Urlaub auf Mallorca „Diese Ruhe ist doch herrlich“

Palma de Mallorca · Seit dem Ende des Pilotprojekts mit rund 2200 deutschen Urlaubern füllt sich Mallorca allmählich wieder. Von Normalität kann bisher aber noch keine Rede sein. Manchem Urlauber gefällt gerade das gut.

 Ruhige Zeiten an der Playa de Palma: Am wohl beliebtesten Strand Mallorcas tummeln sich sonst Tausende Touristen – derzeit sind es deutlich weniger.

Ruhige Zeiten an der Playa de Palma: Am wohl beliebtesten Strand Mallorcas tummeln sich sonst Tausende Touristen – derzeit sind es deutlich weniger.

Foto: dpa/Clara Margais

Das Thermometer zeigt an diesem ersten Julitag 34 Grad. Vom wolkenlosen blauen Himmel scheint die Sonne, dazu weht ein leichtes Lüftchen. Im hölzernen Kontrollturm sitzt etwas gelangweilt ein Rettungsschwimmer und blickt auf das kristallklare Meer. Ein normaler Tag an der Playa de Palma? Nicht ganz, denn eigentlich sollten sich hier am wohl beliebtesten Strandabschnitt auf Mallorca zu dieser Zeit Hunderte Touristen tummeln. Doch noch immer herrscht auf den Baleareninseln vielerorts Geisterstimmung. Zwar sind Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera dabei, den Tourismus nach dem Corona-Shutdown wieder hoch zu fahren. Doch von Normalität ist noch nichts zu spüren.

Am Flughafen von Palma werden an diesem Tag auf den Anzeigetafeln immerhin schon wieder 210 Starts und Landungen angezeigt. Zum Vergleich: Vor genau einem Jahr zählte man hier rund 1000 Flugbewegungen. In den kommenden zwei Monaten könnte sich das Flugaufkommen nach und nach auf rund 40 Prozent des üblichen Volumens steigern, schätzen die Verantwortlichen. Mehr wird es aber wohl nicht.

Die ersten deutschen Touristen hatte die Balearenregierung mit Unterstützung des Reisekonzerns Tui am 15. Mai nach Mallorca geholt. Während eines einwöchigen Test-Projekts mit rund 2200 deutschen Urlaubern sollte herausgefunden werden, wie der Tourismus und der Reiseverkehr nach dem Corona-Shutdown wieder laufen könnte. Dazu wurden verschiedene Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen und in den fünf am Projekt beteiligten Hotels getestet – offenbar mit Erfolg: „Das Feedback der Urlauber zu den getroffenen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen ist durchweg positiv. Wir konnten unseren Gästen zeigen, dass ein sicheres Urlaubserlebnis auch in Zeiten von Covid-19 möglich ist“, sagt Sebastian Ebel vom Tui-Konzernvorstand. Auch die Präsidentin der Balearenregierung, Francina Armengol, zeigte sich zufrieden: „Das Pilotprojekt war ein positives Beispiel für eine ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Behörden und Wirtschaftsunternehmen. Die Balearen konnten unter Beweis stellen, dass sie ein sicheres Reiseziel sind“, so Armengol.

Dass jedoch nicht alles rund lief, blieb im offiziellen Statement nach dem Abschluss der Testphase unerwähnt. So durften die Urlauber etwa nur mit autorisierten Flügen nach Mallorca einreisen. Mehrere Urlauber wurden – auch von Tui – jedoch auf andere Flüge gebucht und folglich am Flughafen auf Mallorca von den Behörden abgewiesen und wieder nach Hause geschickt.

Eigentlich sollte nach dem Willen von Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sánchez der Tourismus ohnehin erst am 1. Juli wieder aufgenommen werden. Entsprechend planten die meisten Hoteliers und Gastronomen mit diesem Datum. Dass die Grenzen jedoch bereits eine Woche nach dem Pilotprojekt am 21. Juni wieder geöffnet wurden, kam für viele überraschend. Da nennenswerte Buchungen entsprechend erst für diese Woche vorlagen, haben viele Gastronomen und Ladenbesitzer bisher darauf verzichtet, ihre Geschäfte wieder zu öffnen.

Die mallorquinische Hoteliersvereinigung FEHM geht davon aus, dass im Juli etwa 260 von 850 Hotels öffnen werden. Am letzten Junitag waren es nur 45. Laut positiven Schätzungen könnten bis zu 40 Prozent der Hotels wieder Gäste empfangen. Richtig losgehen soll es aber wohl erst ab der zweiten Julihälfte.

Und das spürt man auch an den Touristen-Hotspots der Insel. Während in der Inselhauptstadt Palma viele Bars und Restaurants für die Einheimischen bereits wieder geöffnet haben, sind Hotels, Gastrobetriebe, Supermärkte und Souvenirgeschäfte in den Ferienorten noch immer im Winterschlaf. An der Ostküste sieht es aus wie sonst nur im Dezember oder Januar: Restaurants sind komplett verrammelt, die Scheiben der Hotels mit weißer Farbe blickdicht gemacht und an den Stränden sucht man Schirme oder Liegen vergeblich. Nur einige Spanier genießen die Ruhe und tummeln sich im angenehm warmen Wasser.

Am legendären Ballermann sind es gerade einmal ein Handvoll Läden, die auf Kunden warten. Die Schinkenstraße, an der mit dem „Bierkönig“ eines der größten Party-Lokale liegt, ist noch immer verwaist. Nur ab und zu schlendert mal ein Urlauber die Straße entlang, in der eigentlich Tausende partywütige Urlauber feiern würden. „Machen die hier überhaupt noch jemals wieder auf?“, fragt ein Urlauber aus Nordrhein-Westfalen, der erst vor ein paar Stunden auf der Insel angekommen ist. Achselzuckend zieht er enttäuscht wieder von dannen, nachdem er noch schnell ein Foto vom verrammelten Eingang des „Bierkönig“ geschossen hat.

Die Party-Community auf Mallorca hat es tatsächlich hart getroffen. Denn die Balearenregierung hat den Tanz-Tempeln am Ballermann vorerst verboten, wieder zu öffnen – aus Angst vor einer zweiten Corona-Welle. Entsprechend kündigte der „Bierkönig“-Konkurrent „Megapark“ Anfang der Woche an, dass man dieses Jahr überhaupt nicht mehr öffnen werde und die Planungen nun auf das Jahr 2021 konzentriere. Beim „Bierkönig“ will man sich bisher noch nicht festlegen, ob und wann die Tore wieder geöffnet werden. Ausgelassen feiern und tanzen zu den Hits von Tim Toupet, Mia Julia, Peter Wackel & Co. dürften die Gäste dann aber auf keinen Fall. Momentan dürfen Tanzflächen nur als zusätzlicher Platz für Tische genutzt werden – und das soll auch erstmal so bleiben. Aktuell dürfen zudem maximal 300 Gäste in Mallorca-Clubs feiern.

Weitestgehend ruhig soll es diesen Sommer auch am Hafen von Palma bleiben. Denn Kreuzfahrtschiffen ist es bis auf Weiteres untersagt, spanische Häfen anzulaufen. Eigentlich waren nach dem Ende des Alarmzustandes auf den Balearen 241 Anläufe von Kreuzfahrtriesen geplant, mit 191 die meisten davon in Palma de Mallorca.

„Diese Ruhe ist doch herrlich“, freut sich indes Martin Bröcker aus Krefeld. Er ist bereits seit einer Woche auf der Insel und genießt,  dass es noch so leer ist. „Ich wollte mir das unbedingt ansehen, solange noch kaum einer hier ist“, sagt er. Die Sicherheitskontrollen am Flughafen – dort wird bei jedem Ankömmling Fieber gemessen – und in den Hotels empfindet er nicht als störend. „An so etwas müssen wir uns in diesen Zeiten gewöhnen“, sagt er. „Und wer Urlaub auf Mallorca machen will, muss auch dabei mithelfen, dass es keinen neuen Corona-Ausbruch gibt.“