Wander-Apps: Mit dem Handy zum Gipfel

Wander-Apps : Mit dem Handy zum Gipfel

Das Smartphone lässt sich leicht als Führer einsetzen. Tausende digitale Touren bietet allein der Deutsche Alpenverein an. Das Thema Navigation ist ab heute ein Schwerpunkt auf der Messe TourNatur in Düsseldorf.

Der Weg ist beim Wandern zwar das Ziel, finden sollte man ihn aber schon. Jeder Gelegenheits-Gipfelstürmer hat da seine eigene Leidensgeschichte von ungewollten Umwegen und langwierigen Abkürzungen zu erzählen. Dank Wander-Apps und GPS-Geräten soll die Konzentration künftig wieder mehr dem Weg gelten - das Thema Navigation ist daher auch ein Schwerpunkt der Messe TourNatur, die heute in Düsseldorf beginnt. Bis Sonntag präsentieren rund 275 Aussteller bei Deutschlands einziger Publikumsmesse für Wandern und Trekking rund 5000 Wanderdestinationen und beraten etwa bei der optimalen Ausrüstung.

Entscheidend für ein gelungenes Wandererlebnis ist allerdings eine verlässliche Route. Mit die größte Auswahl bietet eine gemeinsame Plattform der Alpenvereine aus Deutschland, Österreich und Südtirol: www.alpenvereinaktiv.com versammelt rund 35 000 Touren weltweit. "Davon bezeichnen wir rund 1500 Strecken als Qualitätstouren", sagt Thomas Bucher, Sprecher des Deutschen Alpenvereins (DAV). "Das heißt, sie sind von geschulten Autoren eingepflegt." Es gehört zum Prinzip des Internetangebots, das auch als kostenlose App erhältlich ist, dass jeder Bergsteiger seine Route zur Verfügung stellen kann. Die Alpenvereine kooperieren dabei mit dem Touren-Anbieter outdoor-active und greifen auf dessen Datenbank zurück. Besonderes Augenmerk aber legt der DAV auf vereinsbekannte Spezialisten, die das entsprechende Wander- und Kletter-Know-how mitbringen.

Mit der App - wie bei vergleichbaren Angeboten anderer Anbieter - lassen sich Routen plus Karten aufs Smartphone herunterladen, so dass der Wanderer offline akkusparend unterwegs sein kann. Eingeschaltet bleibt nur die GPS-Funktion. "Wie beim Navigationsgerät im Auto funktioniert bei uns auch die Kartographie", erklärt Bucher. "Wer also eine Verbindung zwischen A und B sucht, dem wird der mögliche Weg angezeigt." Sehr hilfreich kann das bei einem plötzlichen Wetterumschwung sein. Bucher selbst stand bei einer Besteigung des 3666 Meter hohen Großvenediger in den Hohen Tauern plötzlich im dichten Nebel und fand nur dank App punktgenau den Gipfel. "Gerade beim Bergsteigen rettet das GPS-Routing möglicherweise Leben."

Aber auch Wanderer finden dank App wieder auf den richtigen Weg. Dazu können sie die Strecke mit aktuellen Beobachtungen wie beispielsweise einer zerstörten Brücke oder einer unerwartet geschlossenen Hütte für weitere Nutzer vervollständigen. "Je mehr Menschen die App pflegen, desto besser wird sie", sagt Bucher. Bisher sei die App rund 150 000 Mal heruntergeladen worden. Bei den Qualitätstouren setzt der DAV auf ein schnelles Wachstum. Bisher würde man auf etwa 900 geschulte Autoren zurückgreifen, hoffe aber auf Multiplikatoren. Bereits fürs nächste Jahr rechnet Bucher mit etwa 4000 detailliert beschriebenen und mit Fotos angereicherten Touren.

Trotz der digitalen Hilfen rät Bucher davon ab, auf Wanderungen oder Bergtouren auf eine Karte zu verzichten. "Wenn der Akku leer ist oder das Handy verloren geht, steht man dumm da." Bucher empfiehlt, etwa die Tourenbeschreibung auszudrucken und mitzunehmen sowie einen Extra-Akku einzupacken. Zudem sei es sinnvoll, das Handy auf Flugmodus zu schalten, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Die GPS-Funktion bleibe davon unberührt. Ansonsten gilt beim Wandern im Gebirge die absolut analoge Drei-mal-drei-Regel. Sie besagt, dass jeder daheim, am Start- und an einem wichtigen Wegpunkt die Aspekte Gelände, Wetter und Mensch neu bewertet. So sollte man die Tour entsprechend anpassen, wenn das Wetter umschlägt oder ein Wanderer schwächelt. Ohnehin sollte eine Gruppe nur so schnell unterwegs sein wie der Langsamste aus dem Team. Selbst bei genauen Informationen über Wetter, Wegzustand oder Höhenmeter bleibt der Mensch der größte Risikofaktor.

Auf der Düsseldorfer Messe versucht man dies zu minimieren, indem Experten im Beratungszentrum "TourParcours" Tipps geben, etwa, wie der Rucksack richtig zu packen ist. Zudem informiert der unabhängige Berater Thomas Froitzheim in Halle 1 am Stand A 25 über die Handhabung von GPS-Geräten (neben Smartphones die zweite Variante für digital geführte Touren) für Wanderungen, für das Fahrradfahren und für das Geocaching. Live wird demonstriert, wie man Tourenvorschläge und Karten aus dem Internet herunterladen kann. Besucher können am Monitor verfolgen, wie man in wenigen Minuten eine Tagestour mit digitalen Karten planen und sie auf das GPS-Gerät übertragen kann.

(RP)
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