Eurowings-Flug von New York nach Düsseldorf – Ärger mit der Entschädigung

Flug von New York nach Düsseldorf : Erst Horror-Verspätung, dann Organisations-Chaos

16 Stunden lang saßen Passagiere eines Eurowings-Flugs nach Düsseldorf im November 2018 am Flughafen in New York fest. Jetzt fordern die Passagiere Entschädigung, doch Eurowings verweigert die Zahlung - mit einer seltsamen Begründung.

Überall liegen Menschen auf nacktem Steinboden, ihre Jacken nutzen sie als Decken oder Kopfkissen, das Handgepäck, um sich dagegen zu lehnen. 16 Stunden lang so auf einem Flughafen ausharren zu müssen, ist das Horror-Szenario jedes Reisenden. Einem Teil der 275 Passagiere der Eurowingsmaschine EW 1101, die am 2. November 2018 von New York nach Düsseldorf fliegen wollten, ist jedoch genau das passiert. Noch am Flughafen JFK in New York posteten wütende Passagiere der Maschine Fotos von ihrer Lage auf Facebook. Denn der Eurowingsschalter am Flughafen war nicht besetzt. Zwar bekamen die Passagiere Hotelzimmer zugewiesen, die waren jedoch so weit außerhalb, dass sich so mancher entschied, im Transit-Bereich des Flughafens zu bleiben, darunter Kinder und Senioren. Sie erhielten eine 0,2-Liter-Flasche Wasser und einen Verzehrgutschein über 10 US-Dollar für die gesamte Zeit. Mit 16 Stunden Verspätung startete der Flieger zwar letztlich Richtung Düsseldorf. Zu allem Überfluss landete er jedoch nicht am Zielort, sondern in Köln/Bonn. Aufgrund der massiven Verspätung machte das Nachtflugverbot die Landung in Düsseldorf unmöglich.

600 Euro Entschädigung plus sämtliche Ausgaben, die sie für Transfers von und zum Flughafen auslegen mussten - das sollten die Passagiere vom 2. November eigentlich bekommen. Die Fluggastrechteverordnung ist da eindeutig. Eigentlich ein einfacher Sachverhalt. Doch im Fall von EW 1101 ist nichts einfach.

Zwar haben viele der Passagiere ihren Anspruch längst geltend gemacht, aber bislang ohne Erfolg. „20 von uns haben sich in einer WhatsApp-Gruppe zusammengefunden“, sagt Jenny B., die 21-Jährige wollte gemeinsam mit ihrer Schwester von New York über Düsseldorf zurück nach Frankfurt. „Ein Teil berichtet, dass er bislang nur eine automatisierte Mail, aber keine richtige Antwort bekommen hat. Bei einem anderen Teil wurde die Entschädigung abgelehnt.“ Der Grund: Das Wetter in New York sei so schlecht gewesen, dass der Flieger nicht hätte starten können. Das geht auch aus Unterlagen der Eurowings hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Wenn dem so ist, fällt das laut Fluggastrecht tatsächlich unter höhere Gewalt, und Reisende verlieren ihre Ansprüche. Sowohl Jenny B. als auch Sabine Herten (51) aus Bochum, die gemeinsam mit ihrem Mann in der Maschine saß, halten das jedoch für eine Ausrede: „Am selben Terminal sind die ganze Zeit auch andere Maschinen gestartet und gelandet“, sagt Hertens. Bestätigt wird das durch ein Foto, das ein anderer Passagier der Maschine auf Facebook gepostet hat. Es zeigt die Fluginfotafel in New York: Alle andere Maschinen konnten anscheinend trotz des angeblich schlechten Wetters regulär starteten, nur EW 1101 eben nicht.

Hinzukommt, dass Eurowings selbst in mehreren Kommentaren auf Facebook erklärte, der Flug habe nicht wie geplant starten können, weil ein vorheriger Flieger verspätet eingetroffen sei. Die Crew, die für den Flug EW 1101 vorgesehen war, habe „die maximal zulässige Dienstzeit überschritten und durfte daher nicht mehr eingesetzt werden“. Damit nicht genug. „Ein paar Leute aus der WhatsApp-Gruppe haben dann doch eine Entschädigung erhalten“, sagt Jenny B., „darunter ist auch meine Schwester - ich habe aber kein Geld bekommen.“ Wie aus dem Mailverkehr hervorgeht, der unserer Redaktion vorliegt, hat Eurowings die vollen 600 Euro unter anderem an die Schwester von Jenny B. überwiesen, um „damit zu einem positiven Reiseabschluss“ beizutragen. Auf die Frage, warum manche eine Entschädigung erhielten und andere nicht, zog Eurowings die Zahlung wieder zurück, mit der Erklärung: „Grund hierfür ist, dass Flug EW 1101 vom Folgetag (3. November) ebenfalls von einer Unregelmäßigkeit betroffen war. Diese hingegen ist auszahlungsrelevant.“

Jenny B., Sabine Herten und viele andere Passagiere wollen sich damit nicht zufrieden geben. Die Sache landet jetzt bei verschiedenen Rechtsschutzversicherungen, bei der Schlichtungsstelle für öffentlichen Personenverkehr (söp) und bei Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, Fluggastrechte durchzusetzen. Auf eine Anfrage unserer Redaktion hat Eurowings nicht geantwortet.

Im Jahr 2018 verzeichnete Eurowings so viele Verspätungen wie nie zuvor. Allein im ersten Halbjahr kam es zu 600 Verspätungen von über drei Stunden, 2600 Flüge fielen ganz aus. Die Strecke zwischen Düsseldorf und New York sollte eigentlich eine Prestigestrecke werden, verzeichnete allerdings binnen kurzer Zeit viele extreme Verspätungen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Passagiere aus Düsseldorf übernachten am Flughafen JFK

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