"Imperial Pomp" - Bildband von Frank Herfort: Russlands Sehnsucht nach vergangener Größe

"Imperial Pomp" - Bildband von Frank Herfort : Russlands Sehnsucht nach vergangener Größe

Frank Herfort faszinieren die Hochhäuser Russlands. Und so reiste er quer durch das Land und fotografierte sie. Gebaut erst nach dem Zusammenfall des Warschauer Pakts, wirken sie eher wie Bausünden aus dem Kalten Krieg. Pompös, mächtig, bedrohlich. Seine Fotos hat Herfort in einem Bildband veröffentlicht.

Kaum vorstellbar, dass diese mächtigen Türme nach dem Ende des Kalten Kriegs gebaut wurden, dachte sich Frank Herfort beim Anblick der 180-Meter-hohen Red Sails Towers in der russischen Hauptstadt Moskau. Für den Fotografen wirkten sie (und viele andere Gebäude) wie Relikte aus der Zeit des Kalten Kriegs. Architektonische Riesen, wie sie typisch waren für die 50er, 60er und 70er Jahre.

Sie sind es nicht. Im Gegenteil: Entstanden im 21. Jahrhundert sind sie in Russland vielmehr sichtbarer Ausdruck einer Sehnsucht nach vergangener Größe. Überall im riesigen Reich stehen diese Wolkenkratzer, die nach dem Zerfall der Sowjetunion aus dem Boden gestampft wurden. Sie alle sind pompös und wirken aufgrund ihrer Größe fast ein wenig bedrohlich und skurril zugleich.

Seine Momentaufnahmen hat Herfort mit der Kamera festgehalten und nun in einem Bildband veröffentlicht: "Imperial Pomp - Post Soviet High-Rise". Auf 176 Seiten und 100 Fotos hat der Fotograf seine Eindrücke im Kerber-Verlag dokumentiert.

Ob in Moskau, Minsk, Astana oder Kasan - Herfort, Fotograf aus Leipzig und Jahrgang 1979, faszinierten diese monumentalen Hochhäuser auf seiner mehrjährigen Reise durch Russland. In einem Interview sagte er mal: "Ich fand die Wolkenkratzer spektakulär. Sie sahen so ganz anders aus als die Hochhäuser in Europa oder sogar China."

Herfort fotografierte sie zu unterschiedlichen Tageszeiten. Bei Sonnenaufgang und -untergang. Er wartete den richtigen Moment ab, die Lichtverhältnisse sollten optimal sein und drückte schließlich auf den Auslöser. Für ihn sind die Hochhäuser nicht nur Ausdruck von Sehnsucht nach vergangener Größe. Sie stehen für den Ehrgeiz einer stolzen Nation, diese noch zu übertreffen.

Herfort hatte sich in den vergangenen sechs Jahren auf eine architektonische Spurensuche durch die untergegangene Sowjetunion begeben. Mit seinem blauen Wolga, auch er ein Relikt aus der Sowjetzeit, war er mehr als 12.000 Kilometer im Wilden Osten unterwegs: Er überquerte das Uralgebirge, drang bis nach Sibirien vor und folgte dem Lauf der Wolga.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Pompöse Wolkenkratzer im russischen Reich

(nbe)
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