Interview mit Alltours-Chef: Reiselust trotz Krise

Interview mit Alltours-Chef : Reiselust trotz Krise

Düsseldorf (RP). Alltours-Chef Willi Verhuven hat auch in der Krise Millionen verdient. Heute hat der Reiseveranstalter noch 100 Millionen Euro auf der hohen Kante. Dieses Jahr will er den Gewinn deutlich steigern.

Willi Verhuven (60) hat in den vergangen 36 Jahren aus einem Ein-Mann-Reisebüro in Kleve den viertgrößten deutschen Tourismuskonzern geformt. Heute steuert er von seiner Duisburger Zentrale aus 1800 Mitarbeiter.

Wie viel Urlaub machen Sie pro Jahr?

Verhuven: In den letzten beiden Jahren hatte ich genug mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen. Sonst gönne ich mir zwei bis drei Monate im Jahr.

Ist Alltours gut durch die Krise gekommen?

Verhuven: Ja. Wir haben im ersten Krisenjahr über sechs Millionen Euro Gewinn gemacht. Für das in wenigen Tagen zu Ende gehende Geschäftsjahr rechne ich mit einem zweistelligen Zuwachs beim Gewinn. Deshalb haben wir unseren Mitarbeitern im September zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Bonus ausgezahlt — 150 Euro pro Kopf nach 250 Euro im Juni.

Alltours hat legendäre Rücklagen. Mussten Sie in der Krise darauf zurückgreifen?

Verhuven: Nein. Wir haben deutlich über 100 Millionen Euro im Sparstrumpf. Mit einer Eigenkapitalquote von 45,9 Prozent dürften wir das stabilste Tourismus-Unternehmen in ganz Europa sein.

Wie machen Sie das?

Verhuven: So verrückt es klingt: Ich interessiere mich nicht für Geld. Mir ist egal, ob ich in einem Jahr fünf oder zehn Millionen Euro Gewinn mache. Andere Werte sind wichtiger. Offenbar ist das eine recht erfolgversprechende Haltung.

Welche Werte sind wichtig?

Verhuven: Zufriedenheit, Freude, Gerechtigkeit und Umweltschutz.

Aus ökologischen Gründen sind Sie für eine Kerosinsteuer. Jetzt macht die Luftverkehrssteuer Ihre Flugreisen teurer. Hilft das der Umwelt?

Verhuven: Das sind zwei verschiedene Dinge. Die Kerosinsteuer ist richtig, weil Fliegen der Umwelt schadet. Da muss ein Ausgleich her, der über diese Steuer finanziert werden kann. Wir haben nicht das Recht, die Erde als Schrotthaufen zu hinterlassen. Die Luftverkehrssteuer ist aber eine reine Augenwischerei. Da geht es nicht um Ökologie. 60 Prozent der Flüge sind Fracht-Flüge, die von der Steuer ausgenommen sind.

Sie könnten ja selbst Öko-Aufschläge auf Ihre Reisen erheben und das Geld für Umweltprojekte spenden.

Verhuven: Davon halte ich nichts. Das ist zu bürokratisch, hilft nicht bei der Ursachenbekämpfung.

Werden Sie weiter wachsen?

Verhuven: Wir werden weiter wachsen. Unser Ziel, in der kommenden Wintersaison zwölf Prozent mehr Umsatz als im letzten Winter zu schaffen, werden wir aus heutiger Sicht erreichen. Und auch für den Sommer 2011 stehen die Zeichen sehr gut.

Sie suchen derzeit mehr als 100 neue Mitarbeiter. Wo investieren Sie noch?

Verhuven: Vor allem in unsere eigene Hotelkette Allsun, die aus zehn Hotels besteht. Außerdem stellen wir gerade unsere Kalkulationssysteme auf die neueste Technik um. Damit werden wir wesentlich schneller. Das kostet zwar auch Geld — zwei bis drei Millionen Euro vielleicht — und mich persönlich viel Kraft, aber dafür werden wir technologisch führend in diesem Bereich sein.

Wohin geht denn die Reise im nächsten Winter und Sommer?

Verhuven: Im Winter sind Ägypten und die Türkei sehr gefragt. Das setzt sich im nächsten Sommer fort. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dort im Augenblick sehr gut. Außerdem erlebt Mallorca eine Renaissance. Die Urlaube werden kürzer. Früher lag der Schnitt bei 14 Tagen pro Trip, jetzt bei elf. Dafür verreisen die Menschen häufiger.

Wie viel verdienen Ihre Mitarbeiter?

Verhuven: Wir haben einen Mindestlohn. Das unterste Gehalt liegt bei gut 25.500 Euro pro Jahr. Über das obere Ende der Skala möchte ich nicht sprechen.

Was halten Sie von Bankern, die mehr als eine halbe Million im Jahr verdienen?

Verhuven: Die Banken sollten sich schämen. Die ganze Wirtschaft muss hart arbeiten, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, in den die Banker ihn gefahren haben. Solche Gehälter verdient sonst niemand. 250 000 Euro im Jahr müssen reichen. Nur, weil jemand viel Geld verwaltet, muss er ja nicht auch viel Geld verdienen.

Sie führen eines der größten Unternehmen in Duisburg. Wird die Stadt von Oberbürgermeister Adolf Sauerland nach der Loveparade-Tragödie noch gut repräsentiert?

Verhuven: Der Mann tut mir leid. Er macht einen Job, in dem er offensichtlich nicht mehr gewünscht ist. Natürlich hatte er eine persönliche Verantwortung, denn er hätte jederzeit "Nein" sagen können.

Thomas Reisener führte das Gespräch.

(RP)
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