Schnäppchen in der Lagunenstadt: So schön ist Venedig im Winter

Schnäppchen in der Lagunenstadt: So schön ist Venedig im Winter

Düsseldorf (RP). Venedig betört, und gerade jetzt offenbart die Stadt besondere Reize. Sie bietet Schnäppchen ohne Ende, den Capuccino gibt es für 1,50 Euro, die Hotelpreise sind deutlich gesenkt worden. Und es ist nicht so stickig wie im Sommer.

Es ist die frische Seeluft, die einem jetzt in die Nase strömt. Venedig atmet freier — da herrscht nicht dieser warme, modrige Geruch des Sommers. Da sind die Gassen nicht so überlaufen wie zur Hauptsaison. Da wird es allenfalls auf der Rialto-Brücke eng, weil dort jeder Tourist mindestens einmal stehen möchte. Obwohl kaum Schnäppchen zu finden sind, eher Ramsch.

Wer jetzt durch die Gassen bummelt, findet etwas westlich des größten Opernhauses der Stadt, des Teatro La Fenice, auf dem Campo Santo Stefano Holzbuden mit toskanischer Wildschweinwurst und Glühwein. Die Venezianer feiern Vorweihnacht. Sie genießen die feine italienische Kost. Sie stellen sich mit dem Rotwein in der Hand auch bei Minusgraden an die Stände und reden und lachen.

Das Labyrinth aus Tausenden von Gassen lädt weiter zur Entdeckungsreise. Venedig will erlaufen werden, erst dabei erwacht die Liebe zur Lagunenstadt. Da öffnet sich plötzlich die Tür zu einer Jahrhunderte alten Buchdruckerei, in der noch alte Drucke zu kaufen sind. Es locken die alten Schuhläden mit Schnäppchenpreisen. Nur ein paar Schritte entfernt von den Haupttrassen des Tourismus kostet der Cappuccino nur 1,50 Euro.

Es lohnt sich, rechts und links zu schauen, doch Vorsicht: Es gibt keine Straßennamen; die Häuser tragen Nummern, die wurden in der Reihenfolge des Baujahrs vergeben. Der Kenner geht, wenn er sich verlaufen hat, streng in eine Richtung, bis er die nächste Haltestelle des Vaporettos erreicht hat. So heißen die Linienboote.

Günstige Erkundung im Vaporetto

Mit denen lässt sich die brückenreiche Stadt vom Wasser aus gut erkunden, und das preisgünstig. Es gibt Tages- und Mehrtagestickets für ein paar Euro. Enthalten im Preis sind auch die Fahrten zur Glasbläserinsel Murano. Rund 150 Glasmacher sind dort noch aktiv. Früher war die Insel eine Art Festung, denn niemand sollte die Kunst des Glasblasens von den "maestri" abgucken. Heute hingegen wird jeder Flaneur in die "show-rooms" gebeten, um bei schweißtreibender Hitze der kunstvollen Verformung des Glasbreis zuzuschauen — und dann natürlich einzukaufen. Das neue Echtheitszertifikat "Promovetro" schützt vor Billigware aus Fernost.

Auf halbem Weg nach Murano ist auch die Friedhofsinsel einen Stopp wert. Auf San Michele liegen zwar auch Berühmtheiten wie der russische Komponist, Musiker und Dirigent Igor Strawinski (1882-1971) begraben, doch es ist mehr der morbide Charme, der den Besucher in den Bann zieht. Überhaupt hat Venedig eine einmalige Mischung aus Symbolen für Tod und Geburt, für Erotik und Genuss.

Da gähnt eine Venezianerin in den schattigen Gassen in einem Kegel aus Sonnenlicht. Da staubt vor dem Arsenal der einstigen Kriegsmarine Venedigs eine junge Frau mit einem Tuch einen steinernen Löwen ab. Dann wieder sitzen sich zwei Studentinnen im lebendigen Stadtteil Dorsoduro auf einem Mauerteil gegenüber und erzählen, dass es selbst für den Fremden eine Lust ist, den unverständlichen Sätzen zu lauschen. So viel Melodie und Lebensfreude schwingt mit.

Gondelfahrt für 120 Euro

Dann kommt die Königsdisziplin: eine Gondelfahrt. Sie kostet als Richtwert etwa 120 Euro die Stunde. Wer zu zweit sein Glück in dem traditionsreichsten Verkehrsmittel Venedigs sucht, wird es vielleicht bei der romantischen Sonnenuntergangsstimmung finden. Kenner lassen den Gondoliere vorher Probe singen und die Marke des Sekts im Boot zeigen. Wenn auch die Vereinigung dieser Schiffer strenge Kriterien für die Prüfung der Anwärter hat, so finden sich durchaus genug Scharlatane an den Stegen.

Wer sich nach dem prallen Leben auf dem Lido sehnt, wird jetzt im Winter enttäuscht. Die langen Sandstrände haben ihre Trauermiene aufgesetzt. Vergessene Sandschaufeln, verrostete Gitter und geschlossene Lokale sind nur etwas für Sinnsucher in der Einsamkeit. Das Linienboot bringt den Gast in 20 Minuten zurück ins quirlige Zentrum um den Markusplatz. Die Fahrt geht weiter auf dem Canal Grande mit seinem Wirrwarr an Booten. Dann plötzlich ist die Pescheria zu sehen. Es ist eine zweigeschossige, offene Säulenhalle. In ihr wird seit 1907 Fisch verkauft. Hier lohnt ein Besuch, denn es geht um einen Streifzug durch die Urzelle Venedigs, den "Bauch" gewissermaßen.

Als Tipp zum Kauf gilt der Schwertfisch, der besonders festes Fleisch hat. Tintenfische, Muscheln und Kleinfische sind ebenfalls im Angebot. Nebenan lässt sich um Gemüse und Obst feilschen. Zubereitet wird dann alles in der für eine Woche gemieteten Ferienwohnung. Es gibt eine breite Palette an Angeboten — von der abseits gelegenen praktischen bis zur luxuriösen mit venezianischen Möbeln und Blick über die Stadt.

Wie ein Venezianer auf Zeit zu wohnen und sich zu fühlen, ist oft günstiger als im Hotel zu übernachten. Zwar sind die Hotelpreise bei einigen Anbietern gerade um bis zu 42 Prozent gesenkt worden, aber dennoch liegen sie mit zirka 114 Euro pro Person und Nacht über dem europäischen Durchschnitt.

Info Anreise Flug mit Air Berlin von Düsseldorf bis Venedig ab 130 Euro, www.airberlin.com. Günstige Fahrt mit dem Linienbus vom Flughafen Marco Polo bis zum Busterminal, dann umsteigen ins Linienboot (Vaporetto) mit Tagesticket.

Übernachten Wer ungewöhnlich (und preiswert) wohnen möchte, vielleicht in einem exklusiven Privathaus mit Blick auf den Lido und mit venezianischen Möbeln, findet Angebote bei der Mitwohnzentrale Venezia, Allogi Temporanei, Castello 5448/A, Tel. 041/5231672, www.mwz-online.com .

Karneval Die Zeit der Masken ist vom 26. Februar bis 8. März.

Lesen Schauspieler Ulrich Tukur, der seit Jahren auf der Insel La Giudecca lebt, schrieb "Die Seerose im Speisesaal" (List, 9,95 Euro)

Auskunft Italienische Zentrale für Tourismus, Barckhausstr. 10, 60325 Frankfurt, Tel. 069/237434, www.enit.de. Weitere Internetadressen für Venedig: www.turismovenezia.it, www.venicecard.it

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das muss man in Venedig gesehen haben

(RP)