Iran: Tourismus im alten Persien

Urlaub im Nahen Osten : Der Tourismus im Iran boomt

Völlig losgelöst von der Weltpolitik übt der Iran eine ganz besondere Anziehungskraft aus. Touristen erleben hochkarätige, architektonische Meisterwerke aus dem antiken Persien, faszinierende Naturlandschaften und spannende Metropolen.

Urlaub in der Islamischen Republik Iran? Warum nicht. Das ehemalige Persien mag (noch) ein exotisches Reiseziel sein und nur wenige Urlauber aus dem Ausland vermerken den Iran auf der persönlichen Wunschreiseliste. Doch in den letzten Jahren verzeichnete das Land zwischen dem Kaspischen Meer und dem Persischen Golf immer mehr Touristen, die ein großes Interesse an den Iran zeigen.

Seit wann boomt der Tourismus im Iran?

Iran gilt wie eh und je als ein exotisches Reiseland. Und dennoch verspürt das Land in den letzten Jahren so etwas wie einen Reiseboom. Fast scheint es so, dass immer mehr Abenteurer, Naturliebhaber und Kulturbegeisterte neugierig auf den Iran geworden sind. Dafür nehmen sie auch strengste Benimmregeln in Kauf.

Es gibt wohl nur wenige Länder auf der Welt, die auf eine Geschichte und Zivilisation zurückblicken können, die mehrere tausend Jahre in die Vergangenheit reicht. Hierzu gehört auch Iran oder Persien, wie das Land zwischen Persischen Golf und Kaspisches Meer bis zum Jahr 1935 bezeichnet wurde. Das einstige Persien hat schon seit jeher eine magische Anziehungskraft auf Reisende ausgeübt, wie schon den griechischen Geschichtsschreiber Herodot (ca. 486 - 430 v. Chr.), den venezianischen Entdeckungsreisenden Marco Polo (1253 - 1324), den deutschen Telegrafie-Ingenieur Ernst Höltzer (1835 - 1911) oder den österreichischen Forscher Alfred Gabriel (1894 - 1976).

Kultureller und landschaftlicher Reichtum

Der Iran war und ist ein Reiseland, das fasziniert, weil es reich an Kunst- und Kulturschätzen ist. Gerade Kulturreisende wissen diesen Reichtum zu schätzen und wählen Iran trotz der hin und wieder auftretenden Wirren als Reiseziel aus. Aber nicht nur allein deswegen. Es gibt im alten Persien auch eine vielfältige und abwechslungsreiche Landschaft. So erhebt sich in unmittelbarer Nähe von Teheran der höchste Berg des Nahen Ostens, der Damawand mit einer Höhe von 5.610 Metern. Entlang der Südküste des Kaspischen Meeres erstrecken sich die 850 Kilometer lange Hyrkanischen Wälder, die mittlerweile mehr als fünf Millionen Jahre alt sind. Im Kontrast dazu stehen die beiden großen staubigen Wüsten Dasht-e Lut und Maranjab. Letzten Endes wird man allerdings feststellen, dass es schier unmöglich ist, alle Kultur- und Naturschönheiten während eines Urlaubs entdecken zu können. Die Islamische Republik Iran erweist sich nämlich als ein riesiges Land, das nicht einmal in einem Monat vollständig bereist werden kann. Dementsprechend sollten sich Touristen auf die Sehenswürdigkeiten konzentrieren, die ihren Interessen entsprechen.

Welche Tourismus-Tipps sollte man vor Reisen in den Iran kennen?

So verhalten sich Touristen(innen) im Iran richtig:

  • Kleidung für Frauen: Der Iran gilt als ein gastfreundliches Land, dennoch sollten Reisende die Sitten und Bräuche der Iraner respektieren. So müssen sich Frauen und Männer - sowohl Touristen als auch Einheimische - strikt an die islamischen Kleidervorschriften des Landes halten. Für Frauen bedeutet das vor allem, ein Kopftuch zu tragen, sodass Haare und Nacken bedeckt sind. Als Kopftuch eignet sich ein dünner Schal. Die Kleidung muss Handgelenke und Fußknöchel sowie die weiblichen Körperkonturen verhüllen, insbesondere das Hinterteil. Am besten entscheidet sich Frau für ein langes Oberteil, das über den Po reicht, in Kombination mit einer knöchellangen Jeans oder Baumwollhose. Das Tragen von Sandalen oder anderen offenen Schuhen stellt in der Regel kein Problem dar. Wer als Frau wichtige muslimische Heiligtümer besichtigen möchte, kann sich am Eingang einen schwarzen Tschador, einen Ganzkörperschleier, ausleihen. Um sicher zu gehen, wann ein Tschador getragen werden muss, genügt letztlich ein Blick auf Iranerinnen als Orientierungshilfe.
  • Kleidung für Männer: Die islamische Kleiderordnung gilt auch für Männer. Entsprechend tragen die Herren der Schöpfung lange Hosen und Hemden. Kurzärmelige T-Shirts sind zwar nicht gern gesehen, aber werden mittlerweile im Land akzeptiert. In Moscheen sollte es allerdings schon ein langärmeliges Hemd sein. Ein absolutes No-Go sind kurze Hosen.
  • Alkohol: Der Islam verbietet grundsätzlich den Konsum von Alkohol, sodass Touristen während ihrer Reise durch den Iran auf jeglichen Alkohol verzichten müssen. Wer von der Sittenpolizei erwischt wird, muss mit hohen Strafen rechnen. Dazu gehören Peitschenhiebe, eine Geldstrafe oder sogar ein Aufenthalt im Gefängnis. In den großen Hotels des Landes ist es möglich, ein alkoholfreies Bier zu bestellen.
  • Sexualität: Das islamische Gesetz verbietet den sexuellen Kontakt zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts. Wer im Iran erwischt wird, der muss mit körperlicher Züchtigung und gegebenenfalls mit der Todesstrafe rechnen. Entsprechend ist es ratsam, dass sich gleichgeschlechtliche Paare nicht in der Öffentlichkeit outen. Sexuelle Beziehungen (auch zwischen Mann und Frau) sind nach iranischem Recht nur in der Ehe erlaubt.
  • Fotografieren: Grundsätzlich sollten Reisende beim Fotografieren und Filmen - auch mit dem Smartphone - vorsichtig sein. So sollte man beim Fotografieren von Menschen eine gewisse Zurückhaltung walten lassen, und nur dann auf den Auslöser drücken, nachdem man gefragt hat. In der Regel gibt es hierbei keinerlei Schwierigkeiten, denn die meisten Iraner freuen sich fotografiert zu werden. Auf das Fotografieren oder Filmen von Soldaten, Polizisten und deren Einrichtungen und Sicherheitsfahrzeugen sollten Reisende ausnahmslos verzichten. Denn es kann als Spionage wahrgenommen und als Straftat mit einer langen Gefängnisstrafe geahndet werden. Gleiches gilt auch für das Fotografieren und Filmen von öffentlichen Gebäuden, die mit einem Verbotsschild darauf hinweisen.
  • Geldumtausch: Bank- und Kreditkarten von Touristen aus dem Ausland funktionieren im Iran nicht. Reisende kommen daher nicht umhin, die ganze Reisekasse in bar ins Reiseland einzuführen. Hierbei sollte beachtet werden, dass die Einfuhr von Bargeld einer Meldegrenze unterliegt, die bei einem Gegenwert von 5.000 US-Dollar liegt. Alles was darüber hinaus geht, muss bei der Einreise in den Iran beim Zoll angemeldet werden. Der Umtausch in die iranische Landeswährung Rial erfolgt dann später am Flughafen, in Banken oder Wechselstuben. Die Geldscheine sollten sich in einem einwandfreien Zustand befinden, also weder eingerissen, bekritzelt oder stark abgegriffen sein. Ansonsten kann es passieren, dass sie nicht angenommen werden.
  • Visum: Touristen mit einem deutschen Reisepass benötigen vor der Einreise in den Iran ein gültiges Visum. In der Regel wird ein solches Visum bei der iranischen Botschaft im Heimatland beantragt. Daneben gibt es noch diverse Visa-Agenturen, die gegen Gebühr mit der Beschaffung eines Visums beauftragt werden können. Eine weitere Möglichkeit für die Beantragung eines Visums stellt das Online-Visum (e-Visa) dar. Zu guter Letzt gibt es noch das "Visa on Arrival", das bei der Einreise am Flughafen beantragt werden muss. Hierbei sollte allerdings erwähnt werden, dass es für die Erteilung eines Visums keine Garantie gibt.

In welchen Regionen des Iran gibt es viel Tourismus?

Im Iran erleben Touristen ein Reiseziel, das mit all seinen kulturellen Höhenpunkten glänzt. Dazu gehören die farbenfrohen Gärten von Shiraz, die prächtig verzierten Paläste in Isfahan oder die eindrucksvollen Ruinen von Persepolis. Während der Reise durch das einstige Persien gibt es aber nicht nur unglaublich schöne Kulturschätze zu sehen, sondern auch einzigartige Naturschönheiten. Zum Beispiel die urwüchsigen Mangrovenwälder von Qeshm, die größte Sandwüste Dasht-e Lut oder das Regenbogental auf der Insel Hormuz.

Tipp: Naturliebhaber sollten die Küstenregion des Kaspischen Meeres im Norden des Landes besuchen. Dort erlebt man nämlich üppig grüne Wälder und breite und fruchtbare Felder - wohl das üppigste Grün in ganz Iran. Ein beliebtes Reiseziel ist der Hykanische Urwald am Fuße der Nordhänge des Elbrus Gebirges. Aufgrund seiner gewaltigen Größe findet man in den Wäldern eine paradiesische Vielfalt von Flora und Fauna vor.

Sehenswertes im Iran:

Golestan Palast
Im Zentrum von Teheran liegt der überaus reich verzierte Golestan Palast aus der Zeit der Kadscharen. Besonders sehenswert ist das monumentale Eingangsportal, das zu mehreren Salons führt, unter anderem zum Spiegelsaal, Diamantensaal und Elfenbeinsaal. Im Thronsaal haben Besucher die Gelegenheit, den mit Juwelen besetzten "Thron des Pfaus" zu besichtigen.

Basar von Tabriz
Traditionell geht es auf dem prächtigen, labyrinthischen Basar von Tabriz zu, der 24 Karawansereien und 22 imposante Kuppelhallen umfasst. Besucher erleben hier einen lebhaften orientalischen Handel, ein gewaltiges Warenangebot und viele in der westlichen Welt längst ausgestorbene Handwerkstraditionen.

Kakh-e Saadabad
Im Norden von Teheran befindet sich eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt von Iran: Kakh-e Saadabad. Die wunderschöne Palastanlage umfasst insgesamt achtzehn große und kleiner Paläste, die teils zu Museen umgewandelt wurden. Gegenüber dem Golestan-Palast ist Kakh-e Saadabad weniger touristisch überlaufen.

Vank-Kathedrale
Isfahan gilt als die schönste Stadt Irans. Besonders lohnenswert sind der Chehel Sotun-Palast und der Imam-Platz. Nicht weniger attraktiv ist die Vank-Kathedrale, die Erlöser-Kathedrale, wie sie auch heißt, im armenischen Viertel Djolfa.

Persepolis
Der Besuch der Überreste der altpersischen Stadt Persepolis sollte auf keiner Iran-Reise fehlen. Wer die ehemalige Hauptstadt des achämenidischen Weltreiches besichtigen möchte, muss nach Shiraz. Von dort werden verschiedenen Touren nach Persepolis angeboten.

Nasir al mulk Moschee
Zu den meist fotografierten Motiven im Herzen der Stadt Shiraz gehört die wunderschöne Mosche Nasir al mulk Moschee mit ihren lichtdurchfluteten Bleiglasfenstern. Die beste Zeit für eine Besichtigung ist in den frühen Morgenstunden, wenn das einfallende Licht die Räumlichkeiten der Moschee in einen gigantischen Farbenrausch versetzt.

Altstadt von Yazd
Eine der ältesten Städte des Irans ist Yazd. Sie soll bereits im dritten Jahrtausend vor Christus gegründet worden sein. Das Stadtbild wird geprägt von einem Gewirr an verwinkelten Gassen, wunderschönen Lehmziegelhäusern und funktionalen Windtürmen.

Hafez- und Saadi-Mausoleen
Auf einer Reise durch den Iran darf der Besuch der beiden Mausoleen Hafez und Saadi in der Stadt Shiraz nicht fehlen. Jung und Alt zieht es zu den Marmorgrabsteinen großer Dichter und Denker des Landes. Zudem lockt die Mausoleen mit schattenspendenden Pavillons und weitläufigen Gärten.

Dasht-e Kavir
Wüstenfeeling erleben - das gelingt Iran Urlaubern in der malerischen und leicht zu erreichenden Dünen- und Wüstenlandschaft Dash-e Kavir. Hier lassen sich haushoch getürmte Sanddünen erklimmen, wilde Tiere beobachten und in den klaren Nächten Sterne zählen. Wer den Fun-Faktor sucht, sollte einmal Sandboarden oder Kameltrekking ausprobieren.

Thron des Salomon
Inmitten eines Tals bei der iranischen Stadt Tabak liegt auf einem kleinen Plateau der Feuertempel Takht-e Soleiman, dessen Name "Thron des Solomon" bedeutet. Erbaut wurde der Tempel in der Regierungszeit des sassanidischen Königs Peroz I., der im Laufe der Zeit bis hin zu einer Palastanlage mit wuchtigen Wehrmauern ausgebaut wurde. Übrig geblieben sind heute allerdings nur noch massive Steinmauern und die Palastruinen.

Anmerkung: Aufgrund der politischen Spannungen zu den Nachbarländern Irak, Pakistan und Afghanistan versteht es sich eigentlich von selbst, dass sich Touristen von den Grenzregionen fernhalten sollten. Gleiches gilt auch für den Provinzen Kerman und Sistan-Belutschistan im Osten des Landes sowie für die kurdischen Gebiete im Nordwesten.

Haben die religiösen Feste des Iran Auswirkungen auf den Tourismus?

Im Iran gibt es viele religiöse Feste und nationale Feiertage, wobei der Mond den Rhythmus dieser Festlichkeiten bestimmt. Zu den wichtigsten religiösen Festen gehören beispielsweise der Todestag Fatimas, der Geburtstag von Imam Ali und Etekaf und der Todestag des Propheten Mohammed. Nationale Feiertag sind zum Beispiel der Siegestag der Islamischen Revolution (11. Februar), Gründung der Islamischen Republik (1. April) und der Todestag von Imam Khomeinis (4. Juni).

Reisenden müssen an religiösen Festtagen und nationalen Feiertagen damit rechnen, dass es keine oder nur eingeschränkte Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten gibt. Darüber hinaus kommt es während des Fastenmonats Ramadan vor, dass die Sehenswürdigkeiten verkürzte Öffnungszeiten haben.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Reisen in den Iran.

Eignet sich der Iran für Backpacking-Tourismus?

Die Antwort auf diese Frage lautet Ja. Backpacker kommen mit rund 30 Euro (Unterkunft, Verpflegung, Transport und Besichtigungen) gut durch den Tag.

Um die aufregende architektonische Meisterwerke, malerische Naturlandschaften, imposante Errungenschaften aus dem altpersischen Reich und quicklebendige Millionenmetropolen besichtigen zu können, bietet sich die Hauptstadt Teheran optimal an. Dank eines gut ausgebauten und weitreichenden Verkehrsnetzes lassen sich die meisten Sehenswürdigkeiten gut per Bus und Bahn besuchen. Das Schöne ist auch, dass sich die iranische Bevölkerung als weltoffen, neugierig und gastfreundlich zeigt.

Wer sich für eine Reise in den Iran entscheidet, sollte allerdings zur richtigen Zeit reisen. Das soll heißen, dass die beste Reisezeit zwischen März und Juni sowie zwischen September und November liegt. Somit umgeht man wunderbar den unerträglich heißen und drückenden Sommer und den beklemmenden eisigen Winter.

Hier geht es zur Infostrecke: Tourismus im Iran - 10 Tipps für Persien-Fans