Santiago de Compostela feiert das "heilige Jahr": Pilger stürmen den Jakobsweg

Santiago de Compostela feiert das "heilige Jahr": Pilger stürmen den Jakobsweg

Santiago de Compostela (RPO). In der Kathedrale ist der Klang einer Orgel zu hören, die Luft ist erfüllt mit Weihrauchduft und die Stimmung in Santiago de Compostela ist ehrfürchtig. Etwa 150.000 Menschen pilgerten 2009 in die Stadt im Nordosten Spaniens, doch 2010 werden erheblich mehr Pilger erwartet. Dieses Jahr ist ein heiliges Jahr, denn der Festtag des Apostels Jakobus, der 25. Juli, fällt auf einen Sonntag.

Das vorige Heilige Jahr war 2004, das nächste wird erst wieder in 11 Jahren sein. Entsprechend der seit dem 15. Jahrhundert bestehenden Tradition öffnete der Erzbischof von Santiago am 31. Dezember die Gnadenpforte der Kathedrale und leitete damit die Feierlichkeiten ein. Dazu gehört auch ein umfangreiches Kulturprogramm: rund 2000 Ausstellungen, Theatervorstellungen und klassische Konzerte bis hin zu einem Mega-Rock-Konzert.

Für die meisten Pilgerer sind aber religiöse und spirituelle Motive ausschlaggebend. Viele suchen die Ruhe des Weges, um über ihr Leben und ihre Bestimmung nachzudenken. Andere treibt kulturhistorisches Interesse. Immerhin bietet der zum Weltkulturerbe erklärte Weg ungefähr 1800 Bau- und Kulturdenkmäler, darunter die großartigen Kathedralen von Burgos, Leon und Santiago.

Der zünftige Pilger beginnt den Hauptweg im französischen Saint-Jean-Pied-de-Port oder jenseits der Grenze im spanischen Roncesvalles. Aber nicht jeder hat die fünf bis sechs Wochen zur Verfügung, die man für die etwa 800 Kilometer braucht. Gut, dass man sie auch in mehreren Jahresetappen angehen kann. Der Camino verfügt über eine hervorragende Infrastruktur: zahlreiche Herbergen, Pensionen und Hotels. Gerade die Herbergen wie auch das gemeinsame Wandern und die Rastpausen unterwegs bieten das Einzigartige des Jakobsweges: die Kommunikation und Austausch mit Mitpilgern aus aller Welt.

Romantische Burgen und spektakuläre Landschaften

Der Camino - das ist auch die Bekanntschaft mit den vielfältigen Landschaften Spaniens. Die Pyrenäen, die Berge von Leon und Galicien, aber auch zahlreiche Hügel dazwischen verlangen dem Wanderer alles ab. Steht man dann aber am Pilgerdenkmal, ist man stolz auf das Erreichte. Schon seit dem 15. Jahrhundert pilgern die Menschen nach Santiago de Compostela. Den Reiz des Weges machen ebenfalls die mit ihm verbundenen Ursprungslegenden und Geschichten aus. An der romantischen Felsenburg von Clavijo im Rioja soll der Heilige Jakobus im 9. Jahrhundert dem asturischen Heer erschienen sein und es zum Sieg über die Mauren geführt haben.

Nach den Anstrengungen vieler Tage nähert man sich schließlich dem Ziel. Vom Monte de Gozo, dem Berg der Freude, eröffnet sich das Panorama von Santiago de Compostela. Die mittägliche Pilgermesse ist der Schlusspunkt des Weges und trägt sicher zu dessen einzigartigem Zauber bei, der viele Pilger nicht los lässt. Beendet ist die Pilgerschaft, wenn die Jakobus-Büste über dem Altar umarmt wurde. Im Pilgerbüro legt man dann sein Credencial, den Pilgerpass, vor, den unterwegs mit vielen Stempeln versehenen Nachweis, dass mindestens 100 Kilometer zu Fuß oder 200 mit dem Fahrrad zurückgelegt wurden. Dafür gibt es die Compostela, die Pilgerurkunde.

Infos:

Santiago de Compostela: Der ca. 800 Kilometer lange Weg nach Santiago de Compostela wird Camino Francés genannt. Der Hauptweg findet seinen Ursprung an der französisch-spanischen Grenze. Den deutschen Wanderern wird empfohlen, ihre Reise in Pamplona zu beginnen, da es von Deutschland leichter zu erreichen ist, als die Ausgangspunkte.

Credencial: benötigt man zur Übernachtung in den Pilgerherbergen und als Nachweis für die Erlangung der Compostela. Erhältlich in Deutschland über die jeweiligen Jakobusgesellschaften (jakobus-info.de).

Anreise: z.B. von Düsseldorf mit Lufthansa (lufthansa.com) oder Air Berlin (airberlin.com) nach Bilbao, dann mit dem Bus nach Pamplona (ca. zwei Stunden, autobuseslaunion.com)

Rückreise: von Santiago z.B. nach Düsseldorf mit Lufthansa oder Air Berlin.

Praktische Tipps und Infos: jakobusfreunde-paderborn.eu; www.spain.info

Hier geht es zur Bilderstrecke: Jakobsweg (Teil 1): Aufbruch nach Santiago

(mais/qui)