Tarifstreit: Lufthansa will Angebot nicht nachbessern

Tarifstreit : Lufthansa will Angebot nicht nachbessern

Frankfurt/Main (RPO). In der Hauptreisezeit hat die Lufthansa weiterhin mit Streiks zu kämpfen. Am Mittwoch mussten wegen des Pilotenstreiks bei Eurowings und Cityline erneut tausende Passagiere umgebucht werden. Dennoch bleibt die Fluggesellschaft bislang bei ihrem Tarifangebot. Ab dem Wochenende drohen Streiks von Boden- und Kabinenpersonal.

Am Mittwoch mussten mehr als 500 Flüge gestrichen werden, nachdem bereits am Dienstag weit mehr als 400 ausfielen. Die Lufthansa berichtete, so weit wie möglich seien die Passagiere auf andere Linien des Konzerns umgebucht worden, zudem konnten sie mit ihren Tickets Bahnverbindungen nutzen. Es habe keine langen Schlangen an den Schaltern gegeben, sagte eine Sprecherin. Die Passagiere hätten sich offenbar auf den Streik eingestellt.

Bis 6,5 Prozent mehr Geld angeboten

Die Piloten verlangen in den laufenden Tarifauseinandersetzungen ein höheres Angebot. Die Lufthansa indes will nach Angaben der Sprecherin vorerst nicht nachlegen. Das Unternehmen appelliere aber an die Vernunft der Vereinigung Cockpit, zurück an den Verhandlungstisch zu kommen, sagte ein Sprecher am Nachmittag.

Das Unternehmen bot den Piloten von Cityline eigenen Angaben zufolge zuletzt insgesamt 5,5 Prozent plus eine Einmalzahlung. Den Eurowings-Piloten bot der deutsche Branchenprimus zuletzt 6,5 Prozent und eine Einmalzahlung.

Die Leiterin Tarifpolitik bei Cockpit, Ilona Ritter, sagte am Mittwoch, sollte sich die Lufthansa nicht bewegen, seien auch unbefristete Streiks nicht ausgeschlossen. Doch zunächst wolle Cockpit warten, ob sich das Unternehmen nicht doch noch auf die Piloten zubewege.

Die Lufthansa-Töchter Cityline und Eurowings bedienen Regionalstrecken in Europa und Deutschland. Cityline beschäftigt 736 Piloten und Eurowings 344. Vor allem Geschäftsreisenden nutzen die beiden Fluggesellschaften.

Lufthansa bietet ver.di Schlichtungsverfahren an

Lufthansa-Verhandlungsführer und Vorstandsmitglied Stefan Lauer erklärte, ver.di solle "mit uns gemeinsam unter Mitwirkung eines neutralen Dritten die Lösung des Konflikts zügig herbeizuführen und auf Streikmaßnahmen zu verzichten". Die Lufthansa sei der Gewerkschaft mit ihrem letzten Angebot in Höhe von insgesamt 6,7 Prozent bereits weit entgegen gekommen. Ver.di fordert 9,8 Prozent.

Die Gewerkschaft schlug das Angebot aus. Es müsse in Tarifverhandlungen möglich sein, die Beschäftigten angemessen am Unternehmenserfolg zu beteiligen, sagte Gewerkschaftssprecher Harald Reutter der AP. Dies sei nicht gelungen, weshalb die Urabstimmung angesetzt worden sei.

Unbefristeter Streik des Boden- und Kabinenpersonals droht

Bereits am Wochenende könnte es zu weiteren Streiks kommen, denn die Gewerkschaft Verdi lässt derzeit ihre Mitglieder unter den insgesamt rund 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine über einen unbefristeten Ausstand abstimmen. Am Freitag soll das Ergebnis der Urabstimmung bekanntgegeben werden, am Wochenende könnte es dann theoretisch die ersten Arbeitsniederlegungen geben. Die Tarifverhandlungen waren am 10. Juli gescheitert.

(ap)