Reise-Boom ab 1963: 50 Jahre Pauschalreisen

Reise-Boom ab 1963: 50 Jahre Pauschalreisen

1963 bot der Versandhändler Neckermann die erste Reise zum Festpreis in seinem Frühjahrskatalog an. Die neue Reiseform erlebte sofort einen Boom. Später wurde der Begriff "Neckermänner" zum Synonym für Pauschaltouristen.

Saubere Zimmer, reichliche Hauptmahlzeiten und dazu blaues Meer und Strand — Josef Neckermann erfüllte vielen Deutschen einen Traum, als er 1963 seinem Frühjahr-Sommerkatalog ein Heftchen beilegte. Auf sechs Seiten bot der Versandhändler aus Frankfurt dort Reisen an — 15 Tage Vollpension, inklusive Flug nach Mallorca, Dalmatien oder Tunesien. Eine Revolution. "Eine Flugreise bietet große Vorteile, wenn sie gewissenhaft geplant und sorgfältig vorbereitet ist. Wir haben an alles gedacht", hieß es in dem ersten Werbeprospekt.

Die Deutschen waren fasziniert von der neuen Reiseform, in der zu einem günstigen Preis alles inbegriffen war. Der Unternehmer Josef Neckermann eröffnete damit der breiten Masse ihre ersten Flugreisen in die Ferne. Schon im ersten Jahr verreisten 18.000 Urlauber mit Neckermann. Sie flogen zum vorher festgelegten Preis mit Propellermaschinen in die Sommerfrische. Eine zweiwöchige Reise nach Mallorca kostete 336 D-Mark. Das entsprach in etwa dem Monatsgehalt eines Einzelhandelskaufmanns. Das Tarifgesetz stand den Arbeitnehmern jedoch Urlaubsgeld zu.

Am Zielort sollten sich die noch unerfahrenen Touristen fühlen wie in der Heimat. Typische Merkmale der von Neckermann offerierten Unterkünfte waren neben Sauberkeit und reichhaltigen Speisen eine eifrige Bedienung sowie eine kleine Bar, "in der Sie viel für wenig Geld erhalten", so warb das Unternehmen. Denn die Getränke waren anders als bei den heutigen All-Inclusive-Reisen nicht im Reisepreis inbegriffen. Doch waren die Kosten dafür auf Mallorca äußerst günstig. Für ein Glas Cognac musste ein Urlauber auf der heutigen Lieblingsinsel der Deutschen zu diesem Zeitpunkt nur rund 20 Pfennig zahlen.

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Bis 1963 waren die Deutschen vor allem mit Bussen, der Bahn oder auch mit dem eigenen Auto in den Sommerurlaub gefahren. Damals reisten etliche Familien mit ihrem VW Käfer nach Rimini oder an den Gardasee. Flugreisen waren noch etwas für Reiche und Abenteurer.

Das änderte Neckermann schlagartig. Während der Wirtschaftswunderjahre verkaufte der Versandhändler noch Möbel, Kühlschränke und Fernseher. Doch mit der Einführung der Pauschalreise stellte das Reisesegment die Original-Aktivitäten in den Schatten. Bereits im ersten Jahr bescherten die Touristen dem Unternehmen rund acht Millionen D-Mark Umsatz. Im Jahr darauf bot Neckermann auch Kreuzfahrten an, und ab 1965 ging es sogar mit Düsenjets in den Süden. 1973 war der erste Club-Urlaub im Angebot, ein Jahr darauf führte die Ölkrise zu den ersten Treibstoffzuschlägen, doch die Reiselust blieb lange ungebrochen. Schnell wurde das Wort der "Neckermänner" zum Synonym für die gelegentlich belächelten Pauschaltouristen.

Und heute? Neckermann ging im vergangenen Jahr pleite, die Reise-sparte wechselte bereits vor Jahrzehnten den Besitzer und wird heute von der deutsch-britischen Thomas Cook AG geführt. Mit rund drei Millionen Gästen pro Jahr macht sie rund 70 Prozent des deutschen Thomas-Cook-Umsatzes aus. Noch immer lebt die Pauschalreise, weil sie dem Gast Sorglosigkeit und Sicherheit bietet.

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(RP/nbe/das)