Kreuzfahrtschiffe: Diese Orte hat der Massentourismus zerstört

Zu viele Menschen : Sieben Orte, die durch Kreuzfahrttourismus zerstört wurden

Städte und Regionen werden aus den verschiedensten Gründen zu Touristenattraktionen. Kreuzfahrtschiffe transportieren aber viele Schaulustige zu oftmals kleinen Orten, die dann buchstäblich überrannt oder, wie zuletzt in Venedig, überfahren werden.

Sie sind Schauplatz berühmter Serien wie „Game of Thrones“, das Ende Europas oder der Schauplatz einer Katastrophe. Ihre Gemeinsamkeit: Alle diese Orte ziehen viele Menschen an. Oftmals können die kleinen Dörfer oder Städtchen die Menschenmengen nicht mehr fassen. Ihnen wird so der Charme genommen, teilweise gibt es echte Überfüllungsprobleme. Besonders der Massentourismus durch Kreuzfahrtschiffe spielt hier eine Hauptrolle. Ein paar Beispiele:

1. Venedig, Italien Mindestens vier Menschen wurden verletzt als am Sonntag ein Kreuzfahrtschiff ein kleines Boot voller Reisegäste rammte. Der Unfall ereignete sich im zentralen Kanal von Giudecca an der Haltestelle San Basilio. Der Unfall löste viel Empörung aus und befeuerte in der Gondel-Stadt sofort die Debatte über die unbeliebten Schiffskolosse. Schon länger kämpft die Stadt gegen den überbordenden Massentourismus, auch befeuert durch Kreuzfahrtschiffe.

Kreuzfahrtschiff rammt Touristenboot in Venedig

2. Dubrovnik, Kroatien Etwa 42.000 Einwohner hat die kleine Stadt im südlichen Kroatien an der Adria. Insbesondere die Altstadt diente als Drehort für die Fantasy-Saga „Game of Thrones“ des US-Senders HBO. Dubrovnik stellt in der Serie „King’s Landing“ dar, die Hauptstadt der sieben Königslande. Mit der Serie wurde der Tourismus der Stadt stark angekurbelt. Das freute zunächst Gastronomen und Ladenbesitzer, letztendlich wurde es zum Problem. Mit rund zwei Millionen Touristen pro Jahr war die Altstadt manchmal völlig überfüllt, der Status des Unesco-Welterbes bedroht. Ein großangelegtes Programm soll das „Overtourism“-Problem in zwei bis drei Jahren beseitigen. Nur noch höchstens zwei Schiffe pro Tag sind erlaubt. Außerdem soll reguliert werden, in welchen Abständen Busse die Kreuzfahrtpassagiere in die Altstadt bringen.

Im Kampf gegen Overtourism hat Dubrovnik die Zahl der Kreuzfahrtschiffanläufe reduziert. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn/Andrea Warnecke

3. Kotor, Montenegro Noch weniger Menschen als in Dubrovnik leben in Kotor: Rund 24.000 Einwohner hat die mediterrane Handels- und Hafenstadt in Montenegro. Kulturhistorische Bauwerke machten auch diese Stadt zum Unesco-Weltkulturerbe, gleichzeitig lockt sie viele Touristen an. Etwa 430 Kreuzfahrtschiffe erreichen pro Jahr die Bucht, circa 10.000 Touristen besuchen im Sommer jeden Tag die Altstadt.

Mit Kreuzfahrtschiffen und Reisebussen kommen die Touristen nach Kotor. Foto: dpa-tmn/Eberhardt Trampel GmbH

4. Honningsvåg, Norwegen Die Fischereisiedlung ist die Hauptstadt der Gemeinde Norkap, der nördlichste Punkt Europas. 1664 kam der erste Tourist am Nordkap an, seitdem soll der Ort bereits boomen. Hurtigruten-Postschiffe fahren im Winter insbesondere wegen der Nordlichter in das kleine Städtchen. Etwa 300.000 Touristen besuchen laut der norwegischen Zeitung „The Local“ pro Jahr das Ende Europas.

5. Longyearbyen, Spitzbergen, Norwegen Vom Nordkap aus trennt Besucher nur noch die Inselgruppe Spitzbergen vom Nordpol. Auch dorthin gibt es Expeditionsreisen mit der „MS Fram“, der „MS Spitsbergen“ oder der „MS Nordstjernen“. Von Mai bis September können Touristen dann Eisbären und Rentiere beobachten. Longyearbyen ist die Hauptstadt der Inselgruppe und hat etwa 2100 Einwohner. Allein die „MS Fram“ besucht viermal im Jahr die Inselgruppe und transportiert 264 Passagiere. Longyearbyen kann dann zwischenzeitig ganz schön voll werden.

6. Insel Giglio, Italien 2012 kenterte das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ vor der toskanischen Küste. Das Schiff rammte einen Felsen, 32 Menschen starben. Unter den Toten waren 12 Deutsche. 2015 wurde der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes Francesco Schettino zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Schettino legte Berufung ein. Das Wrack brachte zwar lauter Schaulustige zu der Insel, der Urlaubstourismus brach aber ein. Das berichtete „Der Spiegel“ im Januar 2013.

Das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ lief vor der Insel Giglio auf Grund. Foto: REUTERS/GIAMPIERO SPOSITO

7. Portimão, Portugal Die Hafenstadt an der Algarve hat rund 56.000 Einwohner. Die Zahl der Anläufe von Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Portimão an der Algarve soll sich bis 2030 vervierfachen. Um dies zu erreichen, werden eine neue Fahrrinne gebaut und das Hafenbecken verbreitert. Die beiden Kais werden zudem von 180 auf 330 Meter verlängert. Das teilte Turismo de Portugal mit. Die Bauarbeiten sollen bis 2020 dauern. Künftig sollen Schiffe mit einer Länge von bis 272 Metern in dem Hafen anlegen können. Die Zahl der Kreuzfahrtgäste soll von derzeit jährlich 15.000 auf 180.000 wachsen.

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(jms/dpa)
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