103 Kilometer Röhre: Megatunnel von Alaska nach Sibirien

103 Kilometer Röhre : Megatunnel von Alaska nach Sibirien

Düsseldorf (RPO). Mit der Eisenbahn einmal nach Amerika und wieder zurück. Das wird ab voraussichtlich 2030 kein Problem mehr sein. Dann soll der 103 Kilometer lange Beringtunnel, der zwischen Alaska und Sibirien verläuft, fertiggestellt sein. Nur ein Ankunfts- bzw. Abfahrtsort muss auf beiden Kontinenten noch gefunden werden.

Es ist ein gigantisches Projekt, dem die russische Regierung da zugestimmt hat, so berichtet das Magazin "P.M.". An der engsten Stelle der Beringstraße soll mit 103 Kilometern der längste Tunnel der Welt entstehen. Zum Vergleich, der Kanaltunnel zwischen Frankreich und Großbritannien ist halb so lang. Neben einem Hochgeschwindigkeitszug soll auch eine Autobahn von Alaska nach Sibirien und zurück führen. Dass bei diesem Bau Kosten in Höhe von 50 Milliarden Euro entstehen und Tiefsttemperaturen von bis zu Minus 50 Grad Celsius jegliche Arbeiten über die Hälfte des Jahres erschweren werden, ist kein Hinderungsgrund.

Der Fokus liegt auf dem verbesserten Lieferverkehr zwischen Asien und Nordamerika. Mit der Fertigstellung des Tunnels würden schwerfällige Containerschiffe entfallen. Experten rechnen mit einer Zeiteinsparung von bis zu zwei Wochen. Dabei ist der Wunsch nach solch einer Verbindung keinesfalls der geniale Einfall eines Wirtschaftmoguls. Der letzte russische Zar Nikolaus II. wollte die einstige Kolonie Alaska mit seinem Reich verbinden. Trotz genügend Investoren scheiterten seine Ambitionen am 1. Weltkrieg und der Oktoberrevolution. Knapp 100 Jahre später tritt Wladimir Putin nun in seine Fußstapfen.

Probleme mit der Gleisgröße

Die Geldfrage ist geklärt, Investoren gefunden. Trotzdem wirft der Bau des Megatunnels weiterhin Fragen und Probleme auf. Nebst den eisigen Temperaturen fehlt es der Strecke an ihren jeweiligen Ankunftsorten an der nötigen Infrastruktur. Sowohl Alaska als auch Sibirien weisen eine äußerst dünne Besiedlung auf, so dass es bis zum nächsten Ort locker so weit wie von Berlin nach Athen ist. Somit müssten auch hier Gleise auf eisigstem Boden verlegt werden. Ein weiteres Problem werfen die Spurweiten amerikanischer und russischer Gleissysteme auf, die sich um achteinhalb Zentimeter unterscheiden. Die Entwicklung eines kompatiblen Zuges scheint unumgänglich zu sein.

Für die Politiker überwiegen die Vorteile. Unter anderem erhoffen sie sich durch das Errichten des Tunnels dem Weltfrieden ein Stück näher zu kommen. "Bauen wir ein Bindeglied zwischen unseren beiden großen Nationen — einen Tunnel, um Menschen, Rohstoffe und Güter von Ost nach West und von West nach Ost zu bewegen", so Alaskas Gouverneur Walter Hickel in der "P.M.". Der Globalisierungsprozess wird also fortgesetzt, denn nicht nur Russland und Nordamerika werden zu neuen Nachbarn, auch Europa, Japan, Korea und China werden in einer Straße wohnen.

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