Stockholm: Isst man hier bald nur noch Insekten?

Krasse Zukunftspläne : Isst man in Stockholm bald nur noch Insekten?

Wie es aussieht, wenn Menschen Insekten essen, kennen die meisten nur von Bildern aus dem Dschungelcamp. Ein Architektenbüro will die Tiere nun zu Stockholms Proteinzufuhr der Zukunft machen - und riesige Insektenfarmen in der Stadt bauen. Wie die Pläne aussehen.

Die Ernährung der Weltbevölkerung ist ein Thema, das Wissenschaftlern schon seit Jahrzehnten Sorgen bereitet. Spätestens 2050 soll die Weltbevölkerung die Neun-Milliarden-Marke erreichen, und die Nahrungsmittel somit nicht mehr ausreichen. Gemeint ist damit vor allem die Fleischzufuhr.

Immerhin benötigt allein die Produktion von 100 Gramm Rindfleisch insgesamt 2193 Liter Wasser. Eine Ressource, die auf der Welt immer knapper wird. Der Wasserverbauch für 100 Gramm Insekten liegt dagegen fast bei Null. Berechunungen wie diese veranlassten die Architekten um Stadtplanerin und Architektin Rahel Belatchew, die Idee von der "InsectCity", der Insektenstadt, zu entwickeln.

Was man mit zehn Kilo Futter produzieren kann. Foto: Belatchew Arkitekter AB

Riesige Insektenfarmen sollen dann an zehn Stellen in Stockholm errichtet werden, und die Stadt in ihrer Proteinzufuhr von der weltweiten Nahrungsmittelproduktion unabhängig machen.

Die Farmen, von den Architekten "BuzzBuildings" (vom engl. summen, schwirren) genannt, erinnern in ihrer Struktur an moderne Gebäude wie die Allianz Arena in München. Ihre Außenstruktur ist dem Skelett von Insekten nachempfunden, und ihre Größe ist variiert. Sie reicht von einem Kreisverkehr bis hin zu echter Stadiengröße. In den Innenhöfe der Insektenringe sollen Bienenwaben Platz finden, und die Tiere somit gleich noch vor dem Aussterben bewahrt werden.

Die "BuzzBuildings" sollen gläsern sein und für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie erinnern allerdings eher an ein gelandetes Ufo. Foto: Belatchew Arkitekter AB

Immerhin haben die Pläne des Belatchew-Architektur-Büros im letzten Jahr den Preis als "Schwedens bestes Design" bekommen. Eine gewisse Begeisterung löst die Zukunftsvision also bereits aus. Die zehn "BuzzBuildings" an zehn Verkehrsinseln der Stadt würden eine Fläche von 500 000 Quadratmetern farmbares Land zur Verfügung stellen, und somit bereits den Proteinbedarf der rund eine Million Einwohner von Stockholm decken, die bis zum Jahr 2018 hier leben werden.

Die Insektenfarmen sollen dabei die gesamte Produktionskette von der Larve bis hin zur Auslieferung abdecken. Weltweit ernähren sich bereits zwei Milliarden Menschen regelmäßig von Insekten. So werden sie in asiatischen Ländern sowohl geröstet, als auch in Suppen mitgekocht. Und auch in Mexiko gibt es ein Gericht namens "Chapulines" das aus gegrillten Heuschrecken besteht.

So könnten Stockholms Straßen dann aussehen. Zehn dieser Gebäude würden den Proteinbedarf von einer Million Menschen decken. Foto: Belatchew Arkitekter AB

Wie genau die Insekten entstehen, soll die Bevölkerung übrigens sehen können. Auch aus diesem Grund sind die Farmen aus Glas. Außerdem sollen Besucher einen Spaziergang machen, und den Insekten beim Aufwachsen zusehen können. Wer mag, kann die Tierchen auch gleich probieren. Angeblich schmecken sie nussig und kross, wie eine Mischung aus Shrimps und Mandeln. In den USA werden bereits Kekse aus Heuschrecken-Mehl hergestellt, ob sich der Trend aber auch in der breiten Masse der Konsumenten durchsetzen können wird, ist bislang ebenso unklar wie die Antwort darauf, ob das Architektenbüro die Stockholmer Bevölkerung wirklich von ihrem neuen Diätplan überzeugen kann.

(ham )
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