Wuppertal Institut will Winzern im Rheingau helfen

Bedrohte Rebsorte : Rettung für den Riesling

Der Weinanbau etwa im Rheingau leidet unter den Einflüssen des Klimawandels, vor allem unter Trockenheit, Starkregen und Bodenerosion. Jetzt schalten sich auch Wissenschaftler ein, um die Reben zu retten.

(epd) Auch wenn Weinreben grundsätzlich auf Sonne angewiesen sind, so setzen die Folgen des Klimawandels auch zunehmend den Winzern zu. Starkregen und Hagel, zu viel Sonne und trockene Böden können zu Einbußen bei der Qualität und der Lese führen. Damit die Weinbauern sich rechtzeitig auf die Auswirkungen des Klimawandels einstellen beziehungsweise Strategien dagegen umsetzen können, wurde in diesem Frühjahr ein Modellprojekt im hessischen Rheingau gestartet, an dem sich auch das renommierte Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie beteiligt.

Das Projekt zur Klimaanpassung in Weinbau-Landschaften am Beispiel des Rheingaus wird vom Bundesumweltministerium finanziell unterstützt. Fördermittel in Höhe von 300.000 Euro stellt der Bund zur Verfügung, einschließlich des Eigenanteils der Projektpartner beläuft sich die Gesamtsumme auf 590.000 Euro. Träger des Projekts sind neben dem Wuppertal Institut die Stadt Eltville (Rheingau-Taunus-Kreis) und die Hochschule Geisenheim University, die ihren Lehrbetrieb im Oktober 1872 als „Königlich Preußische Lehranstalt für Obst- und Weinbau“ aufgenommen hat.

Der Rheingau hat ein Weinbaufläche von knapp 3.200 Hektar. Unter den 13 Weinbauregionen in Deutschland liegt er damit an achter Stelle. Das größte Weinbaugebiet befindet sich in Rheinhessen und hat eine Größe von 26.500 Hektar.

Der Weinanbau sei ein empfindliches System, in dem sich die Einflüsse des Klimawandels deutlich widerspiegelten, erklärt Carolin Baedeker, stellvertretende Leiterin der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren beim Wuppertal Institut. So setzen nach Angaben von Eckhard Jedicke, Leiter des Instituts für Landschaftsplanung und Naturschutz sowie des Kompetenzzentrums Kulturlandschaft der Hochschule, Trockenheit, Starkregen und Bodenerosion den Weinhängen zu. Zwar seien die Winzer bislang bis auf einzelne Erosionsereignisse noch vergleichsweise gut mit den Auswirkungen des Klimawandels zurechtgekommen, doch wenn man in die Zukunft vorausschaue, könne man schon mit größeren Problemen rechnen, betont der Professor.

Hier will das bis April 2022 laufende Projekt ansetzen. „Die Weintrauben dürfen nicht zu hohen Temperaturen ausgesetzt sein, sonst hat man Rosinen“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Barbara Bernard der Hochschule Geisenheim. Zudem haben die steigende Temperaturen bereits dafür gesorgt, dass die Lese der Weintrauben deutlich früher erfolgt: Zwischen 1955 und 2017 sei die Weinlese um 24 Tage nach vorn gerückt, erklärt Jedicke.

Das Projekt verfolgt mehrere Zielrichtungen. So soll gemeinsam mit den Akteuren der Region ein Netzwerk „KLiA-Net Weinbau“ gegründet werden, das sich künftig einmal im halben Jahr treffen soll. Eine Auftaktveranstaltung für das Netzwerk ist am Mittwoch auf der Kurfürstlichen Burg Eltville geplant.

Überdies sollen den Weinbauern Maßnahmen vermittelt werden, mit denen der Weinbau sich besser auf die verändernden Klimaverhältnisse einstellen kann. Das könnte dann zum Beispiel eine andere Form der Terrassierung der Weinhänge oder auch die Einrichtung von mehr Grünstreifen zwischen den Hängen sein, betont Jedicke. Auch eine naturnahe Entwässerung könnte eine Maßnahme sein, mit denen sich die Winzer auf Ereignisse wie Starkregen einstellen könnten.

Über 40 Maßnahmen zur Klimaanpassung im Weinbau habe man bislang zusammengestellt, sagt Jedicke. Die Empfehlungen sollen das Ökosystem verbessern und die Biodiversität fördern. Das Wuppertal Institut setzt dabei auf das Konzept der sogenannten Reallabore: „Die aktive und am Bedarf orientierten Einbindung der Akteure des Netzwerkes bei der Entwicklung der Maßnahmen ist entscheidend für die Passgenauigkeit“, betont Carolin Baedeker.

Eine Maßnahme zur Klimaanpassung könnte auch die Züchtung neuer Trauben sein, die mit starker Hitze besser auskommen. Wobei der Rheingau bislang vor allem als Anbaugebiet des Rieslings bekannt ist – einer Traubenart, die hohe Temperaturen nicht so gut verkraftet wie etwa Rotweine der Traubenarten Syrah oder Merlot. Die Verlegung der Weinberge an Orte, die besser vor der Sonne geschützt sind, ist dagegen nach Angaben von Jedicke keine Alternative. Bei der Anlage eines Weinberges gehe man von einem Investitionszeitraum von 40 bis 50 Jahren aus, kurzfristige Ortsveränderungen seien deshalb kaum möglich.

Die Unterstützung der Weinbauern ist dabei auch eine Form der regionalen Wirtschaftsförderung, lebt die heimische Hotellerie und Gastronomie doch vom Weinbau und dem darum entstandenen Tourismus. Die Stadt sei deshalb an dem Projekt beteiligt, sagt der Bürgermeister von Eltville, Patrick Kunkel (CDU). Die Region lebe vom Weinbau. Kunkel erwartet, dass durch das Vorhaben ein „Öko-Dienstleistungskatalog“ erstellt wird, der aufzeigt, wie die Winzer mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommen und zugleich nachhaltig wirtschaften können.

Die im Rahmen des Projekts aufgelisteten Maßnahmen sollen dabei über die Region hinausweisen und in anderen Weinbauregionen eingesetzt werden können, sagt Jedicke. Überdies sollen die Methoden auch auf Agrarsysteme in den Bereichen Obst-, Gemüse- und Ackerbau übertragbar sein.

(epd)