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Ärtzlicher Ratgeber zu Gefahren und Risiken in der Wüste: "Eine Wüstenreise ist keine Fahrt in den Schwarzwald"

Ärtzlicher Ratgeber zu Gefahren und Risiken in der Wüste : "Eine Wüstenreise ist keine Fahrt in den Schwarzwald"

In den heißen Wüstenregionen herrschen extreme Bedingungen. Die subtropische Klimazone birgt für Reisende aus nördlicheren Gebieten spezifische Risiken. Damit Sie richtig damit umgehen können, hat RP Online Rat von einem Fachmann geholt. Dr. Joachim Richter ist Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

In den heißen Wüstenregionen herrschen extreme Bedingungen. Die subtropische Klimazone birgt für Reisende aus nördlicheren Gebieten spezifische Risiken. Damit Sie richtig damit umgehen können, hat RP Online Rat von einem Fachmann geholt. Dr. Joachim Richter ist Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Herr Dr. Richter, welche Voraussetzungen muss man für einen Wüsten-Trip mitbringen?

Keine besonderen, man sollte aber körperlich fit sein. Motorradfahrer müssen sich durch viele Löcher im Sand kämpfen.

Auf welche Erkrankungen muss man sich im Ernstfall einstellen?

Auf Erkrankungen durch die starke Sonneneinstrahlung, auf Augenentzündungen durch den Wüstensand und auf Durchfälle. In den Oasen können Malaria und Bilharziose auftreten. In der Sahelzone muss man auch mit Meningitis der Typen A, C, W und Y rechnen.

Was ist Bilharziose und wo genau tritt sie auf?

Bilharziose wird durch Würmer ausgelöst. Das kann bereits geschehen, wenn Sie einen Fuß in verseuchtes Wasser tauchen. Durch die Haut gelangen die Würmer zunächst die Leber, wo sie sich vermehren und dann vor allem Harnwege, Nieren und Geschlechtsorgane befallen und chronische Erkrankungen auslösen.

Wie kann man sich vor Malaria schützen?

Malariaprophylaxe mit Mefloquin Lariam (R) kann insbesondere in den subsaharischen Sahelländern erforderlich werden. Bei Doppelblindversuchen hat sich gezeigt, dass Lariam besser verträglich ist als sein Ruf. Alternativ kann, insbesondere bei Kurzzeitaufenthalten, ein neues Antimalaricum wie etwa Atovaquon oder Proguanil zum Einsatz kommen. Vor der Einnahme dieses Mittles sollte man sich aber genau beraten lassen. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit hilft hier beispielsweise weiter.

Welche Impfungen sind sinnvoll?

Nützlich sind die üblichen Impfungen gegen Tetanus, Diphterie, Typhus und Hepatitis A.

Wie vermeidet man Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes?

Niemals sollte man Trinkwasser zu sich nehmen, ohne es vorher abzukochen oder mit Desinfektionspräparaten zu behandeln. Solche Mittel enthalten in der Regel Chlorine oder Silbernitrat. Einheimische schützen sich ganz einfach vor solchen Infektionen - Sie trinken Tee.

Was ist beim Essen zu beachten?

Es gilt der bekannte Spruch: "cook it, peel it, boil it - or forget it". Obst und Gemüse sollten möglichst geschält und gewaschen werden. Aber wenn Sie nach einem Tag in der Wüste in das Zelt von Beduinen eingeladen werden, werden Sie nicht unbedingt nein sagen können. Eine Wüstenreise ist eben keine Fahrt in den Schwarzwald.

Was ist zu tun, wenn man doch eine Durchfallerkrankung bekommt?

Wichtig sind Mittel für den Wasser-Salz-Ausgleich im Körper, die es hier in Beuteln zu kaufen gibt. Nach der Reise sollte man sich in einem Tropeninstitut auf die genannten Krankheiten untersuchen lassen. Manche Erreger, zum Beispiel auch der Bilharziose-Wurm, können Jahrzehnte im Körper überleben und dann immer noch Infektionen auslösen.

Sind die Tiere der Wüste für Menschen gefährlich?

Da es in Wüstenregionen auch Tollwut gibt, sollte man sich von Tieren fern halten, gerade wenn sie zutraulich sind. Vorsicht bei Bissen durch Schlangen und Skorpione! Die Wunden nicht aussaugen, ausschneiden oder abbinden, sondern das gebissene Glied gut auf einer behelfsmäßigen Schiene lagern und wickeln. Ein Serum mitzuführen, macht keinen Sinn, da es ständig gekühlt und von einem Arzt verabreicht werden muss. Sonst kann es lebensgefährlich sein.

Was für Erkrankungen entstehen durch übermäßige Sonneneinstrahlung?

Vor allem vor Hautkrebs muss gewarnt werden. Dieses Risiko besteht vor allem in Australien. Schutz bietet dünne, körperbedeckende Kleidung, und Sonnencremes für die exponierten Haut-Stellen. Aber auch ein Sonnenstich ist nicht zu unterschätzen, er kann immerhin tödlich enden.