1. Leben
  2. Reisen
  3. News

Klimawandel: Hawaii verliert seine Strände

Klimawandel : Hawaii verliert seine Strände

Kailua/USA (RPO). Sonnen und Surfen: Das sind die Hauptziele der meisten Hawaii-Touristen. Doch damit könnte in Zukunft Schluss sein. Denn das Archipel verliert durch Erosion immer mehr Strände. Wenn die Meeresspiegel durch den Klimawandel schneller steigen, können möglicherweise nur wenige Strände bewahrt werden.

Jenn Boneza erinnert sich noch gut an die Zeit, als der weiße Sandstrand in der Nähe ihres Hauses in Kailua auf Hawaii breit genug zum Bau von Sandburgen war. "Das war wirklich ein schöner Strand", sagt die 35-jährige Mutter von zwei Kindern. "Und jetzt ist er einfach weg." Was mit Teilen des Strandes in Kailua, einem wohlhabenden Vorort von Honolulu, passiert ist, zeichnet sich auch an vielen anderen Stellen auf den hawaiianischen Inseln ab.

Auf der Hauptinsel Oahu ging laut Geologen bereits ein Viertel der Sandstrände verloren, auf Kauai sind 70 Prozent der Strände von Erosion betroffen. Die Fachleute befürchten, dass sich das Problem in den kommenden Jahrzehnten deutlich verschärft, wenn die Meeresspiegel durch den Klimawandel schneller ansteigen. Dann könnten vermutlich nur noch einige Strände bewahrt werden, der Rest müsse abgeschrieben werden, sagt Dolan Eversole, Küstengeologe an der Universität von Hawaii.

Der Verlust so vieler Strände ist für die Region eine beunruhigende Aussicht. Denn viele Touristen kommen wegen eben jener sandiger Küstenstreifen, zum Sonnenbaden und für Strandspaziergänge. Diese Urlauber geben jährlich 11,4 Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro) auf Hawaii aus, der Tourismus ist damit der wichtigste Arbeitgeber des tropischen US-Staats. Auch der Natur würde ein Verschwinden der Strände schaden, denn viele Tiere und Pflanzen verlören wichtigen Lebensraum. Die Hawaiianische Mönchsrobbe, eine gefährdete Art, bringt ihre Jungen auf dem Strand zur Welt und säugt sie dort. Die Grüne Meeresschildkröte, ebenfalls gefährdet, legt ihre Eier in den Sand.

Der Geologieprofessor Chip Fletcher sagt, Forscher auf Hawaii hätten noch keinen beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels im Rahmen des Klimawandels festgestellt. Die Erosion sei auf eine ganze Reihe von Faktoren zurückzuführen, darunter ein historischer, langsamer Anstieg des Meeresspiegels, der vermutlich bereits im 19. Jahrhundert begonnen habe. Zu den weiteren Ursachen zählen Stürme und menschliche Einwirkung wie der Bau von Uferdämmen, Molen und das Ausbaggern von Flussmündungen. All dies stört den natürliche Fluss des Sandes.

Kampf zum Teil bereits verloren

Doch in den kommenden Jahrzehnten wird zusätzlich ein schnellerer Anstieg des Meeresspiegels durch die Erderwärmung erwartet, der die Erosion beschleunigen wird. In hundert Jahren dürfte der Meeresspiegel um mindestens einen Meter höher liegen als heute, die See weiter in die heutigen Küstengebiete vordringen. Professor Fletcher zufolge sind in den gesamten USA 60 bis 80 Prozent der Küste ständig von Erosion betroffen. In Hawaii kommt das aber stärker zum Tragen, weil Wirtschaft und Alltagsleben so stark von den Stränden abhängen.

Der Staat bemüht sich nach Kräften, den Sand zu halten. Im Touristenviertel Waikiki unterstützt er ein Projekt von Hotels, mit dem für zwei bis drei Millionen Dollar Sand aus dem Meer an den Strand gepumpt werden soll. Für verschiedene Strände seien aber unterschiedliche Strategien nötig, sagt Sam Lemmo vom staatlichen Büro für Umweltschutz und Küstengebiete. Im teuren Lanikai oder in Ewa Beach auf Oahu sei der Kampf bereits verloren, da es dort bereits Uferdämme gibt und der Strand bereits stark erodiert ist. Dasselbe gelte vermutlich für Gebiete in Strandnähe, wo Straßen und andere wichtige Infrastruktureinrichtungen verlaufen und bereits Dämme bestehen oder noch gebaut werden müssen.

Bau von Dämmen verschärft Probleme

Dämme schützen zwar einzelne Anwesen vor dem heranrückenden Wasser, aber sie fördern die Erosion in der Umgebung, da dort keine Wellen mit Nachschub an Sand mehr ankommen. Bislang unbebaute Küste möchte der Staat daher schützen. Erst kürzlich wollte ein Bauunternehmer aus Florida Luxuswohnungen auf Sanddünen im Norden Oahus bauen. "Da sind wir praktisch durchgedreht, haben unser gesamtes Waffenarsenal aufgebaut und sie dazu gekriegt, von dem Plan abzurücken", sagt Lemmo. "Wir arbeiten hart daran, neue Bauprojekte von diesen Gegenden fernzuhalten."

Die Universität von Hawaii erarbeitet einen Plan zum Strandmanagement für Kailua, der einen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter berücksichtigt. Der Staat hofft, dass diesem Projekt weitere spezifische Pläne für andere Strandabschnitte folgen. In Kailua könnte eine Selektionsstrategie zum Tragen kommen. Dort, wo auch schon Präsident Barack Obama mit seiner Familie Urlaub machte, stehen viele Luxusvillen, einen Damm gibt es nicht. Professor Fletcher schlägt vor, einzelne Abschnitte auszuwählen, wo ein Umweltfonds dann fünf oder sechs zusammenhängende Grundstücke kauft. Die Gebäude darauf würden abgerissen, und das Gelände dürfte vom Strand erobert werden.

Wenn die Erosion weitere Bereiche von Kailua erreiche, würden mit Sicherheit Forderungen nach dem Bau von Dämmen laut. "Das wird ein sehr wichtiger Moment", sagt Fletcher. "Wenn wir dem ersten Haus erlauben, einen Damm zu errichten, verurteilen wir vermutlich den gesamten Strand über den Zeitraum einiger Jahrzehnte zum Untergang. Die Alternative könnte sein, einige Abschnitte der Küste in Kailua festzulegen, wo der Strand leben soll."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hawaiis Strände bröckeln

(AP/mais)