Städtereisen Johannesburg

Städtereisen Johannesburg : Unterwegs in Mandelas Stadt

2014 feiert Südafrika ein wichtiges Gedenkjahr: Vor zwei Jahrzehnten triumphierte das Land am Kap über die Rassendiskriminierung – mit Nelson Mandela als erstem schwarzen Präsidenten. Auf seinen Spuren können Besucher die Mega-City Johannesburg jetzt ganz anders erleben.

2014 feiert Südafrika ein wichtiges Gedenkjahr: Vor zwei Jahrzehnten triumphierte das Land am Kap über die Rassendiskriminierung — mit Nelson Mandela als erstem schwarzen Präsidenten. Auf seinen Spuren können Besucher die Mega-City Johannesburg jetzt ganz anders erleben.

Dieser Stadtführer zieht Besucher sofort in seinen Bann: "Ich heiße Walter Sisulu und war Aktivist im African National Congress (ANC) — der hier einst verbotenen Partei", stellt er sich mit blitzenden Augen vor. "Im Ausland kennt man mich kaum, obwohl ich mit Nelson Mandela an vorderster Front gegen die Apartheid in Südafrika kämpfte." Die Gruppe ist verblüfft. Ihr Begleiter ist ein sehr talentierter Schauspieler.

Der Zulu-Mann von mächtiger Statur, Angehöriger der größten ethnischen Stammesgruppe seines Landes, dreht das Rad der Geschichte voller Dramatik zurück. Höflich tippt er jetzt an seine Baseballkappe und meint: "Mit mir, einem lebenslangen Freund des großen Mandela, besucht ihr heute all' die Orte, die unseren historischen Sieg gegen die Apartheid in Johannesburg markieren. Dafür musste ich 25 Jahre meines Lebens — sieben Jahre länger als Mandela — auf der Gefängnisinsel Robben Island ausharren."

Walter Sisulu (1912-2003), ist zwar längst gestorben, aber die eindrucksvollen Worte von Phineeas Zwane liegen den Touristen mahnend im Ohr, als sie auf den "Spuren der Freiheitskämpfer" durch Johannesburg fahren. Nach knapp einer Stunde ist die legendäre Township Soweto erreicht. "Mit den Schüler- und Studentenunruhen ab Mitte der 70er-Jahre wurde sie zum Symbol unseres Widerstands," betont Zwane. Heute ist Soweto in der jungen aufbruchbereiten Mega-City Johannesburg ein Trendgeber für Musik wie Mode — und Fussballfans lockt das Soccer City Stadion. Der erste Halt liegt in der Vilakazi Street, der einzigen Straße weltweit, in der die Häuser von gleich zwei Friedensnobelpreisträgern zu finden sind. Mandela lebte dort einst mit seiner Frau Winni. Erzbischof Desmond Tutu — die weitere Schlüsselfigur in Südafrikas Freiheitskampf — ist dort bis heute zu Hause. Wenn die Reisenden Mandelas bescheidenes Domizil aus früheren Zeiten besuchen, verstehen sie, warum er bis heute als volkstümlicher Revolutionär wie eine Art Übervater in seiner Heimat verehrt wird.

Und auch das Gotteshaus Regina Mundi ist Teil der Tour, Südafrikas größte katholische Kirche: "Sie war eines unserer wichtigsten politischen Versammlungszentren", erklärt Zwane. "Junge Südafrikaner setzen heute hier in Soweto — einem von viel Blut und Leid gezeichneten Ort — mit ihren Friedens-Chorälen neue Zeichen der Hoffnung."

Dann führt die Tour weiter zum Constitution Hill, dem "Hügel der Verfassung" mit seiner bombastisch modernen Architektur. Als die Gruppe dort zwischen den original erhaltenen Kerkermauern des Old Fort-Gefängnis steht, überfällt sie kaltes Schaudern. Dort saß Mandela mit der Häftlingsnummer 466/64 ein — in Südafrika ist sie bis heute eine magische symbolische Zahl. "Mein Kampfgefährte wurde hier im Jahr 1964 inhaftiert; Mahatma Gandhi, später weltweiter Propheten des gewaltlosen Widerstands, war hier ebenfalls politischer Häftling", informiert der Begleiter.

Nachmittags besuchen die Touristen im grünen Vorort Rivonia die Liliesleaf Farm, in der sich die Schaltzentrale der Untergrundbewegung versteckte: "Stellt Euch vor, Mandela ging hier Anfang der 60er-Jahre ein- und aus — mal als Gärtner, mal als Fahrer getarnt. Sein Deckname war David Motsamayi. Er trug stets einen blauen Overall, das war die Arbeitsuniform der Schwarzen", kommentiert Zwane.

In dem interaktiven Museum der Liliesleaf Farm zeigt ein deutscher Dokumentarfilm, wie dieses Versteck allein durch eine perfekte "Weisse Fassade" funktionieren konnte. Die errichtete ein gewisser Arthur Goldreich, der dort mit seiner Familie einzog. Die Verbindung nach außen garantierte der Befreiungssender "Radio Freedom", dessen Antenne als Blitzableiter kaschiert war. Ein nostalgisches "Spion-Telefon" informiert so spannend wie ein Action-Thriller darüber, was genau vor dem 11. Juli 1963 geschah, als die Untergrundbewegung mit einer Razzia aufflog.

Im Garten der Farm steht ein für Safari-Reisende getarnter Bus, der den ANC-Anführern zum Transport von konspirativem wie hochexplosivem Material diente. Heute können Besucher darin per Knopfdruck historische Zeugenaussagen abrufen: von Touristen, die nichtsahnend den Bus bestiegen wie von Anti-Apartheid-Aktivisten, deren packende Aussagen jeden Geschichtsunterricht in den Schatten stellen.

Nur ein paar Schritte weiter stehen Besucher in der Wohnbaracke mit Zimmer Nummer zwölf, Nelson Mandelas einstigem Quartier. Das war spartanisch ausgestattet: eine Pritsche als Bett und sonst nur ein Tisch mit Stuhl. Heute hängt dort ein strahlendes Portrait aus jungen Jahren von Südafrikas erstem schwarzen Präsidenten. Er wurde weltweit zum Hoffnungsträger für eine Welt ohne Rassismus.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Facettenreiches Johannesburg

(RP)