Truthahns gesagt haben soll „Lasst uns ihn doch behalten“ („Let’s just keep him“). Doch erst 1989 wurde die Begnadigung unter George H. W. Bush (sr.) ein offizieller Akt.

In New York City findet eine große Thanksgiving-Parade statt. Die großen fliegenden Ballons der Parade werden nicht nur von den New Yorkern live mitverfolgt – viele Amerikaner sehen sich das Spektakel im Fernsehen an. Tun sie das nicht, sehen sie sich stattdessen vielleicht eines der Thanksgiving-Football-Spiele der NFL an.

Ein weiterer Brauch ist das Auseinanderziehen des Gabelbeins (Englisch: „Wishbone“) des Truthahns. Dabei ziehen zwei der anwesenden Gäste mit dem kleinen Finger jeweils an einer Seite des Knochens, bis dieser zerbricht. Wer das größere Stück erhält, hat einen Wunsch frei.

Anders als an Weihnachten beschenken sich die Gäste nicht. Die gemeinsame Zeit, das gemeinsame Kochen und der Genuss des großen Festessens stehen im Vordergrund. Die Traditionen in den Familien unterscheiden sich jedoch stark.

Neben Familienmitgliedern werden auch nicht verwandte Gäste zu Thanksgiving eingeladen. Niemand soll diesen Tag alleine verbringen. Da das Wochenende um Thanksgiving eine Hauptreisezeit ist, sind Flughäfen und Straßen quer durch das ganze Land voll mit Reisenden auf dem Weg zu ihrer Familie.

Was isst man an Thanksgiving in den USA?

Der gefüllte Truthahn ist das traditionellste Hauptgericht auf dem reich gedeckten Tisch an Thanksgiving. Dazu werden Beilagen serviert, die der Geschichte nach schon am Ursprungs-Thanksgiving im Jahr 1621 aufgetischt wurden: Cranberry-Soße, Süßkartoffeln, Apfelkuchen und Gemüse wie Kürbis, Erbsen und Mais.

Auf den Tisch kommen neben dem Truthahn in XXL-Format viele herbstliche Gemüse- und Obstsorten wie Kürbis, Süßkartoffeln, Karotten, Äpfel, Nüsse und Cranberrys. Süßkartoffeln, Kürbisse und Karotten werden in den USA auch als Süßspeisen zubereitet.

Ein Auflauf aus grünen Bohnen und Zwiebeln und ein Berg von Kartoffelbrei passen zu dem saftigen Truthahn mit Bratensoße. Sollte ein ganzer Truthahn zu groß für den Backofen oder die Bäuche der Gäste sein, kann alternativ eine Truthahnbrust zubereitet werden.

Zum Nachttisch werden Köstlichkeiten wie Pekannusskuchen, amerikanischer Apfelkuchen oder Kürbiskuchen aufgetischt. Weitere beliebte Nachspeisen sind Crème brûlée, Cupcakes und Nuss- oder Erdnussbutterkekse. Der Tisch ist reich gedeckt und kein Gast geht hungrig nach Hause.

Thanksgiving-Rezepte

Das wichtigste Thanksgiving Menü ist der Truthahn. Bei großen Festen wird er im Ganzen gebraten – stundenlang. Bei kleineren Festen können stattdessen die Brust des Truthahns oder Truthhanburger serviert werden. Planen Sie Ihr eigenes Thanksgivingfest, sollten die folgenden Gerichte nicht fehlen:

Planen Sie etwa 600 Gramm Truthahn pro Gast ein. Für ein Fest mit sechs Personen sollten es also gut vier Kilogramm Truthahn sein. Was übrig bleibt, schmeckt auch am Tag nach Thanksgiving noch sehr lecker.

Einen gefrorenen Truthahn müssen Sie rechtzeitig auftauen lassen. Ein Truthahn mit vier Kilogramm sollte etwa zwei Tage im Kühlschrank auftauen. Damit er garantiert bis zur Zubereitung aufgetaut ist, planen Sie einen weiteren halben oder ganzen Tag ein.

Die Füllung besteht oft aus Zwiebeln, Kräutern, Zitronen, Knoblauch und einem Apfel – also Dinge, die den Truthahn noch geschmackvoller machen. Eine goldbraune Kruste erreichen Sie, indem Sie den Truthahn von innen und außen mit einer Mischung aus geschlagener Butter und Kräutern bestreichen.

Gebacken werden muss der Truthahn je nach Größe über mehrere Stunden. Ein vier Kilo schwerer Truthahn schmort über zwei Stunden im Backofen, ein Truthahn mit der doppelten Größe auch die doppelte Zeit. Es gilt eine Backzeit von etwa 45 Minuten pro Kilogramm Truthahn.

Ob der Truthahn vollständig gegart ist, finden Sie durch ein Fleischthermometer heraus. Bei etwa 80 Grad Kerntemperatur ist der Truthahn gar. Der Saft aus dem Truthahn wird zur Weiterverarbeitung zu einer leckeren Bratensoße verwendet.

Gravy – die Bratensoße für den Truthahn und die Beilagen – darf bei keinem Thanksgivingfest fehlen. Diese wird aus dem Saft des gebratenen Truthahns, Butter, Mehl, Brühe und Kräutern zubereitet. Die Soße kann für einen reichhaltigen Geschmack auch mit den Innereien und dem Hals des Truthahns gekocht werden.

Am einfachsten ist ein Rezept mit Mehl. Um eine dickflüssige Bratensoße zuzubereiten, müssen Sie lediglich den Saft des Truthahns mit Mehl und Butter vermengen und rührend aufkochen. Der Saft sollte nach und nach vorsichtig hinzugefügt werden, damit die Soße nicht zu dünn wird.

Kartoffelbrei passt hervorragend zu Truthahn und zu Gravy. Zur Zubereitung eines amerikanischen Kartoffelbreis für Thanksgiving werden die Kartoffeln mit Schale gekocht, geschält und mit warmer Milch und Butter zu einem Brei gestampft. Für den buttrigen, cremigen Geschmack müssen Sie an Butter nicht sparen. Abgeschmeckt wird der Kartoffelbrei mit Salz, Pfeffer und nach Vorlieben auch mit Knoblauch. Außerdem können Sie Käse und Sahne unter den heißen Kartoffelbrei mischen – so wird dieser noch cremiger und leckerer.