Reisemesse ITB 2018: Ferienbranche sieht sich im Aufwind

Reisemesse ITB in Berlin: Ferienbranche sieht sich im Aufwind

70 Prozent der Bürger wollen in den Urlaub fahren, ein Drittel will mehr Geld ausgeben - das sind Trends zur Reisemesse ITB. Eurowings bietet bald viele Fernflüge zu Badezielen ab Düsseldorf an, aber nicht mehr US-Ziele.

Rekordzahlen aus 2017 und gute Prognosen für das laufende Jahr: Zu Beginn der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin zeigt sich die Tourismusbranche selbstbewusst. Vor der offiziellen Eröffnungsfeier Dienstagabend mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, Michael Frenzel: "Im vergangenen Jahr waren 1,32 Milliarden Touristen weltweit unterwegs." Im laufenden Jahr rechne man mit einem Plus von 4,5 Prozent.

Auch die Deutschen sind weiter reisefreudig: 155,8 Millionen Urlaube und Privatreisen unternahmen sie im vergangenen Jahr und gaben dafür rund 91 Milliarden Euro aus. Das geht aus einer Studie des Marktforschungsinstitutes GfK im Auftrag des Deutschen Reiseverbands (DRV) hervor.

Griechenland vor Balearen

"Urlaub genießt bei den Deutschen höchste Priorität", sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. In diesem Jahr rechne die Branche damit, dass sich die Deutschen noch einmal 1,5 bis zwei Prozent mehr Reisetage leisten werden.

Den Trend bestätigt die Reiseanalyse des Tourismusforschers Martin Lohmann und einiger Kollegen: 70 Prozent der Bürger gaben schon im Januar an, dieses Jahr sicher oder wahrscheinlich in Urlaub fahren zu wollen. Ein Drittel der Bürger will mehr Geld für die Reise als noch in 2017 ausgeben - damals lag die durchschnittliche Ausgabe pro Reise ab fünf Tagen bei 1054 Euro.

Als Reiseziel ist das östliche Mittelmeer wieder im Trend: Griechenland ist dem DRV zufolge noch vor den Balearen das meistgebuchte Sommerreiseziel. Auch die Türkei ist wieder beliebt. "Aktuell liegen die Umsatzzahlen doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum", so Fiebig. Von 2015, als drei Millionen Deutsche das Land besuchten, sei man aber noch weit entfernt.

Terroranschläge und die angespannten deutsch-türkischen Beziehungen hätten vielen Urlaubern die Lust auf eine Türkei-Reise verdorben. "Wir werden erst dann Stabilität bekommen, wenn der politische Erholungskurs sich fortsetzt", sagte Fiebig. Bei den Fernreisen seien die USA weiter das beliebteste Ziel der Deutschen - allerdings mit einem Umsatzrückgang von 20 Prozent.

Türkei legt dieses Jahr um 50 Prozent zu

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Einzelne Tourismusunternehmen bestätigen das Wachstum. "Wir werden um drei Prozent bei den Gästen zulegen und fünf Prozent beim Umsatz", heißt es bei Alltours in Düsseldorf. Bei der Tui in Hannover, größter Reisekonzern Europas, heißt es: "Klare Zuwächse am Mittelmeer und in Nordafrika."

Die Türkei lege dieses Jahr um 50 Prozent zu, in Tunesien werde eine Verdoppelung der Buchungen erwartet, kräftige prozentuale Zuwächse gäbe es nach Thailand und Jamaika, auf die Malediven und Mauritius.

Dem Trend zum boomenden Urlaub entspricht, wie Eurowings die Langstreckenflotte ab Düsseldorf nutzen will. Diese wird ab April mit drei Jets betrieben, ab dem Winterflugplan mit sieben Maschinen, wenn die Langstreckenflotte in Köln abgezogen wird.

Zunächst fliegen die Jets nur nach New York, Miami und Fort Myers, wobei nur New York und Miami für Geschäftsreisende interessant sind. Bei den weiteren Strecken werden dagegen nach Information unserer Redaktion vorerst nur Ferienziele angeflogen: vier Ziele in der Dominikanischen Republik, zwei in Kuba, dazu Barbados, Mauritius, Jamaika, die Seychellen und Cancun in Mexiko.

Ab Sommer 2019 neue Routen bei Eurowings denkbar

Das ist auch eine teilweise Enttäuschung für das Management vom Flughafen Düsseldorf, das gerne mehr Langstreckenrouten speziell für Geschäftsreisende anbieten würde.

Die bisherigen Langstrecken von Eurowings ab Köln nach Südafrika, Namibia, Bangkok und auch Las Vegas und Seattle in den USA werden ab Düsseldorf aber erst einmal nicht übernommen, ebenso wenig wie die früheren USA-Ziele von Air Berlin - Boston, San Francisco und Orlando.

"Ab Sommer 2019 sind aber wieder neue Routen denkbar", heißt es intern bei Eurowings.

(kess)