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Stadt im Wandel: Oberhausen: Von Industrie- zur Touristenstadt

Stadt im Wandel : Oberhausen: Von Industrie- zur Touristenstadt

Oberhausen ist weit über die Grenzen Nordrhein-Westfalens bekannt. Vor allem wegen seiner guten Einkaufsmöglichkeiten, im riesigen CentrO. Doch mittlerweile hat sich Oberhausen zu einer echten Touristenattraktion gemausert, die viel mehr zu bieten hat. Vor allem zahlreiche neue Attraktionen ziehen die Besucher an. Die Übernachtungen steigen jedes Jahr. Das hätte vor zehn Jahren noch keiner gedacht.

Wenn Axel Biermann, Geschäftsführer der Tourismus & Marketing Oberhausen (TMO) GmbH, die vergangenen Jahre Revue passieren lässt, klingt das nach einer Erfolgsgeschichte mit märchenhaften Zügen: "Tourismus gab es hier Anfang der neunziger Jahre praktisch gar nicht", sagt Biermann. "Wir hatten gut 40.000 Gästeübernachtungen, vergangenes Jahr waren es schon 190.000, und in zwei Jahren peilen wir 230.000 an."

Die Zahl der Gästebetten hat sich auf 1.500 mehr als verdoppelt. Die Zuwachsraten sind sogar bei den Besuchern aus dem Ausland zweistellig. Vor allem aus den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und Großbritannien kommen die Kurzurlauber. Oberhausen ist jetzt in etlichen Reisekatalogen vertreten, auch beim Branchenprimus TUI.

Wiege der Ruhrindustrie

Rund 23 Millionen Besucher kamen 2004 den offiziellen Schätzungen zufolge in die "Neue Mitte" mit dem überdimensionalen Einkaufszentrum CentrO, den Teil Oberhausens, an dem sich wie an keinem anderen Ort der Stadt der rapide Wandel zeigen lässt. Das CentrO beherbergt auf 70.000 Quadratmetern mehr als 200 Geschäfte, einen Freizeitpark und eine "Gastronomie-Promenade", an der sich über 400 Meter ein Restaurant ans nächste reiht.

Alt und neu gibt es überall, in Oberhausen aber in extremer Form nebeneinander. In der Stadt hat die Industrialisierung Deutschlands begonnen. Die St-Antony-Hütte, die erste der Region, wurde 1758 hochgezogen. "Wiege der Ruhrindustrie" steht an dem Gebäude des ersten Unternehmens der Schwerindustrie, auch wenn es nicht danach aussieht: Das Fachwerkgebäude mit schwarzem Gebälk und grünen Holzfensterläden macht einen rustikalen Eindruck. Heute ist es Teil des Rheinischen Industriemuseums und bis 2008 - wenn es 250 Jahre alt wird - geschlossen. Führungen sind auf Anfrage möglich.

Älteste Arbeitersiedlung

An die Boomzeit der Industrialisierung erinnert auch die Arbeitersiedlung Eisenheim, die älteste des Ruhrgebietes. Die ersten sieben Häuser wurden 1846 gebaut. Gebraucht wurde der Wohnraum, weil mit den Häuschen dringend benötigte qualifizierte Arbeitskräfte geködert werden sollten. Zwei Jahre später lebten 30 Familien in Eisenheim, insgesamt 128 Menschen, 1875 waren es schon 420. Ende des 19. Jahrhunderts kamen dann noch einmal Tausende von Menschen aus den preußischen Ostprovinzen und aus Polen in die Stadt.

Insgesamt 39 Häuser stehen noch, und Eisenheim wirkt zwar wie aus einer anderen Zeit, aber nicht museal: Ein Mofa steht da vor einer Haustür. Vor den Fenstern gibt es Blumenkästen. Auf der Straße spielen Kinder Fußball, und von weitem gucken zwei alte Frauen schweigend zu. In einem der Häuser gibt es eine Ferienwohnung. An der Berliner Straße zeigt das "Volks-Museum Eisenheim" in einem ehemaligen Waschhaus eine Ausstellung zur Geschichte der Arbeitersiedlung.

Etliche neue Attraktionen

Die alten Industrien sind verschwunden, gut 45.000 Arbeitsplätze gingen in den vergangenen 20 Jahren verloren. Dafür ist an touristischen Angeboten etliches dazugekommen: Seit 1994 wird das Wahrzeichen der Stadt, der 117 Meter hohe Gasometer, als Ausstellungshalle genutzt. Das CentrO wurde 1996 eröffnet, das Rheinische Industriemuseum im Jahr darauf, 1998 wurde die Ludwig-Galerie im Schloss Oberhausen umgebaut. Das Schloss aus dem frühen 19. Jahrhundert beherbergte lange die Städtische Galerie - ein Publikumsmagnet war das nicht.

Inzwischen macht die Ludwig-Galerie durch Ausstellungen auf sich aufmerksam, über die weit über die Stadtgrenzen hinaus gesprochen wird: Zur Zeit sind noch bis zum 2. Oktober die "Beautiful Children" von Gottfried Helnwein zu sehen, Auseinandersetzungen des Künstlers mit dem Thema Kindheit, die dem Titel zum Trotz alles andere zeigen als nur schöne Kinder.

Unter Haien spazieren

Neueste Attraktion Oberhausens ist das "Sea Life" in unmittelbarer CentrO-Nähe, das im Sommer 2004 eröffnet wurde. Von den sechs Sea-Life-Aquarien in Deutschland ist das in Oberhausen das größte, eine Unterwasser-Erlebniswelt, in der die Besucher eine Reise von der Rheinquelle bis zum Nordatlantik machen können. Aquarien mit großen Sichtfenstern erlauben den Blick auf Forellen und Flussbarsche, Makrelenschwärme oder langsam dahingleitende Ohrenquallen. Faszinierend ist der Gang durch einen Glastunnel, während Stachelrochen und Katzenhaie über die Besucher hinwegschweben.

Noch lieber als auf Haie und Rochen guckt Axel Biermann allerdings nach vorne. Und so hat der TMO-Geschäftsführer auch schon einige weitere Projekte in der Planung: Der Zukunftspark O.Vision auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks Oberhausen ist eines davon. Ein Kernbestandteil ist der "Gläserne Mensch", eine 140 Meter lange Skulptur in Form eines begehbaren menschlichen Körpers, in dem Ausstellungs- und Seminarräume Platz finden sollen. Vorgesehen sind außerdem ein "Zentrum für Gesundheit und Wellness", ein Spa-Komplex, in dem Besucher sich verwöhnen lassen können und ein Kongresszentrum.

O.Vision ist der "letzte Baustein" der Neuen Mitte. 1,5 Millionen Besucher jährlich sollen hierher kommen - auch mit der neuen Straßenbahnlinie, die von Essen direkt bis 2008 bis zum O.Visions-Gelände verlängert wird. Falls das alles klappt, hat Oberhausen es geschafft, den Aufstieg vom Aschenputtel zu einer der ersten Adressen im deutschen Städtetourismus.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Impressionen aus Oberhausen

(gms)