Aufregung auf Mallorca Hai am Strand gesichtet – Experte gibt wichtigen Hinweis

Madrid/Palma · Am Strand von Mallorca ist vor einigen Tagen ein Hai gesichtet worden. Die Nachricht hat bei vielen Urlaubern für Aufsehen gesorgt. Jetzt äußern sich Wissenschaftler über die überraschende Sichtung – und haben einen wichtigen Hinweis für Touristen.

Eine Anwohnerin filmte die jüngste Hai-Begegnung mit dem Handy. Auf den Bildern sieht man, wie sich das etwa zwei Meter lange Tier in der Abenddämmerung dem Strand nähert. Der Raubfisch hing sogar vorübergehend im seichten Wasser fest. Er konnte sich aber wenig später selbst befreien und ins offene Meer zurückschwimmen.

Bei etlichen Strandtouristen verursachen derartige Nachrichten Unbehagen. Mallorquinische Forscher freuen sich jedoch über die Anwesenheit der Meeresjäger, die vielen Menschen Furcht einflößen. Die Existenz der Haie, von denen etliche Arten auf der Roten Liste stehen, sei ein gutes Zeichen für das maritime Ökosystem der Baleareninsel, sagen die Wissenschaftler.

Mitte des 20. Jahrhunderts habe es viel mehr dieser Meeresräuber vor Mallorca gegeben, berichtete die Stiftung Marilles, die sich dem Schutz des Meeres widmet. Seitdem seien die Bestände von Knorpelfischen, zu denen vor allem Haie und Rochen gehören, um 90 Prozent geschrumpft – vor allem wegen der Überfischung des Mittelmeeres.

Um das Aussterben einiger heimischer Haiarten zu verhindern, werden inzwischen sogar Jungtiere aus einem Zuchtprogramm des Aquariums Palma in die Freiheit entlassen. Gerade erst, teilte die regionale Fischereiministerin Mae de la Concha mit, habe man 20 Katzenhaie ins Wasser gesetzt. Und zwar im Meeresschutzgebiet rund um die Insel Cabrera, die 20 Kilometer vor der Südspitze Mallorcas liegt.

Die ausgesetzten Jungtiere waren etwa 75 Zentimeter lang. Erwachsene Katzenhaie können das Doppelte messen und bei Begegnungen mit Schwimmern oder Tauchern für einen gehörigen Schrecken sorgen. Allerdings sind Katzenhaie, wie die allermeisten Haiarten, für den Menschen ungefährlich. Sie leben in tieferem Wasser und ernähren sich von Krebsen, Garnelen, Würmern oder kleineren Fischen.

„Das Ziel lautet, unsere Meereswelt zu erhalten“, sagte die Fischereiministerin. Die ausgewilderten Haie seien mit kleinen Sendern ausgestattet, um Rückschlüsse über ihre Bewegungen im Mittelmeer zu erhalten. Wenn das Auswilderungsprogramm der Katzenhaie Erfolg habe, wolle man das Experiment mit anderen bedrohten Hai- und Rochenarten fortsetzen, erklärte die Ministerin.

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Meeresforscher betonen, dass sich Mallorca-Urlauber wegen der Haie keine Sorgen machen müssen. Im gesamten westlichen Mittelmeer sei bisher kein einziger Hai-Angriff auf Badegäste registriert worden. Jene wenigen Haie, die in Ausnahmefällen in Strandnähe gesichtet werden, seien meist kranke oder verletzte Tiere. Manchmal werden auch, wie zuletzt vor einigen Monaten am südöstlichen Strand des Ortes Andratx, tote Haie angetrieben.

Die Organisation Shark Med, die sich um den Schutz von Haien kümmert, hat mit Tiefseekameras das Leben der Haie rund um die Baleareninseln erforscht. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass es sich bei den wenigen Exemplaren vor den Inseln vor allem um Blauhaie handelt. Und dass rund die Hälfte der gesichteten Tiere durch Fischerhaken verletzt waren, was ihre Überlebenschancen mindert.

Zum Schutz der Haie müsse noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, sagte Shark-Med-Chef Agustí Torres der Mallorca Zeitung. „Filme und Legenden haben sie in ein schlechtes Licht gerückt. Hunde sind statistisch gesehen viel gefährlicher, aber die Menschen haben vor ihnen weniger Angst.“ Und auch Quallen sorgen jedes Jahr bei Tausenden von Badegästen an Mallorcas Stränden für unangenehme Erinnerungen.

Wie sollen sich Mallorca-Urlauber verhalten, wenn sie einen Hai oder andere größere Meerestiere in Strandnähe sichten? Am besten sofort die Strandwache oder den Notruf 112 informieren. Die leiten den Notruf an das Aquarium Palma weiter, dessen Biologen für die Rettung von Meereslebewesen ausgerüstet sind.

Private Rettungsversuche sollten unterlassen werden, sagt eine Sprecherin des Aquariums. „Wer einen orientierungslos wirkenden Hai oder Delfin beobachtet, sollte sich möglichst von dem Tier fernhalten, um es nicht noch zusätzlich zu stressen.“ Generell gelte in solchen Situationen: Nicht anfassen, solange ein Spezialist nichts anderes empfiehlt.