Mallorca: Fäkalien im Meer vor Palma - zwei Strände sind gesperrt

Abwasserprobleme auf Balearen-Insel : Fäkalien-Alarm im Meer vor Mallorca

Seit Sonntag treiben Fäkalien an der Küste Mallorcas im Meer. Schon achtmal in einem Monat mussten deshalb Strände gesperrt werden.

Mit den Füßen im Wasser den Strand entlang laufen und das warme Wetter genießen, so oder so ähnlich stellt man sich den Urlaub auf Mallorca vor. Zumindest an den Stränden nahe der Hauptstadt Palma sieht es derzeit jedoch ganz anders aus: Kot und Klopapier treiben dort im Wasser. Zu sehen ist das auf einem am Donnerstag veröffentlichten Video des spanischen Nachrichtenportals „Cronica Balear“. Laut den Kommentaren unter dem Text roch das Meer zudem nach Urin. Seit Sonntag sind die Strände „Can Pere Antoni“ und „Ciutat Jardi“ deshalb gesperrt, das berichtet das „Mallorca Magazin“. Zum Fäkal-Fiasko kam es nicht zum ersten Mal. Bereits achtmal in etwas mehr als einem Monat mussten Badegäste diesen Anblick an den Stränden ertragen.

Der Grund für die Verunreinigung ist immer derselbe: Mallorca hat nur zwei Kläranlagen und die sind sehr alt. Die Anlagen werden deshalb kaum mit den Schmutzwassermengen in der Touristensaison fertig. Vor allem eine Anlage ist betroffen, die Kläranlage EDAR2 bei Coll d’en Rabassa. Wie groß das Problem ist, wird immer dann sichtbar, wenn Regen fällt. Dann nämlich kann eine der Anlagen das Schmutzwasser nicht mehr aufnehmen und der Dreck wird über mehrere Ableiter direkt in die Bucht von Palma gespült. Erst kürzlich musste nach einem heftigen Gewitter dreimal in einer Woche die rote Flagge gehisst werden. Betroffen waren auch die Strände „Son Parera“ und „Molinar“.

Nicht immer ist die Fäkal-Verschmutzung mit bloßem Auge sichtbar. Das mag tröstlich klingen, tatsächlich vergrößert das jedoch die Gesundheitsgefahr. Denn unter der Wasseroberfläche können sich dennoch Coli-Bakterien (Darmbakterien) sammeln, die Krankheiten verursachen. Ist die Verschmutzung nicht zu sehen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Urlauber im verschmutztem Meer schwimmen und ihnen das Wasser dabei auch in den Mund schwappt.

Um solche Szenarien zu verhindern, wollen die Behörden nun zunächst die Wasserqualität an den Stränden „Can Pere Antoni“ und „Ciutat Jardi“ prüfen, bevor die Strände wieder freigegeben werden. Eine Lösung für das Abwasser-Problem gibt es bislang jedoch nicht. Zwar soll die Kläranlage EDAR2 bis 2020 einen größeren Tank bekommen, nach aktuellen Berechnungen wird das jedoch wohl nur 30 Prozent der Abwasseraustritte und somit auch der Fäkal-Vorfälle an der Küste verhindern, sagen die Stadtwerke Emya. Eine langfristige Lösung soll 100 Millionen Euro kosten. Mit der Umsetzung ist allerdings frühestens in den nächsten vier Jahren zu rechnen.

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