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Der Markt boomt: Fernbusse: Fast wöchentlich neue Verbindungen

Der Markt boomt : Fernbusse: Fast wöchentlich neue Verbindungen

Seit Jahresbeginn ist der Markt für Fernbuslinien in Deutschland freigegeben - und die Branche boomt. Fast im Wochentakt gibt es neue Verbindungen. Im Schnitt zahlen Reisende zehn Cent pro Kilometer, doch es geht auch noch deutlich billiger.

An den Busbahnhöfen der großen Städte gehören sie bereits zum Alltag: Die grell lackierten Fernbusse, die als ICE-Konkurrenz zu Kampfpreisen mehr oder weniger schnelle Verbindungen in andere Großstädte anbieten.

Das Publikum ist meist jung und studentisch, doch die genaue Auslastung der Busse kennen bislang nur die Unternehmen. Das Netz wird nahezu im Wochentakt dichter und mit dem Duo ADAC/Post drängt im November ein weiterer potenter Anbieter auf den schon gut besetzten und kleinen Markt.

Um ein auf künftig 300 Millionen Euro geschätztes Umsatzvolumen tummeln sich neben dem Platzhirschen Deutsche Bahn und dem britisch-spanischen Branchenriesen National Express noch junge Unternehmen wie DeinBus aus Offenbach, FlixBus aus München oder MeinFernbus aus Berlin. Aldi vermarktet über sein Tourismusportal Tickets des in Bonn ansässigen mittelständischen Anbieters Univers und dazu sind noch dutzende kleinere Busunternehmen aus ihren jeweiligen Regionen unterwegs.

Viele Verbindungen von NRW aus

Aus Nordrhein-Westfalen gehen mittlerweile zahlreiche Linien ab: Univers fährt von Köln/Bonn aus etwa nach Berlin, München oder Hamburg. DeinBus bedient beispielsweise die Strecken Aachen-Dresden, Düsseldorf-Darmstadt oder Köln-Erfurt. FlixBus fährt unter anderem von Köln nach Nürnberg und von Düsseldorf nach Frankfurt/Main.

MeinFernbus bedient etwa die Relationen Essen-München oder Köln-Berlin. Auf zwei in Köln startenden Linien des Berliner Unternehmens werden Urlaubsorte an der ostfriesischen Nordseeküste abgeklappert.

Ende April gab es 145 Linien

Die Berliner Unternehmensberatung Iges hat Ende April 145 Fernbuslinien in Deutschland gezählt, von denen knapp 70 Prozent dem echten Linienverkehr zuzurechnen seien. Die übrigen sind ständige Verbindungen touristischer Art oder Flughafenanbindungen. Laut Bundesverkehrsministerium waren Anfang April 76 neue Verbindungen innerhalb Deutschlands beantragt oder genehmigt.

Bis Ende 2012 hatte es 86 innerdeutsche Linien gegeben, die meisten von und nach Berlin. Zum Jahreswechsel war dann das faktische Verbot weiterer Fernbuslinien, mit dem zuvor das Bahnnetz geschützt werden sollte, aufgehoben worden.

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Zumindest nach den angebotenen Personenkilometern hat der grüne MeinFernbus inzwischen die Busse der Deutschen Bahn überholt, sagt Iges-Verkehrsexperte Christoph Gipp. Er erwartet für die nächsten Jahre einen harten Verdrängungswettbewerb vor allem über die Preise, der schnell zu einer Marktbereinigung führen werde. Nur wenige Monate nach Öffnung des Marktes sind wichtige Vorentscheidungen somit schon gefallen. Nur noch sehr große und kapitalstarke Player wie das Duo ADAC/Post können sich den späten Einstieg überhaupt noch leisten.

Dass nicht alles geht, zeigte sich zuletzt auf der Strecke Regensburg-Nürnberg-Erlangen, die FlixBus nach gut zwei Monaten wieder aufgab. Dem Verdi-Busexperten Stefan Heimlich zufolge haben auch schon einige Kleinunternehmen ihre Fernlinien wieder aufgegeben.

NationalExpress versucht es mit Kampfpreisen

Bei den Preisen spielt derzeit National Express mit seiner im April eingeführten Marke City2City den Angreifer. "Die liegen auch nach der Markteintrittsphase immer ein wenig unter der Konkurrenz", sagt Gipp. Die Ansage des Deutschland-Chefs Roderick Donker van Heel ist eindeutig: "Wir wollen innerhalb von fünf Jahren die Nummer Eins in Deutschland werden." In Spanien und auf ihrem Heimatmarkt sind es die Briten längst.

Im allgemeinen kostet der Fernbus-Kilometer pro Person um die 10 Cent, bei den Angeboten kann er auch auf 5 und im Extremfall auf 2 Cent fallen. Die meisten Verbindungen werden zwischen den Metropolen und günstig gelegenen Uni-Städten angeboten. Um weiße Flecken auf der Landkarte kümmern sich die Unternehmen nur bei sehr deutlichen Schwächen im Schienenangebot. Im direkten Vergleich mit dem ICE sind die Busse zwar langsamer, aber eben auch meist deutlich billiger - für viele Menschen ein wichtiges Argument.

Die Gewerkschaft Verdi fürchtet, dass der scheinbar unausweichliche Preiskrieg allein auf den Rücken der Fahrer ausgetragen wird. "Wir haben Hinweise auf tschechische und kroatische Subunternehmer, die ihre Fahrer nach den dortigen Arbeitsbedingungen beschäftigen. Die fahren dann für 700 Euro im Monat innerdeutschen Linienverkehr", sagt Verdi-Experte Heimlich. Ein genaueres Bild auch zur Einhaltung der Lenkzeiten wolle man sich in den nächsten Wochen mit detaillierten Befragungen der Fahrer an den Busbahnhöfen machen.

Probleme gibt es bislang vor allem mit der in manchen Städten fehlenden Bus-Infrastruktur und mit möglichen zusätzlichen Kosten. So fordern der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Fahrgastverband Pro Bahn wie auch die Grünen in ihrem Wahlprogramm eine Straßenmaut für die Reisebusse. Angesichts der hohen Steuerlasten für die Busunternehmen sei das ungerecht, findet hingegen der Experte Gipp.

(lnw/jco/csr)