Die Schönheit von Mallorca zieht viele Künstler an

Mallorca : Insel des Lichts

Viele Künstler lassen sich von der landschaftlichen Schönheit Mallorcas inspirieren. Ein Streifzug durch Ateliers.

Es ist tatsächlich außergewöhnlich – das Licht auf Mallorca. „Gegen Abend wechselt die Farbe dieser Landschaft von Stunde zu Stunde und gewinnt hierbei mehr und mehr an innerer Harmonie“, schreibt die Schriftstellerin George Sand, die sich im Winter 1838 mit ihrem Liebhaber, dem Komponisten Frédéric Chopin, zehn Wochen lang auf der Baleareninsel aufhält. Bis heute ist das Eiland im Mittelmeer Sehnsuchtsziel für Künstler. Mehrere Hundert leben und arbeiten auf Mallorca, die meisten in der Hauptstadt Palma. Außerhalb der Saison, im Herbst und Winter, lässt sich das große Angebot an Ateliers und Werkstätten, Museen und Galerien in aller Ruhe genießen.

Ein Atelier, das für Besucher immer offensteht, ist das der Bildhauerin Maria Isabel Ballester. Sie teilt es sich mit ihrem Vater Cándido. Wer die ehemalige Garage betritt, dem fällt sofort auf, dass sich die Bilder des Vaters ganz wunderbar mit den Skulpturen der Tochter ergänzen, die scheinbar willkürlich im Raum stehen. Oft sind es nur Gesichter, die sie aus Ton, Gips oder Zement modelliert hat. Ein Besuch lohnt sich.

„Die Tür ist meistens offen“, weiß Uta Gritschke. Die Deutsche lebt seit zwölf Jahren in Palma und kennt sich sehr gut in der Kunstszene aus. Mit vielen Künstlern ist die ehemalige Galeristin befreundet. Viele Ateliers liegen in der Nachbarschaft von Gritschkes Weinhandlung, der Bodega Santa Clara. „Maria Isabel ist längst eine. Wer über den Paseo Marítimo, die am Ufer verlaufende Promenade, flaniert ist, kennt den Schriftzug mit den Buchstaben „PALMA“. Fünf Meter hoch und feuerrot angepinselt, ist er nicht zu übersehen.

Es ist eine Installation von Pep Llambías. Als Hotspot für Selfie-Touristen war sie in den letzten Jahren so häufig angefasst und bestiegen worden, dass das 1999 errichtete Kunstwerk kürzlich restauriert werden musste. Es ist jetzt mit einer Schutzschicht überzogen. Sein Atelier hat Pep Llambías eine halbe Autostunde außerhalb von Palma in seiner Geburtsstadt Aláro eingerichtet. Das Spiel mit Wort und Licht ist das Markenzeichen des 1956 geborenen Mallorquiners. „Weil ich die Kunst habe, brauchte ich noch nie einen Psychiater“, sagt Llambías augenzwinkernd und fügt dann ernst hinzu: „Viele Künstler suchen und finden auf Mallorca Inspiration – einfach, weil es eine tolle Insel ist.“

Als „Eldorado der Malerei“, so war George Sand die Insel bereits im Jahr 1838 vorgekommen. Und das ist bemerkenswert, denn wer ihren Reiseliteratur-Klassiker „Ein Winter auf Mallorca“ gelesen hat, der weiß, dass sich die Autorin ihre „Auszeit“ auf der Balearen-Insel anders vorgestellt hatte: trockener, wärmer, romantischer. Schonungslos beschreibt sie die Stumpfsinnigkeit der Bauern und die Arroganz der Adligen, die sie – die Großstadt-Diva – allein deshalb ablehnten, weil sie Hosen trug und rauchte.

Doch trotz der widrigen Umstände hat George Sand die landschaftliche Schönheit von Mallorca immer wieder auf eine so bezaubernde Art und Weise beschrieben, dass viele nach der Lektüre des Buches die Insel selbst kennenlernen wollten.

Zynische Zungen behaupten sogar, Sand sei die Wegbereiterin des Massentourismus auf Mallorca gewesen. „Wir haben sie (Mallorcas Landschaft) bei einem Sonnenuntergang in einem glitzernden Rosa gesehen, danach in glänzendem Violett, anschließend in silbrigem Lila und zuletzt, als sich die Nacht hereinsenkte, in reinem, durchsichtigem Blau“, schreibt George Sand in ihren Erinnerungen. Einer, der genau diese Stimmungen meisterlich auf die Leinwand bannt, ist der Maler Xisco Fuentes. Wer über die Schwelle seines Galerie-Ateliers in der Calle d’En Morei in Palma tritt, taucht in das Universum eines Künstlers ein, dessen Werke durch Kunstfertigkeit, Detailgenauigkeit und Farbintensität begeistern. Geradezu beispielhaft dafür kann ein Gemälde gelten, auf dem er im Stil des Impressionismus Palmas berühmte Kathedrale in Millionen von Farbtupfen festgehalten hat: in Ocker, Lachsrosa, Zartgelb und warmem Orange.

Der Maler Xisco Fuentes arbeitet in seinem Galerie-Atelier in der Calle d’En Morei in Palma de Mallorca. Foto: Christiane Neubauer/Foto: Christiane Neubauer

Das von Fuentes gewählte Motiv fällt dagegen buchstäblich aus dem Rahmen. Denn nur selten nimmt sich der Mallorquiner ästhetische Motive vor. Es ist vielmehr das Vergängliche und das Morbide, dem er sich verschrieben hat. „Ich bin ein konservativer Künstler“, sagt Xisco Fuentes augenzwinkernd, „konservativ im Sinne von konservieren, bewahren. Die Welt dreht sich schnell, Lebensphasen verstreichen – meine Bilder bewahren die Personen und Gegenstände meiner Kindheit ebenso wie die Straßen Palmas, die sich stetig verändern.“

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