Der Flugverkehr wächst rasant: Der Stau im Luftraum nimmt zu

Der Flugverkehr wächst rasant: Der Stau im Luftraum nimmt zu

Der europäische Flugzeughersteller Airbus schätzt, dass bis 2030 der Flugverkehr um das Dreifache zunehmen wird. Damit wächst die Dichte des Luftverkehrs. Schon heute werden bis zu neun Prozent des Kerosins in Warteschleifen über Flughäfen verbrannt.

Über den Wolken ist die Freiheit längst nicht mehr grenzenlos. Vielmehr nähert sich der Luftverkehr Schritt für Schritt der Überlastung an. Verärgerte Passagiere, die im Flugzeug Warteschleifen drehen und sich bis zur Landung gedulden müssen, sind nur ein Problem.

Und vor allem das kleinere. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat allein die Lufthansa 2006 einen unnötigen Treibstoffverbrauch durch Warteschleifen von 142 000 Tonnen verzeichnet. Das entspricht drei Prozent des gesamten Lufthansa-Treibstoffverbrauchs. Der Flugzeugbauer Airbus gibt passend dazu an, dass Airlines in den USA 2007 mehr als 2,8 Milliarden Liter Kerosin für das Fliegen von Warteschleifen vor der Landung auf überlasteten Flughäfen verschwendet haben.

Weltweit geht man mittlerweile davon aus, dass bis zu neun Prozent des Treibstoffs und der damit verbundenen Emissionen auf den Stau im Luftraum zurückzuführen sind. Weiterhin heißt es bei Airbus: "Wenn man weltweit die Flugzeit um eine Minute verkürzen könnte, würden dadurch jährlich 4,8 Millionen Tonnen des Klimagases Kohlendioxid (CO2) eingespart werden."

Lösungen tun not. Vor allem mit Blick auf die Entwicklung des Flugverkehrs in den nächsten 20 Jahren. Nach den Schätzungen des aktuellen "Global Market Forecast", der weltweiten Marktvorhersage von Airbus, wird der Flugverkehr deutlich zunehmen – vor allem zwischen den Megapolen: Großräumen also wie Tokio, New York und Mexico City, zwischen denen täglich 10.000 Menschen und mehr reisen werden. Bis 2030 wird ihre Zahl von derzeit 39 auf 87 steigen, weil sich die Weltbevölkerung in den nächsten Jahren in solchen Megalopolen konzentrieren wird.

Insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum wird die Zahl der Passagiere und damit der Flugverkehr auch aufgrund eines steigenden Wohlstandes bis 2030 drastisch zunehmen. Darunter wird vor allem China mit einem steigenden Bedarf an Inlandsflügen, aber auch Verbindungen in die gesamte Welt eine der treibenden Kräfte sein. Doch auch die Inlandsflüge in den USA und in West-Europa werden zulegen.

Der Luftverkehr wird nach den Airbus-Schätzungen um das Dreifache zunehmen und damit auch die Verkehrsdichte. Die Folge: zunehmende Warteschleifen bei den Anflügen, weil die Infrastruktur der Flughäfen bei weitem nicht mit dem schnell steigenden Luftverkehr Schritt halten kann.

Doch Lösungen zeichnen sich bereits ab. Beim Airbus Mutterkonzern EADS sieht man den steigenden Bedarf nach größeren Flugzeug-Modellen mit effizienteren Antrieben, um auf den gleichen Strecken mehr Passagiere zu ihren Wunschzielen fliegen zu können.

Eine weitere Lösung wird derzeit am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt erprobt: Denn Flughäfen mit Landebahnen, die weniger als 1311 Meter auseinanderliegen, haben das Problem, dass die Bahnen nicht unabhängig voneinander angeflogen werden können. Vielmehr müssen sie wie eine Landebahn behandelt werden, wodurch sich der Luftverkehr staut.

Das DLR testet darum derzeit ein intelligentes Leitsystem, das eine Landung auf dicht nebeneinanderliegenden Bahnen möglich macht. Alleine das würde die Situation bereits entzerren. An der Technischen Universität Berlin wird zudem an einer integrierten Luftraumkontrolle gearbeitet: Der Bordrechner in Flugzeugen soll automatisch die Daten mit einem Computer am Boden abgleichen und anschließend nach intelligenten Regeln die geeignete Flugroute aushandeln.

Zudem ist das Luftverkehrsnetz alles anderer als effizient. Allein 2006 hatten laut DLR Umwege in Europa einen zusätzlichen Ausstoß von 4,7 Millionen Tonnen CO2 zur Folge – das sind etwa fünf Prozent der gesamten Emissionen im europäischen Luftverkehr. So ließe sich bei einem Flug von Hamburg nach Toulouse die Distanz auf einer direkteren Flugroute um etwa 100 Kilometer verkürzen, wodurch man mit einem Airbus A330-300 knapp 2,5 Tonnen CO2 einsparen könnte.

Die Europäische Kommission und die europäische Flugsicherungsbehörde Eurocontrol haben darum die Initiative SESAR ins Leben gerufen. Gemeinsam wollen Partner aus Wirtschaft, Politik, Militär und Forschung den Luftverkehr vereinheitlichen, harmonisieren und synchronisieren. Das Ziel: Senkung der Schadstoffemissionen um zehn Prozent und auch weniger Warteschleifen über den Flughäfen.

(RP)
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