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Waldbrände in Südeuropa: Kann ich meinen Urlaub stornieren? Infos für Reisende

Infos für Reisende : Waldbrände in Südeuropa – kann ich meinen Urlaub stornieren?

Griechenland, Türkei, Italien: Viele südeuropäische Urlaubsländer kämpfen zurzeit mit Extremtemperaturen über 40 Grad und Waldbränden. Was Reisende wissen müssen, wenn sie einen Urlaub in einem betroffenen Gebiet gebucht haben.

Die Waldbrände wüten vor allem in Urlaubsgebieten: In Griechenland brennt es auf der beliebten Insel Rhodos, in der Türkei sind Antalya und Mugla betroffen und in Italien sind auf Sizilien und Sardinien Brände ausgebrochen. Unseren aktuellen Bericht dazu (Stand: 2. August) lesen Sie hier. An mehreren Orten mussten Touristen evakuiert werden, in Italien wirkten sich die Brände auf die Eisenbahn aus: Zahlreiche Passagieren mussten an Bahnhöfen übernachten, weil die Züge Richtung Süditalien und Adria ausfielen. Was tun, wenn man den Sommerurlaub in einem betroffenen Land gebucht hat?

In der Türkei, Griechenland und Italien rät das Auswärtige Amt derzeit zur Vorsicht. Urlauber sollten sich vor der Abreise bei den Reiseveranstaltern darüber informieren, ob ihre Unterkunft betroffen ist. „Waldbrände gelten als höhere Gewalt - dafür kann weder der Veranstalter noch der Reisende etwas“, sagt Reiseanwalt Paul Degott. Gehandhabt werde das ähnlich wie bei der Corona-Pandemie: Eine kostenlose Stornierung ist aufgrund außergewöhnlicher Umstände möglich.

Bei einer Pauschalreise muss der Veranstalter dann den gesamten Preis zurückzahlen. Das gilt demnach allerdings nur, wenn die unmittelbare Nachbarschaft von den Waldbränden betroffen ist. Deswegen ist es so wichtig, sich vorher bei dem Veranstalter zu informieren. „Bei Unterkünften, die zu weit entfernt sind, reichen Angst und Sorge nicht aus, den Urlaub zu stornieren“, sagt Degott. Auch hohe Temperaturen allein berechtigen in der Regel nicht dazu, eine Reise kostenlos zu stornieren.

Komplizierter wird es für Urlauber, die sich schon am Ziel befinden. „Da muss zunächst gefragt werden: Ist das Konstrukt  des Vertrages noch erfüllt?“ Wenn durch Waldbrände der Strand nicht genutzt werden kann oder die Luft qualmig ist, sei die Leistung, die im Vertrag vereinbart wurde, nicht gegeben, so Degott. Die Reise kann also vorzeitig beendet werden, die Mehrkosten, die durch die verfrühte Abreise für den Reisenden entstehen, muss der Veranstalter tragen. „Der Rückflug ist ja schon bezahlt worden, der Veranstalter muss dann aber die Organisationsleistung erbringen“, sagt der Anwalt. Schadenersatz für vergangene Urlaubsfreuden gibt es aber nicht: Ein Minderungsanspruch besteht nur dann, wenn der Veranstalter seine Fürsorgepflicht verletzt hat – etwa, wenn dem Reisenden versichert wurde, dass am Urlaubsort alles in Ordnung ist, Ausflüge aber ausfallen müssen oder das Hotelzimmer nicht verlassen werden darf.

Schlecht sieht es für Individualtouristen aus, für sie gelten andere Regeln. „Bei einzeln gebuchten Reiseleistungen besteht ein Recht auf kostenfreie Stornierung nur, wenn es vertraglich vereinbart wurde. Nur wenn die Leistung nicht erbracht werden kann, etwa bei einem Flugverbot oder Einreiseverbot für den jeweiligen Fluggast, braucht sie nicht bezahlt zu werden“, sagt Jan Philipp Stupnanek von der Verbraucherzentrale. 

Ob Stornierungen möglich sind, muss dann separat geklärt werden. Bei individuell gebuchten Unterkünften im Ausland gilt das Recht des Landes, in dem das Hotel oder das Ferienhaus liegt.

(desa/dpa)