Balearen : Kloster-Kneippen auf Mallorca

Übernachten in ehemaligen Ställen, Sonne tanken in den Bergen, abends am Kaminfeuer tafeln: So sieht ein Wellness-Wochenende im Kloster Lluc aus, dem wichtigsten Wallfahrtsort der spanischen Insel.

Seit wann bieten die Brüder im Kloster Lluc auf Mallorca auch Wellness an? Eigentlich schon immer. Aber um genau zu sein, seit über 400 Jahren. So lange bekommen Pilger im Herzen der Tramuntana, 50 Kilometer von der Inselhauptstadt entfernt, ein Bett und ein warmes Essen geboten.

Anfang des 13. Jahrhunderts, kurz nach der Eroberung Mallorcas durch König Jaume I., errichteten Templer für die Heilige Jungfrau einen Altar in den Bergen von Lluc. Die bescheidene Kapelle auf 525 Meter Höhe wurde rasch zur Pilgerstätte. Im 16. Jahrhundert entstand die "Els Porxets" genannte Herberge. Die Zimmer hießen früher Schlafstätte, Schlafstätte eins war der Pferdestall, Schlafstätte zwei der Heuschober und so weiter. Damals machten sich die Menschen noch keine Gedanken um die Pflege von Körper und Geist, es gehörte vielmehr zum naturverbundenen Leben mit dazu: Man bewegte sich viel an der frischen Luft, lebte nach den Jahreszeiten, und auf den Tisch kam, was die Natur einem schenkte.

Im Kloster Lluc lässt sich dieses Wellness-Programm noch heute erleben — ohne viel Schnickschnack, dafür mit historischem Flair. Anreisen sollte man besser unter der Woche, denn am Wochenende wird es voll in Mallorcas wichtigstem Wallfahrtsort. Und da das Kloster-Restaurant Sa Fonda Montagabend und Dienstag geschlossen hat, reservieren Urlauber am besten von Mittwoch bis Sonntag ein Zimmer im Haupttrakt des Klostergebäudes. Dort befinden sich Einzel- sowie Doppelzimmer und sechs Suiten. Die Familien-Apartments mit Küche sind in den ehemaligen Ställen untergebracht, sie liegen romantisch hinter einem Kreuzgang.

Wer nicht gerade eine der Suiten im Hauptgebäude bucht, darf nicht mit allzu viel Schöner-Wohnen-Flair rechnen. "Wir sind kein Hotel, sondern eine Herberge", betont Herbergsleiter Sebastià Sureda. Das antike Ehebett in der hübsch eingerichteten Suite ist 100 Jahre alt und ein Meisterwerk der Schreinerkunst — es ist allerdings gewöhnungsbedürftig, weiß der Mallorquiner. Und: "In allen Zimmern bezieht der Gast sein Bett selbst."

Überhaupt hat Kloster-Wellness in Lluc nichts mit dem Rund-um-die-Uhr-Service zu tun, den man aus Hotel-Spas mit Saunalandschaft und Vanilleduft zu Meditationsmusik kennt. Die Freuden sind hier einfacher, dafür von großer Intensität — wie schon Mallorcas Heiliger Ramon Llull feststellte, der Lluc als "Kraftort" bezeichnete. Morgens sieht man zum Beispiel die Sonne vor dem Herbergsfenster aufgehen. Zum Frühstück werden auf der Café-Terrasse frische Croissants zu Milchkaffee serviert, die schöne schwarze Klosterkatze streicht einem schnurrend um die Beine. Und wenn von einem kleinen Aussichtshügel in der Ferne das Meer glitzert, ist das Glück nahezu perfekt.

Durch das alte Klostertor geht es geradewegs ins Naturparadies von Lluc. Vorher besorgt man sich in der Hofbäckerei Brot, Käse und Schinken für die Wanderung. Wer am ersten Tag lieber entspannt spazieren möchte, bewegt sich rund ums Kloster. Es lohnt sich zum Beispiel, an einer antiken Sonnenuhr vorbei über Treppen zum großen Kreuz hochzusteigen. Oder auf ebenen Wegen zuerst den Botanischen Garten zu besuchen und anschließend an einem Bach entlang die nähere Umgebung zu erkunden.

Wer höher hinaus will, nimmt sich eine mehrstündige Bergwanderung vor, etwa auf dem Weg der Schneesammler zum Bergrücken s'Mola oder auf den Puig Tomir. Wenn man von dort müde und hungrig zum Kloster zurückkommt, muss man sich bis zum Abendessen noch ein wenig gedulden. Bis die Küche im Restaurant Sa Fonda um 19 Uhr öffnet, nimmt man ein heißes Bad, ruht sich im Zimmer aus oder besucht das Klostermuseum und die barocke Basilika. In einer der hinteren Seitenkapellen steht erhöht auf einem Podest eine Schwarze Madonna, die Gottesmutter von Lluc. Und zweimal täglich singen in der Wallfahrtskirche auch die berühmten Chorknaben Blauets.

Wer schon eine halbe Stunde vor Küchenzeit im Restaurant auftaucht, darf sich einen Platz aussuchen und mit einem Glas Wein in der Hand die Karte studieren. Die verspricht kräftige Suppen mit Nudeln und Gemüse, Paella und deftige Fleischgerichte wie Bergzicklein aus dem Ofen mit Gemüse und Bratkartoffeln. Später, auf dem Weg ins Zimmer, sollte man noch einen Abstecher zum Klosterhof machen. Die schwarze Katze ist zwar nicht zu sehen, doch hoch über dem Kopf funkeln zahllose Sterne an einem sehr schwarzen Himmel.

(RP)