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Rhythmus der Trommeln: Karneval ohne Ende in Uruguay

Uruguay : Im Rhythmus der Trommler

In keinem Land wird Karneval so leidenschaftlich gefeiert wie in Uruguay. Kaum etwas symbolisiert dieses Fest so wie der Trommeltanz Candombe.

Wenn die Temperaturen im Januar in Montevideo auf mehr als 30 Grad steigen, beginnt für die Bewohner der Millionenstadt die intensivste Zeit des Jahres. „Wir leben das ganze Jahr auf den Karneval hin“, sagt Xamila Súarez, die gerade mit ihrer Candombe-Truppe in einer Turnhalle im Süden der uruguayischen Hauptstadt probt.

In der großen Halle steht förmlich die Hitze. Kein Wunder, mehr als 70 Trommler sind schon da und geben Xamila den Rhythmus vor. „Der Candombe, ist eine ethnische, rhythmische und spirituelle Symbiose“, erklärt die junge Frau. Grazil tanzt sie vor den Trommlern. Nur ihren Oberkörper und ihre Arme schwingt sie zum Takt. Mit den Füßen hingegen macht sie nur kleine Trippelschritte, die an die Sklaven erinnern sollen, die im 18. Jahrhundert an den Füßen gefesselt hier ankamen.

Der Direktor der Truppe, die den Namen Cuareim 1080 trägt, ist die uruguayische Karnevals-Ikone Waldemar Cachila Silva. Er wacht über die Choreographie. Die glitzernden, knapp geschnittenen Kostüme der Tänzerinnen brauchen den Vergleich mit den Outfits der Samba-Schulen im Nachbarland Brasilien nicht zu scheuen.

Alle bereiten sich vor auf den großen „Desfile de Llamadas“, wenn Dutzende Candombe-Gruppen mit ihrem Trommelfeuer ganz Montevideo in Ekstase versetzen. „Der Candombe ist die Quintessenz unseres Karnevals“, sagt Tina Ferreira. Die 47-Jährige ist mehrfach prämierte Vedette, so heißen die Tänzerinnen an der Spitze des Candombe-Umzugs.

Stolz wirft sie den Kopf mit den dicken Locken zurück. „Der Tanz steht auch für die
afrikanischen Wurzeln von zehn Prozent der Bevölkerung, auch meine Vorfahren stammen aus Afrika.“ Uruguay, das kleinste der Länder Südamerikas, ist ein Einwanderungsland, doch während die Europäer freiwillig kamen, wurden die Sklaven gegen ihren Willen hierher gebracht.

„Unsere Vorfahren verloren alles, ihre Identität, ihre Religion, ihren Namen. Nur das Trommeln konnte man ihnen nicht nehmen“, erläutert Ferreira die Entstehung des Candombe, zu dem sich die Sklaven sonntags versammelten.

Pablo Barrios führt die Besucher durch das Karnevalsmuseum in Montevideo. „Unser Karneval dauert 40 Tage, das ist Weltrekord. Die Brasilianer müssen sich dagegen mit nur drei Tagen begnügen“, sagt er.

(dpa)