Kirgisistan - raue Schönheit an der Seidenstraße

Urlaub in Zentralasien : Kirgisistan: Reise in ein (un)bekanntes Land

Kirgistan ist ein Muss für Naturliebhaber und Abenteurer. Wer bis jetzt noch nichts von der "Schweiz Zentralasiens" gehört hat, sollte das schleunigst ändern. Erfahren Sie hier, warum sich eine Reise in die Kirgisische Republik definitiv lohnt.

Kirgisistan als Reiseziel ist bei den meisten Reisenden noch recht unbekannt. Und viele könnten nicht einmal mit Gewissheit sagen, wie die ehemalige Sowjetrepublik richtig heißt. Kirgisistan, Kirgistan oder Kirgisien? Im Grunde genommen sind alle drei Bezeichnungen für das zentralasiatische Land korrekt. Allerdings kommt es darauf an, in welchem Kontext der Landesname erwähnt wird.

Bis zum Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 war Kirgisien weitgehend geläufig. Nach der Unabhängig besann sich der ehemalige Satellitenstaat der Sowjetunion auf seine turkstämmigen Wurzeln zurück und aus Kirgisien wurde Kirgistan beziehungsweise Kirgisistan. Obwohl das Auswärtige Amt von Kirgisistan spricht, ist die Bezeichnung Kirgistan in der Bevölkerung weit verbreitet. Das Gebirgsland selbst bezeichnet sich offiziell Kirgisische Republik.

Kirgistan oder Kirgisistan? Das bleibt am Ende jedem Reisenden selbst überlassen. Eines steht allerdings fest: Das Land im Tian-Shan-Gebirge verspricht unvergessliche Momente in einer märchenhaften Landschaft sowie interessante Begegnungen mit der kirgisischen Nomadenkultur. Fernab von jedem Massentourismus erleben Reisende aber auch ein unverfälschtes Land, in dem man auf den Spuren der alten Karawanenwege wandeln und glanzvolle Bauwerke in antiken Städten entdecken kann. Auf den Punkt gebracht: Kirgistan gehört zu jenen Ländern, das hinsichtlich Landschaft, Kultur und Geschichte ein breites Spektrum aufweist.

Wissenswertes und Interessantes über Kirgisistan

Die Republik Kirgistan liegt in Zentralasien und schließt sich im Norden an Kasachstan an, im Westen an Usbekistan, im Süden an Tadschikistan und im Osten an China. Von der Gesamtfläche her ist das Bergland mit 199.900 Quadratkilometern ungefähr halb so groß wie Deutschland. Die Bevölkerungszahl liegt bei ungefähr sechs Millionen Einwohnern, davon leben mehr als eine Million in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Weitere Großstädte in Kirgistan sind der Größe nach Osch, Dschalalabat, Karakol, Tokmok und Ösgön.

Vermutlich wegen seiner Bergwelt, die 80 Prozent des Landes ausmacht, und der stabilen politischen Lage wird Kirgistan auch als die "Schweiz Zentralasiens" bezeichnet. Wie die Schweiz verfügt die Republik Kirgistan auch keinen Zugang zum Meer. Faktisch ist Kirgistan sogar weiter von einem Meer entfernt als jedes andere Land auf der Welt. Stattdessen gibt es auf dem Territorium Kirgistan mehr als 3.500 größere und kleinere Flüsse, die alle in geschlossene, abflusslose Becken münden. Der höchste Berg des Landes ist mit 7.439 Metern der Dschengisch Tschokusu.

Kirgisisch ist eine Turksprache und offiziell die Sprache des Landes. Da die russische Sprache unter den Kirgisen weit verbreitet ist, erkannte die kirgisische Regierung im Jahr 1996 das Russische als zweite Landessprache an. Lediglich in Restaurants und Hotels, in denen internationales Publikum verkehrt, wird teils Englisch gesprochen. Ansonsten sind Reisende klar im Vorteil, wenn sie auf der Reise durch Kirgistan - vor allem in den ländlichen Regionen - russisch sprechen.

Nützliche Redewendungen und Ausdrücke:

  • Guten Tag / Guten Abend (kirgisisch: Salam / Salam, russisch: Dobri Djen / Dobri Wejtscher)
  • Entschuldigung (kirgisisch: Ketchirip koyunguz, russisch: Prastite)
  • Auf Wiedersehn (kirgisisch: Jakshy kalyngyz, russisch: Da zvidania)
  • Vielen Dank (kirgisisch: rachmat, russisch: Spassibo)
  • Ja / Nein (kirgisisch: Ooba / Jock, russisch: Da / Njet)
  • Was kostet...? (kirgisisch: Kantscha turat...?, russisch: Skolko stoit...?)
  • Wo ist...? / Wie komme ich zu/nach...? (kirgisisch: Quaerda...?, russisch: Gde...? / Kak idti...?)
  • Wann? (kirgisisch: Qachon?, russisch: Kogda?)
  • Wo ist das Krankenhaus? (kirgisisch: Oorukana kayda?, russisch: Gde balnitsa?)
  • Polizei (kirgisisch: Militsiya, russisch: Politsia)

Für die Einreise nach Kirgistan benötigen Reisende mit einem deutschen Reisepass kein Visum. Sie können sich unabhängig vom Zweck der Reise bis zu 60 Tage visumsfrei im Land aufhalten. Wer länger in Kirgistan bleiben möchte, der muss bei der kirgisischen Botschaft im Heimatland ein entsprechendes Visum beantragen. Ansonsten wird ein Reisepass benötigt, der bei der Einreise nach Kirgistan noch mindestens sechs Monate gültig sein muss.

Übrigens: Um sich den Gang zur Behörde zu ersparen, gibt es alternativ die Möglichkeit, ein elektronisches Visum für Aufenthalte bis zu 90 Tagen zu beantragen. Hier können Sie ein eVisa für Kirgistan bestellen.

Was ist die beste Reisezeit für Reisen nach Kirgisistan?

In Kirgisistan herrscht ein sehr kontinental und daher ein von trockenen und heißen Sommern und von kalten Wintern geprägtes Klima. Aufgrund der extremen Höhenunterschiede müssen Reisende allerdings mit großen Klimaunterschieden und Temperaturschwankungen rechnen. So ist es in niedrigeren Höhenlagen im Sommer extrem heiß, während es im Winter im Hochgebirge bitterkalt bei zweistelligen Minustemperaturen wird. In mittleren Lagen wie am Issyk-Kul-See treten indes vorwiegend gemäßigte Temperaturen auf. Zu extremen Temperaturschwankungen kommt es zwischen den Sommer- und Wintermonaten. Ebenso wird es empfindlich kalt, sobald die Sonne vom Himmel verschwindet. Daher sollten Reisende auf ihrer Reise durch Kirgisistan für ausreichend warme Kleidung sorgen. Die (Haupt-) Regenzeit ist von März bis Ende Mai, wobei die Niederschlagsmenge von der Höhe des bereisten Gebiets abhängt.

Die beste Reisezeit für eine Reise durch Kirgisistan ist von Ende Mai bis Mitte September, wenn die Temperaturen in weiten Teilen des Landes gemäßigt sind. Wer im Frühjahr reist, hat die Möglichkeit, die Blütezeit im ganzen Land zu bewundern, insbesondere die Obstblüte in den Wildobst-Walnusswäldern. Auch Trekking-Touren und Wanderungen erweisen sich in dieser Zeit als ideal. Im Herbst ist Erntezeit und eine mannigfaltige Auswahl an Obst, Gemüse und Früchten türmt sich auf den Märkten. Darüber hinaus bezaubert die Landschaft mit bunt gefärbten Wäldern, die zu ausgedehnte Wanderungen einladen.

Was müssen Reisende über die Hauptstadt von Kirgistan wissen?

Ankunft in der kirgisischen Hauptstadt BischkekSinnvoll ist eine Anreise mit dem Flugzeug. Doch von Deutschland gibt es bislang keine Direktflüge nach Kirgisistan. Dementsprechend bietet sich ein Flug mit den türkischen Fluggesellschaften Turkish Airlines und Pegasus Airlines an, mit einem Zwischenstopp in Istanbul. Alternativ ist auch eine Anreise über Moskau mit der russischen Fluggesellschaft Aeroflot möglich. Nach einer reinen Flugzeit von acht Stunden landet man auf den wichtigsten Flughafen des Landes: der Manas International Airport, der 30 Kilometer von der kirgisischen Hauptstadt Bischkek entfernt liegt.

Der Flug ist geschafft, doch es folgt noch der Transfer ins Stadtzentrum von Bischkek. Eine Option, die von vielen Reisenden gern in Erwägung gezogen wird, ist der Bus. Die Fahrt mit der Marschrutka 380 dauert ungefähr 50 Minuten und kostet zwischen 50 und 100 kirgisische Som. Ansonsten bietet sich das Taxi, das bei gutem Verhandlungsgeschick um die 500 Som kostet.

Willkommen in Bischkek (ehemals Frunse)

Je mehr man sich dem Stadtzentrum von Bischkek nähert, umso mehr ereilt einem das Gefühl, aus der Zeit gefallen zu sein. Der morbide Charme der alten Plattenbauten aus der Sowjetzeit ist in Bischkek allgegenwärtig. Auf den Straßen quält sich von morgens bis abends der zähflüssige Verkehr. Und obwohl die Berge des Ala-Artscha nur wenige Kilometer von Bischkek entfernt liegen, sind sie durch den zähen Dunst kaum auszumachen. Die triste architektonische Monotonie der Stadt wird vom vielen Grün durchbrochen. Angesichts der zahlreichen Parkanlagen hat es den Anschein, dass es für jeden Bewohner einen Baum gebe. Historische Gebäude gibt es in Bischkek allerdings kaum. Nichtsdestotrotz erweist sich die kirgisische Hauptstadt als perfekter Einstieg, um einen ersten Eindruck von Kirgisistan zu erhalten.

Die Hauptstadt der Kirgisischen Republik ist überraschender Weise eine junge Stadt, obwohl es bereits im 6. und 7. Jahrhundert erste Besiedlungen gegeben hat. Sie war einst eine Karawanenstation an der Seidenstraße und wurde im 19. Jahrhundert vom Khan von Kokand zu einer Lehmfestung ausgebaut. Im Jahr 1860 wurde die Festung von kirgisischen Aufständigen mit Hilfe der russischen Armee erobert. In den nachfolgenden Jahren kam es dann immer wieder zu verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Kokandern und Kirgisen. Die Festung wurde während der Gefechte bis auf die Grundmauern restlos zerstört. Noch heute haben Reisende die Möglichkeit, die Reste der alten Festung im Norden der Stadt Bischkek zu besuchen.

In den folgenden Jahren wurde die Stadt, die bisher den Namen Pischpek trug, nach dem Muster eines Schachbretts wieder aufgebaut. Es entstanden breite Straßen, sattgrüne Parkanlagen. Weit verzweigte Wasserkanäle und monumentale Denkmäler. Im Jahr 1926 erfolgte zu Ehren des russischen Generals Michajl Frunze die Umbenennung der Stadt in Frunze. Erst mit der Auflösung der Sowjetunion errang Kirgistan seine Unabhängigkeit und die Hauptstadt des Landes trägt seitdem den Namen Bischkek. Heute leben hier rund eine Million Kirgisen.

Typische Sehenswürdigkeiten in Bischkek

Die Vergangenheit prägt das Stadtbild der kirgisischen Hauptstadt. Und auch wenn Bischkek nur wenige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, so lohnt sich der Besuch der Stadt allemal.

Ala-Too-Platz

Die bekannteste Sehenswürdigkeit und somit für viele der Touristen der erste Place to go in Bischkek ist der Ala-Too-Platz. Es ist der Ort, an dem im Jahr 2005 die sogenannte Tulpenrevolution stattgefunden hat. Heute dient er an bedeutenden Tagen im Jahr als Schauplatz für imposante Paraden, eindrucksvolle Gedenkveranstaltungen und ergreifende Protestbewegungen. Ansonsten ist der weitläufige Platz ein fester Treffpunkt für Jung und Alt, die sich entweder einem Plausch hingeben oder sich an den Wasserspielen der Springbrunnen erfreuen. Gleichermaßen beliebt und gut besucht ist die Wachablösung am Unabhängigkeitsdenkmal.

Der Ala-Too-Platz beeindruckt aber nicht nur durch seine gewaltige Größe, sondern auch durch seine mächtigen in Weiß gehaltene Gebäude, die den Platz säumen. So befinden sich an der Nordseite das Staatliche Historische Museum - ein trotzig-gewaltiger weißer Quaderbau. Vor dem Museum erhebt sich an der Stelle, wo einst ein Lenin-Denkmal stand, eine Reiterstatue des Volkshelden Manas. An der Südseite flankieren verschiedene weiße Gebäude mit goldglänzenden Kuppeln des Platzes. In ihnen sind verschiedene Ministerien untergebracht.

Das Weiße Haus

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Ala-Too-Platz befindet sich das Weiße Haus. Der imposante sowjetische Monumentalbau, der in den 1980er Jahren errichtet wurde, beherbergt den Präsidentenpalast und das Parlament. Nur einen Steinwurf entfernt erinnert ein Mahnmal - drei Männer, die eine Mauer auseinanderschieben - an die Opfer, die auf dem Weg zur Freiheit ihr Leben ließen.

Panfilow-Park

Nördlich vom Weißen Haus schließt sich der Paniflow-Park an, der nach dem russischen Generalmajor Iwan Paniflow benannt wurde. Auf dem Parkgelände treffen Besucher auf einen Vergnügungspark mit Riesenrad, Imbissbuden und Schaustellern.

Platz des Sieges

Auf dem Platz des Sieges steht wohl das wichtigste Mahnmal der Kirgisen. Eine Stahlkonstruktion, die einer Jurte gleichkommt, soll an die gefallenen Soldaten im zweiten Weltkrieg erinnern. In dessen Mitte brennt die ewige Flamme.

Eichenpark

Vom Historischen Museum aus in Richtung Osten liegt der Eichenpark mit seinen mächtigen Eichenbäumen, zahlreichen Skulpturen und eindrucksvollen Springbrunnen. Sehenswert ist die Statue von Kurmandzhan Datka (1811-1907), eine berühmte Fürstin der Alai-Kirgisen, die sich gegen die russische Besatzung im 19. Jahrhundert auflehnte.

Osch-Basar

Im Westen von Bischkek liegt eine weitere Sehenswürdigkeiten, die bei einem Stadtbummel durch dir kirgisische Hauptstadt nicht fehlen sollte. Die Rede ist vom Basar von Osch, auf dem tagsüber ein reges und buntes Treiben herrscht. Da es hier wesentlich günstiger ist als in den Supermärkten, kaufen die Einheimischen hier alle Dinge des täglichen Lebens. Natürlich muss man um die Ware feilschen, um auch den besten Preis zu erzielen.

Borborduk-Moschee

Mit finanzieller Unterstützung aus arabischen Ländern und der Türkei entstand in jüngster Zeit die monumentale Borborduk-Moschee. Ihr Baustil wurde der Blauen Moschee in Istanbul nachempfunden. In ihrer Umgebung befinden sich märchenhafte Häuschen aus der Zarenzeit, die im Schatten der Borborduk-Moschee eher wie Puppenhäuser wirken.

Welche Sehenswürdigkeiten können Touristen in Kirgistan besuchen?

Gerade in den letzten Jahren hat Kirgistan immer mehr an Popularität gewonnen - nicht nur wegen seiner gewaltigen und facettenreichen Bergwelt. Vielerorts haben Reisende den Eindruck, dass die Zeit noch ein wenig stehen geblieben ist und das Leben noch unverfälscht vorüber zieht - sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Doch genau das verleiht Kirgistan einen gewissen Charme.

Sehenswürdigkeiten, die sich als Reiseerinnerungen einbrennen:

Osch

Die kirgisische Stadt Osch kann auf eine mehr als 3.000-jährige Geschichte zurückblicken. Trotzdem scheint es verwunderlich, dass trotz der vielen Jahrhunderte kaum historisch interessante Gebäude zu sehen sind. Die meisten Sehenswürdigkeiten, die Besucher heutzutage besichtigen können, stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Das liegt zum einen darin begründet, dass die Kirgisen früher als Nomaden durchs Land zogen. Zum anderen wurde Osch im 13. Jahrhundert von den Truppen des Mongolenherrschers Dschingis Khan dem Erdboden gleich gemacht wurde. Nichtsdestotrotz sorgt der farbenfrohe Basar Dshajma (Jaymar-Bazaar) für ein exotisches Flair. Das Wahrzeichen von Osch ist allerdings der heilige Berg Sulajman Too, der seit 2009 sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Die Kathedrale der heiligen Dreieinigkeit in Karakol