Riesenwelle traf Louis Majesty: So sicher sind Kreuzfahrten

Riesenwelle traf Louis Majesty: So sicher sind Kreuzfahrten

Düsseldorf (RP). Nach dem Kreuzfahrt-Unglück im Mittelmeer, bei dem eine Welle Schiffsfenster der Louis Majesty zerschlug, rätseln Experten über die Ursache. Sie sprechen von einem "extrem seltenen Vorfall" - und schließen einen Fehler des Kapitäns nicht aus.

Ist es bereits zu ähnlichen Unglücken auf hoher See gekommen?

"Im Mittelmeer sind solche Vorfälle extrem selten, im Atlantik kommen derartige Unglücke allerdings vor, wenn auch nur rund alle zehn Jahre", sagt Kathrin Ehlert-Larsen vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik in Hamburg. Zuletzt geriet 2001 das Hapag-Lloyd-Kreuzfahrtschiff MS ,,Bremen" auf dem Weg von der Antarktis nach Rio de Janeiro im Südatlantik in einen Sturm, und eine Welle zerstörte ein Brückenfenster. Von den 137 Passagieren wurde niemand verletzt.

Wie sicher sind Kreuzfahrtschiffe?

"Bei der Konstruktion wird bereits berücksichtigt, dass acht Meter hohe Wellen das Schiff treffen können", sagt Ehlert-Larsen. Normalerweise würden die Fenster derartigen Wellen standhalten. "Die 1992 gebaute ,Louis Majesty' ist zwar eher ein älteres Kreuzfahrtschiff", sagt Ehlert-Larsen. "Aber solche Schiffe werden regelmäßig gewartet und von TÜV-ähnlichen Institutionen geprüft."

Wie konnte es trotzdem zu einem solchen Unglück kommen?

"Das muss ein extrem tragisches Zusammentreffen vieler Faktoren gewesen sein", sagt Experte Ehlert-Larsen. "Vermutlich sind die Wellen in einem ganz bestimmten Winkel auf die Fensterscheiben getroffen." Karlheinz Follert, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Kapitäne, schließt einen Fahrfehler des Kapitäns nicht aus. "Es gibt häufiger derart schlechte Wetterverhältnisse im Golf von Lyon", sagt er. "Dann muss man eigentlich den Kurs anpassen und die Geschwindigkeit drosseln." Eine gute Seemannschaft könne ein Schiff durch acht Meter hohe Wellen steuern. "Normalerweise haben die Kapitäne präzise Wetterberichte und Karten."

War es eine "Monsterwelle"?

  • Fotos : Monsterwelle trifft "Louis Majesty"

Nein. Von Monsterwellen sprechen Experten erst dann, wenn eine Welle die Höhe des normalen Seegangs rundherum um mindestens das Dreifache übersteigt. Nach Expertenangaben können sich die Wasserwände bis zu zu einer Höhe von 30 Meter und zum Teil auch mehr auftürmen.

Wie entstehen extrem hohe Wellen?

Zum einen können Wellen verschiedener Längen und mit verschiedenen Geschwindigkeiten sich gegenseitig überholen und in ihrer Kraft summieren - dadurch entstehen mancherorts hohe Wasserwände. Zum Teil entstehen so auch drei oder vier hohe Wellen, die dann gemeinsam über das Meer toben. Allerdings braucht es für diese Entwicklung einen konkreten Auslöser, erklärt Professor Andreas Wieck, Inhaber des Lehrstuhls für angewandte Festkörperphysik an der Ruhr-Universität Bochum. Ein Beben könnte ein solcher Auslöser sein. Ungewöhnlich hohe Welle können auch dadurch entstehen, dass zwei Wellen, wenn sie in relativ kleinem Winkel aufeinandertreffen, sich binnen kurzer Zeit gegenseitig aufschaukeln können - begünstigt von Strömungen und Wind.

Wie muss man ein Schiff durch solche Wellen steuern?

"Wellen drehen Schiffe in eine Parallelposition", erklärt Andreas Wieck. "Ein Kapitän muss das Schiff also rechtzeitig schräg oder frontal in die Welle steuern, um sie mit der Achse zu brechen." Das müssen auch Schiffe aushalten, die durch ihre Höhe "wackeliger" werden als zum Beispiel Frachtschiffe, so Wieck.

War der Orkan von den Meteorologen vorhergesehen worden?

"Ja", sagt Michael Knobelsdorf vom DWD. "Wir hatten den Orkan ein bis zwei Tage zuvor angekündigt." Bei Toulon und im Bereich der Balearen, also nicht weit von der Unglücksstelle entfernt, habe man am Unglückstag Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern gemessen. "Solche Unwetter sind im Mittelmeer zwar nicht häufig, können aber vorkommen, vor allem in den Frühjahrsmonaten." Gestern hatte sich der Orkan bereits abgeschwächt und war nach Mittelitalien weitergezogen.

(RP)