Drohnen: Deutsche Telekom verbündet sich mit Deutscher Flugsicherung

Mobilität der Zukunft? : Das Milliardengeschäft mit den Drohnen

Die Deutsche Telekom will mit der Flugsicherung Flugtaxis und andere Drohnen per Mobilfunk kontrollieren. Der Flughafen Düsseldorf prüft bereits Partner für einen möglichen Start von Flugtaxis. Selbst die Grünen sind aufgeschlossen.

Die Deutsche Telekom verbündet sich mit der Deutschen Flugsicherung (DFS), um in Deutschland den Verkehr mit Drohnen voranzubringen. Beide gründen ein Gemeinschaftsunternehmen, das bundesweite Ortung und Steuerung von Drohnen möglich machen soll. Bisher dürfen die Fluggeräte nur auf Sicht geflogen werden.

Konkret soll ein Mobilfunkmodem in die Drohnen eingebaut werden, das Steuerungsbefehle entgegennehmen soll. „So wird es endlich möglich, das volle Potenzial professionell genutzter Drohnen ausschöpfen zu können“, sagte Tim Höttges, Vorstandschef der Telekom. „Wir wollen Drohnenflüge sicher in den Luftraum integrieren“, ergänzt Klaus-Dieter Scheurle, Leiter der DFS. Lob gibt es von Thomas Jarzombek (CDU), Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung: „Das ist sinnvoll, um die Chancen autonom fliegender Gefährte auszuschöpfen.“

Aktuell werden 19.000 Drohnen in Deutschland kommerziell genutzt – beispielsweise um Felder zu überwachen. Künftig werden es einige Hunderttausend sein.

Am spannendsten sind die Pläne, Menschen per autonom fliegenden Lufttaxis zu transportieren. 2025 könnten die ersten Flugtaxis in den ersten deutschen Städten abheben, prognostiziert die Unternehmensberatung Horvath&Partners. Weltweit seien dann schon 3000 Passagierdrohnen im Einsatz, schätzt die Beratungsfirma Roland Berger, im Jahr 2040 bereits 53.000. Auf Dauer geht es also um Umsätze in Höhe vieler Milliarden Euro. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) ist begeistert: „Die Nutzung des Luftraums eröffnet uns Optionen für neue Mobilitätsangebote.“

Deutsche Unternehmen mischen vorne mit bei der Entwicklung der Fluggeräte. So schaffte das fünfsitzige Elektro-Flugtaxi Lilium Jet Mitte Mai den Erstflug in der Nähe von München. Der anderthalb Tonnen schwere Prototyp stieg senkrecht auf, nun sollen Manöver geflogen werden. Ab 2025 will Gründer Daniel Wiegand in mindestens zwei Städten einen kommerziellen Alltagsbetrieb starten.

Noch weiter ist Volocopter. Die Firma aus Bruchsal ließ ihren Multicopter über Dubai fliegen, nun soll ein Start- und Landeplatz in Singapur eröffnet werden, um Testflüge durchzuführen. Volocopter-Chef Florian Reuter sieht es nur noch als „eine Frage der Zeit“, bis sein Unternehmen in Europa eine kommerzielle Zulassung erhalte.

In Deutschland sind inklusive Hamburg, Ingolstadt und des Forschungsflugplatzes Aachen-Merzbrück fünf Regionen für Pilotprojekte vorgesehen.

Auch der Flughafen Düsseldorf bereitet sich auf die neue Zeit vor: Flughafenchef Thomas Schnalke nahm Kontakt zu möglichen Partnern auf, um Flugtaxi-Dienste anbieten zu können. Entscheidungen wurden aber noch nicht getroffen.

Sogar die Grünen geben sich offen. „Drohnen und Lufttaxis sind eine interessante Innovation“, sagt Arndt Klocke, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Düsseldorfer Landtag. Beides könne Teil eines intelligenten Verkehrskonzeptes sein. Doch Klocke warnt vor Illusionen: „In Einzelfällen mag ein Lufttaxi interessant sein, aber vorrangig brauchen wir einen besseren öffentlichen Nahverkehr und auch mehr Fahrradwege.“ Dem schließt sich Thomas Geisel an, Oberbürgermeister von Düsseldorf (SPD): „Das Stauproblem werden wir nicht mit Flugtaxis lösen.“ Auch ihm ist der Ausbau von Bussen und Bahnen wichtiger als einzelne sehr schnelle Flüge.

Der Flughafen Köln-Bonn erklärt: „Der Köln Bonn Airport ist immer interessiert an vielversprechenden Projekten und innovativen Technologien, insbesondere im Luftverkehr. Aus diesem Grund verfolgt der Flughafen – wie viele andere auch – die Entwicklung der Branche und der Flugtaxi-Anbieter aufmerksam.“

Mehr von RP ONLINE