1. Leben
  2. Reisen
  3. Ratgeber

Auswandern: Geld, Rente, Voraussetzung - was Sie vor dem Umzug wissen müssen

Auswandern : Wem der Umzug ins Ausland nützt

Wer davon träumt, unter Palmen zu leben, muss vieles beachten. Planung, sagen sogenannte Expats, ist das A und O. Wer sich trotzdem für das Abenteuer Auswandern entscheidet, kann davon profitieren.

Es gibt so viel, das für Deutschland spricht: ein gutes Sozialsystem, ein gutes Gesundheitssystem und der hohe Bildungsstand, zum Beispiel. Es gibt aber auch vieles, was gegen Deutschland spricht: das Wetter, zum Beispiel. Oder, dass in Deutschland durchschnittlich mehr gearbeitet wird als in vielen anderen Ländern. Allein 2018 sind laut Statistischem Bundesamt mehr als eine Viertelmillion Deutsche ausgewandert - Tendenz steigend.

Warum wollen so viele Menschen auswandern?

Geld und Lebensstil sind die häufigsten Gründe für eine Auswanderung. Das zeigt die German Emigration and Remigration Panel Study – auf deutsch: Deutsche Auswanderungs- und Rückwanderungs-Studie –, deren Ergebnisse im Dezember 2019 durch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung unter dem Titel "Gewinner der Globalisierung – Individuelle Konsequenzen von Auslandsaufenthalten und internationaler Mobilität" zusammengefasst veröffentlicht wurden. Die Verfasser haben herausgefunden, dass Menschen, die sich entschließen, ins Ausland zu ziehen, überdurchschnittlich qualifiziert sind. Drei Viertel der Studienteilnehmer hatten demnach einen Hochschulabschluss. Sie profitieren in der Regel finanziell von der Auswanderung. Und das nicht zu knapp: Laut Studie verdienten sie durch den Umzug ins Ausland im Durchschnitt 1200 Euro netto mehr als vorher in Deutschland.

Dabei muss es nicht immer ein höheres Gehalt bei einem neuen Job sein, das einen finanziellen Anreiz zum Auswandern liefert. Es gibt auch Länder, die das Auswandern mit Geld belohnen.

Hier gibt es Geld für Auswanderer

Immer wieder gibt es von Städten, Dörfern oder Regionen finanzielle Anreize für diejenigen, die sich entschließen, ihr Leben ins Ausland zu verlegen. Zum Beispiel:

  • Wer in Chile ein Start-up gründet, wird belohnt. Das Programm Start-up Chile hilft erfolgreichen Bewerbern mit einem Arbeitsvisum über ein Jahr finanzieller Förderung in Höhe von – je nach Art des Start-ups – mehreren Tausend Euro.
  • Wer ins kanadische Saskatchewan auswandert, kann als berufserfahrener Akademiker unter Umständen bis zu 14.400 Euro Fördermittel bekommen. Voraussetzung: Seine Berufsgruppe ist gefragt und er verpflichtet sich, mindestens sieben Jahre dort zu leben und zu arbeiten.
  • Wer als Paar nach Ponga im Nordwesten Spaniens auswandert, bekommt 3000 Euro.
  • In Tulsa, im US-Bundesstaat Oklahoma, bekommen Teilnehmer des Tulsa Remote Programms 10.000 Dollar.
  • Familien, die auf die griechische Insel Antikythera ziehen, bekommen 500 Euro monatliche Unterstützung.

Achtung: Immer wieder werden Programme gestoppt – dafür kommen anderswo neue hinzu, die in der Regel darauf zielen, qualifizierte Auswanderer für sich zu gewinnen und Orten neues Leben einzuhauchen, in denen die Bevölkerung weniger wird.

Wer ohne großes Startkapital auswandern will und flexibel ist, sollte sich vorher schlau machen. Und das am besten ziemlich genau, denn eine finanzielle Prämie ist nun mal auch nicht alles. Denn oft sind es gerade in Europa kleine Dörfer, die mit Geld winken und so verhindern wollen, dass der Ort komplett ausstirbt. Dementsprechend begrenzt können dort die Möglichkeiten sein, sich beruflich aber auch privat etwas aufzubauen. Und so schön ein paar Tausend Euro Startkapital auch klingen – sie reichen meistens nicht, um sich den Lebensunterhalt über einen längeren Zeitraum, der oft Voraussetzung für die Prämie ist, zu sichern.

Spanien-Auswanderin berichtet

Ein bisschen mehr braucht es schon, damit das Auswandern richtig gelingt. Das weiß auch Alexandra Neumann. Vor rund vier Jahren ist die 32-Jährige nach Malaga, Spanien, ausgewandert. Sonne, Strand und Meer – trotzdem hat sie viel Arbeit hineingesteckt, um sich hier ein neues Zuhause aufzubauen. Sie betont: "Hier in Spanien kriegt man nichts geschenkt."

Die Geschichte von der Frau, die beschloss, ihr Glück im Ausland zu suchen, beginnt bereits vor zehn Jahren. "Damals habe ich meinen Lebensgefährten Gustavo kennengelernt", erinnert sie sich. Gustavo war gerade von Spanien nach Deutschland gezogen, um dort zu arbeiten. Die beiden verliebten sich, zogen zusammen und lebten gemeinsam im Bergischen Land. Und wenn sie Urlaub machten, ging es in Gustavos alte Heimat. "Ich habe mich direkt in Malaga verliebt. Und ich habe auch gemerkt, dass Gustavo Heimweh hatte und seine Familie vermisste. Deshalb habe ich gesagt: Besorge mir einen Job und wir wandern aus."

Irgendwann entdeckte Alexandra ganz zufällig eine Job-Annonce auf Facebook. "Da suchte eine Firma deutsche Angestellte für den Vertrieb. Und ich dachte: Vertrieb kann ich. Wahrscheinlich bin ich da ziemlich blauäugig drangegangen, aber ich habe mich beworben – und hatte auf einmal ein Vorstellungsgespräch bei einem sehr großen, internationalen IT-Unternehmen", erinnert sie sich.

Das Bewerbungsverfahren lief über fünf Runden. Zum Schluss bekam Alexandra ein Job-Angebot – und dann ging alles ganz schnell. Ein Spediteur wurde bestellt, der nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch ihre Pferde nach Malaga brachte, sie und Gustavo setzen sich ins Auto, fuhren los – und Alexandras Auswanderer-Leben begann. "Am Anfang habe ich aber noch gar nicht so realisiert, dass ich jetzt in Spanien wohne. Die ersten zwei Wochen hatte ich noch frei – und es war wirklich eher wie Urlaub. Als ich dann tatsächlich an meinem neuen Arbeitsplatz angefangen habe, wurde mir erst klar: Ich lebe jetzt hier. Lustigerweise ging es Gustavo, der ja schon vorher in Malaga gewohnt hatte, genauso. Auch er hat ein paar Wochen gebraucht", sagt sie.

Was sind die besten Voraussetzungen zum Auswandern?

  • Damit der Umzug in ein anderes Land gelingt, sind fünf Dinge von Vorteil:
  • berufliche Perspektive
  • Sprachkenntnisse
  • Ortskenntnisse
  • Unterkunft
  • Kontaktpersonen vor Ort

"Ohne einen Job wäre ich nie nach London gezogen", sagt Auswanderin Viktoria Hof, die vor sechs Jahren von Deutschland nach Großbritannien gezogen ist. Die 30-Jährige machte während ihres Studiums ein Auslandspraktikum in London und verliebte sich in die britische Hauptstadt – und in Adam, einen Schweden, der aus beruflichen Gründen nach London gekommen war.

Durch Zufall stieß sie auf eine Stellenanzeige, bewarb sich und hatte Glück. Seitdem lebt sie in London. Sie rät: "Man sollte erst umziehen, wenn man einen Job gefunden hat. Hilfreich ist es auch, zumindest teilweise die Sprache zu sprechen. Trotzdem: Wer darüber nachdenkt, auszuwandern, sollte es einfach machen. Eine gute Vorbereitung ist wichtig und hilft. Aber alles kann man nicht vorbereiten. Wer vom Auswandern träumt, sollte sich nicht abhalten lassen und es einfach probieren."

Viktoria kann sich nicht wirklich vorstellen, nach Deutschland zurückzukehren. Sie hat in London Karriere gemacht. Ob sie allerdings für immer in Großbritannien bleiben wird, steht nicht fest. Sie und Adam sind mittlerweile verheiratet. Durch ihn hat sie Schweden kennengelernt. Auch ein schönes Land. Die beiden spielen immer mal wieder mit dem Gedanken, dort ein paar Jahre oder auch mehr zu verbringen. Aber noch ist es nicht so weit.

Alexandra Neumann, die vor vier Jahren nach Spanien ausgewandert ist, hatte Glück: Die Familie ihres Partners Gustavo war bereits vor Ort. "Das hat vieles einfacher gemacht. Sie konnten uns zum Beispiel bei der Wohnungssuche helfen und wir hatten jemanden da, der uns helfen konnte", sagt sie. Sie rät denjenigen, die niemanden im Auswanderungs-Ziel kennen, wennmöglich zur Probe dort zu wohnen. "Ein Urlaub allein reicht nicht, um ein Land wirklich kennenzulernen", sagt sie.

Andererseits gibt auch sie zu: Selbst wenn man denkt, alles über die neue Heimat zu wissen, kommen noch Überraschungen auf einen zu. In ihrem Fall machte sich das zum Beispiel bei Behördengängen bemerkbar. "Das ist hier furchtbar kompliziert und niemand steigt wirklich durch. Damit es funktioniert, beauftragt man am besten sogenannte Gestorias, die das für einen erledigen – das muss man aber auch erstmal wissen, so etwas gibt es in Deutschland ja gar nicht", sagt sie.

Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist für sie, wie entspannt die Handwerker vor Ort sind. "Hier gibt es keinen Notdienst, wenn es der Boiler für heißes Wasser kaputt ist, dann kann das Tage oder Wochen dauern, bis er repariert wird. Und oft wird auch nur provisorisch geflickt", sagt sie. So richtig stören lässt sie sich aber davon nicht. "Man muss sich schon auf das Land einlassen, wenn man auswandert", sagt sie. Und auch, wenn sie in Malaga genauso arbeiten geht wie in Deutschland und ihr Tagesablauf auch nicht so anders ist wie früher in ihrem Heimatland, genießt sie ihr Leben in Spanien. "Es ist schon etwas anderes, ob man auf dem Weg zur Arbeit im Stau steht und es regnet, oder ob man am Meer entlang fährt. Außerdem sind die Winter nicht so kalt, es ist nicht so dunkel, man ist viel mehr draußen. Außerdem sind die Spanier sehr offen und freundlich, auch Ausländern gegenüber", sagt sie.

Wohin möchten die Deutschen auswandern?

Das Statistische Bundesamt führt Buch darüber, wohin es die deutschen zieht. Die beliebtesten Auswanderungs-Ziele waren demnach 2018:

  1. Schweiz
  2. Österreich
  3. USA
  4. Großbritannien
  5. Spanien
  6. Türkei
  7. Frankreich
  8. Polen
  9. Niederlande
  10. Australien

Wie viel Geld braucht man zum Auswandern?

  • Wie viel Geld man zum Auswandern braucht, hängt davon ab, wohin man auswandert. Einzurechnen sind:
  • Umzugskosten
  • Kosten für eine Unterkunft
  • Rücklagen

Lebenshaltungskosten können im Ausland gravierend von denen in Deutschland abweichen. Wer sich vorher über das Auswanderungs-Ziel schlau gemacht hat, weiß ungefähr, wie viel Geld für Unterkunft, Lebensmittel und andere Dinge benötigt wird und kann dementsprechend planen. Dabei gilt es, vorsichtig zu sein: Nicht nur von Land zu Land können sich die Lebenshaltungskosten unterscheiden, auch regionale Kosten können teilweise sogar stark variieren. So ist das Leben in einer Hauptstadt zum Beispiel häufig teurer als anderswo.

Wie viele Rücklagen nötig sind, damit das Leben in einem neuen Land komfortabel begonnen werden kann, hängt nicht nur von den Lebenshaltungskosten vor Ort sondern auch von den beruflichen Perspektiven des Auswanderers ab. Wer sich bereits vor dem Umzug ins Ausland eine neue Arbeit gesichert hat, weiß, wann das erste Gehalt gezahlt wird und wie hoch es ausfällt. Eine höhere Rücklage sollten diejenigen bilden, die erst noch nach Arbeit suchen müssen. Auch hier kommt es natürlich auf den Arbeitsmarkt im jeweiligen Land an, wie schnell man mit einem neuen Job rechnen kann, als Faustregel raten Experten mindestens Rücklagen für sechs Monate gebildet zu haben.

Tipp: Ein kleiner Puffer schadet nie. Auch Menschen, die sich zuvor genau informiert haben, wie das neue Leben im Ausland aussieht und was es kostet, werden oft von Ausgaben, die nicht vorhersehbar waren, überrascht.

Was muss man beim Auswandern beachten?

  • Die absoluten Basics, die man beachten sollte, bevor man auswandert, sind:
  • Aufenthaltserlaubnis
  • Arbeitserlaubnis
  • Medizinische Versorgung
  • Unterkunftsmöglichkeiten

Wer als EU-Bürger in ein Land innerhalb der EU auswandert, hat es durch die EU-Freizügigkeit relativ einfach. Er braucht in der Regel keine Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis. Alles, was gebraucht wird, ist ein gültiger Ausweis. Allerdings gilt auch das Melderecht. Wer auf Dauer umzieht, muss sich in der alten Heimat abmelden und am neuen Aufenthaltsort anmelden.

Wer allerdings in ein Land auswandern will, das nicht zum EU-Ausland gehört, sollte sich vorher schlau machen, welche Bedingungen das Ziel-Land an Einwanderer stellt. Das kann ein Visum, eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitsgenehmigung sein.

Selbst in der EU gibt es, was die medizinische Versorgung angeht, Unterschiede. "Am meisten vermisse ich das deutsche Gesundheitssystem", sagt Auswanderin Viktoria Hof, die in London lebt. Nicht nur die Art der medizinischen Versorgung, sondern auch die Art der Krankenversicherung kann variieren. Besonders Auswanderer mit gesundheitlichen Problemen sollten sich hier vorher umfassend informieren. Das gilt noch mehr für diejenigen, die sich außerhalb von Europa niederlassen wollen. Nicht überall gibt es eine flächendeckende Krankenversorgung.

Wo muss man sich vor dem Auswandern abmelden?

Beim Auswandern gilt in Deutschland das, was auch bei einem Umzug gilt: Man muss sich beim Einwohnermeldeamt anmelden und am Zielort anmelden. Wer Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder ähnliche Fördergelder bezieht, sollte sich ebenfalls an die entsprechenden Stellen wenden und seinen Umzug dort bekannt geben.

Welche Dokumente müssen vor dem Auswandern beantragt werden?

Welche Dokumente man vor den Auswandern beantragen muss, hängt davon ab, in welches Land man auswandert. Nötig ist auf jeden Fall ein gültiger Ausweis, wie der Personalausweis oder ein Reisepass. Während das Auswandern innerhalb der EU recht unkompliziert ist, werden anderswo mehr Anträge benötigt. Nötig kann zum Beispiel ein Visum sein, dessen Beantragung auch einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen kann. Wer auswandern will, sollte das berücksichtigen.

Was passiert nach dem Auswandern mit der Rente?

Wer in ein Land innerhalb der Europäischen Union, Island, Liechtenstein, Norwegen oder die Schweiz auswandert, muss sich keine Sorgen machen. Wie die Deutsche Rentenversicherung mitteilt, wird in diesem Fall die volle Rente weitergezahlt. Der Umzug muss nur dem Renten Service der Deutschen Post mitgeteilt werden - spätestens zwei Monate vor dem Umzug.

Deutschland hat außerdem auch mit vielen Ländern außerhalb des EU-Auslandes ein Sozialversicherungsabkommen geschlossen. Wer dorthin auswandert, bekommt ebenfalls die Rente in voller Höhe. Nur in Einzelfällen kann es zu Änderungen kommen, wenn der deutsche Rentenanspruch auch ausländische Zeiten beinhaltet, heißt es von der Deutschen Rentenversicherung.

Wer plant, in ein Land ohne Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland auszuwandern, muss sich auf weitere Einschränkungen bei der Rente gefasst machen. Die Deutsche Rentenversicherung rät in dem Fall dazu, sich vorher beraten zu lassen.

Damit die Rente auch im Ausland gezahlt wird, braucht die Deutsche Rentenversicherung jedes Jahr eine Lebensbescheinigung, die sich der Rentenbezieher bestätigen lassen muss. Ausgenommen davon sind Menschen, die in Belgien, Finnland, Israel, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, der Schweiz oder Spanien leben. Allerdings gibt es hier auch Ausnahmen - beispielsweise, wenn der Rentner 95 Jahre oder älter ist.

Hier geht es zur Infostrecke: Zehn Dinge, die Sie übers Auswandern wissen sollten