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Lotsen arbeiten zu wenig: Massive Verspätungen im Flugverkehr

Lotsen arbeiten zu wenig : Massive Verspätungen im Flugverkehr

Düsseldorf (RP). Im kommenden Monat müssen die Passagiere an deutschen Flughäfen schon wieder mit Verspätungen rechnen. Zu den vorrangig betroffenen Flughäfen gehört Düsseldorf. Ursache ist der jüngste Tarifvertrag bei der Deutschen Flugsicherung (DFS), demzufolge die 1800 dort beschäftigten Fluglotsen "jetzt noch weniger arbeiten", wie ein Sprecher der DFS sagte.

In einem vertraulichen Schreiben an die deutschen Fluggesellschaften, das unserer Redaktion vorliegt, beschreibt die DFS die Konsequenzen: "Dies hat zur Folge, dass besonders im September und Oktober 2008 Auswirkungen auf die Dienstleistungsqualität unvermeidlich sind", heißt es dort, "unsere Prognosen ergeben Verspätungen von 4000 bis 12 000 Minuten pro Tag."

Was das bedeutet, zeigt das Beispiel Lufthansa: "Allein gestern hatten unsere Maschinen im deutschen Luftraum 130 Stunden Verspätung", berichtet Lufthansa-Sprecher Frank Püttmann, "und das geht seit Tagen so." Betroffen seien Tausende von Passagieren, die in der Spitze mehr als zwei Stunden Verspätung hinnehmen mussten.

Ausfälle bei der bundeseigenen DFS treffen aber sämtliche Fluggesellschaften. Auf die Frage, warum die DFS einem Tarifvertrag zugestimmt habe, der zu derartigen Konsequenzen führt, sagte der Sprecher der Flugsicherung: "Sonst hätten die Fluglotsen gestreikt, und der Schaden wäre noch größer geworden."

Die Lufthansa will das nicht länger hinnehmen. Püttmann: "Der Staat verpflichtet uns bei Verspätungen zur Entschädigung der Passagiere. Seine eigene DFS aber nicht." Deshalb prüfe der Konzern seit gestern verschiedene Maßnahmen "bis hin zu Schadensersatzforderungen". Die DFS untersteht Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Das Ministerium wollte sich gestern nicht äußern.

(RP)