Schutzzonen im Meer Wo man auf Mallorca tauchen darf – und wo nicht

Mallorca · Immer mehr Küstengebiete stehen unter Schutz, dadurch hat die Artenvielfalt stark zugenommen. Das hat nicht nur positive Auswirkungen auf das Ökosystem unter Wasser: Einige der Schutzzonen sind zu Taucher-Hotspots geworden.

 Keine Frage: Tauchen auf Mallorca ist atemberaubend. Taucher sollten sich aber an die Regeln halten.

Keine Frage: Tauchen auf Mallorca ist atemberaubend. Taucher sollten sich aber an die Regeln halten.

Foto: Getty Images/iStockphoto/Rott70

Kristallklar schwappt das Meer an die felsige Küste. Ein Kormoran trocknet in der Sonne sein Gefieder. Bereit, sich jeden Moment in die Tiefe zu stürzen, beobachtet er neugierig einen Schwarm silbrig schillernder Fische. Bis auf den Grund reicht der Blick. Dort unten ist ein knallroter Seestern auszumachen. Ein paar Meter weiter huscht ein Zackenbarsch vorüber. Neptungras wiegt sich sanft in der Strömung. Die Mallorcas Küste vorgelagerte Insel Dragonera ist ein wahres Naturidyll. Das liegt auch daran, dass die Gegend seit 2016 ein Meeresreservat ist.

„Hier zu tauchen ist gigantisch“, sagt Eckbert Waldleben, der seit vielen Jahren auf der Insel lebt und auch ihre Unterwasserwelt genau kennt. Mehr als 1000 Tauchgänge hat der gebürtige Leipziger bereits hinter sich. „In den Meeresreservaten gibt es viel mehr Fische als anderswo.“ Da der Bereich rund um Sa Dragonera streng geschützt ist, könne sich die Unterwasserwelt ungestört entwickeln. „Wenn du dort früher mal einen Zackenbarsch gesehen hast, dann war das ein absolutes Highlight“, sagt Waldleben. „Heute kannst du die gar nicht mehr zählen, so viele gibt es da.“

Biodiversität ist größer geworden

Ganz am entgegengesetzten Ende der Insel, in Capdepera, betreibt Mike Baudach seit 2006 die Tauchschule Dive & Fun. Im Jahr darauf erklärte die Balearen-Regierung das Gebiet zwischen Cala Ratjada und dem Cap Ferrutx zum Meeresreservat. Was die Entscheidung für das Ökosystem unter Wasser bedeutete, hat er also aus nächster Nähe miterlebt. „Keine Frage: Die Biodiversität ist viel größer geworden“, sagt er. Mittlerweile bekomme man beispielsweise ganze Schwärme des Mittelmeerdrückerfisches zu sehen. Auch die einst sehr seltenen Petersfische kämen nun wieder viel häufiger vor. „Mittlerweile sind dort wieder mehr als 900 verschiedene Tier- und Pflanzenarten heimisch.“

Fünf Meeresreservate gibt es mittlerweile an Mallorcas Küste. Dass die zur Schutzzone erklärte Gegend für Taucher attraktiv wird, ist dabei nur ein Nebeneffekt. Denn zunächst einmal geht es um den Erhalt der Fischbestände. Der unkontrollierte Fischfang hatte diese nämlich im Laufe der Jahrzehnte massiv schrumpfen lassen. Ohne die Meeresreservate würde es im Meer rund um die Insel überhaupt keinen Fischfang mehr geben, sind Experten aus dem balearischen Fischereiministerium überzeugt.

Tauchausflüge sind genau geregelt

Auf den ersten Blick ist es gar nicht so ein­fach, die Schutzzonen vor Mallorcas Küste zu erkennen. Lediglich an Land gibt es Hinweise. Zum einen stehen an bestimmten, strategisch ausgewählten Orten Informationsschilder. Da­rauf ist zum einen der Umfang der Reservate eingezeichnet, zum anderen findet man dort Angaben darüber, was dort erlaubt und was verboten ist. Auch Tauchausflüge etwa sind genau geregelt und bedürfen der Genehmigung durch das balearische Fischereiministerium.

„Wir sind zum Beispiel auch verpflichtet, besondere Sichtungen zu melden“, sagt Mike Baudach von Dive & Fun. So verschafften sich die Behörden einen Überblick über das Vorkommen bestimmter Arten. Die Posidoniawiesen am Meeresgrund etwa, die eine wichtige Rolle für das Funktionieren des Unterwasser-Ökosystems spielen, hätten sich durch die Einrichtung des Reservats im Nordosten Mallorcas deutlich erholt, da das Ankern auf diesen streng verboten ist und die Einhaltung der Vorschriften auch überwacht wird. Kontrolleure des Ministeriums sind zu dem Zweck rund um die Insel im Dauereinsatz.

Dabei ist es gar nicht so einfach zu wissen, wo die Grenzen der jeweiligen Schutzzone eigentlich verlaufen. Man muss sich dafür nämlich an die Markierungssäulen halten, die zu ebendiesem Zweck an der Küste installiert wurden. Da­bei handelt es sich um runde, weiße, mehrere Meter hohe, weithin sichtbare Betonpfeiler. Gut zu sehen sind diese Pfeiler zum Beispiel in der Urbanisation Santa Ponça am Malgrats-Mirador, sowie an der Maioris-Küste von Llucmajor.

Meeresreservate als touristische Attraktion

Neben den Meeresreservaten gibt es vor Mallorcas Küste auch zahlreiche Meeresschutzgebiete. Der Naturpark Es Trenc etwa erstreckt sich nicht nur auf der Insel (1441 Hektar), sondern zum Teil auch über die Küste hinaus (2327 Hektar). Das Tramuntana-Gebirge wie­derum steht als Paratge Natural unter Schutz und umfasst rund 63.000 Hektar, davon sind 1123 Meeresfläche. Das balearenweit bedeutendste Gebiet aber ist der Cabrera-Archipel, der den Status eines Nationalparks hat. Dieser umfasst rund 90.800 Hektar (89.478 davon Meer).

Die Mallorca vorgelagerte Inselgruppe hat sich in den vergangenen Jahren zu einer gefragten Tauch-Destination entwickelt. Das gilt auch für die Meeresreservate. Die beiden Schutzgebiete Malgrats und El Toro vor der Küste der Gemeinde Calvià etwa, die im ver­gangenen Jahr zu einem einzigen, noch vergrößerten Meeresreservat zusammengelegt wurden, hatte man einst eingerichtet, um dort eine neue touristische Attraktion zu schaffen. Der Plan ging auf: Laut dem balearischen Fischereiministerium starteten dort im Jahr 2022 fast 26.000 Personen zu einem Tauchgang. In allen Meeresreservaten der Insel zusammen­gerechnet waren es mehr als 35.000.

Das älteste der balearischen Meeresreservate liegt in der Bahía de Palma und reicht vom Club Náutico de s‘Arenal bis zum Cabo de Re­gana an der Küste von Llucmajor. Es wurde im Jahr 1982 geschaffen. Seit 2002 gibt es die Reserva Marina del Migjorn vor Mallorcas Südküste, das mit Abstand größte Schutzgebiet. 2004 folgten dann die Reservate Isla del Toro und Islas Malgrats im Südwesten, die im vergangenen Jahr dann zusammengelegt und ver­größert wurden. Seit 2007 wiederum existieren die Reserva Marina del Levante de Mallorca sowie die von Cala Ratjada, die allerdings im Gegensatz zu den anderen unter zentralstaatlicher Verwaltung steht. 2016 wurde dann die Reserva Marina del Freu de sa Dragonera bei der gleichnamigen Insel im äußersten Südwesten Mallorcas geschaffen. Die Gesamtfläche aller balearischen Meeresreservate beträgt 67.420 Hektar.

In allen Meeresreservaten gelten unterschied­liche Vorschriften, die jeweils in entspre­chenden Dekreten festgeschrieben sind. Mehr oder weniger streng geregelt sind das Angeln von Land aus, das hobbymäßige Fischen von Booten aus, das professionelle Fischen, das Tauchen und das Harpunenfischen. Manche Aktivitäten sind je nach Reservat komplett verboten, eingeschränkt erlaubt oder bedürfen der vorherigen Genehmigung. Verstöße gegen die Vorschriften können Geldbußen nach sich ziehen.

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