Kroatien: Die Olivenhaine und Weinberge von Istrien

Kroatien : Auf den Spuren des Olivenöls

In Istrien prägen Oliven und Wein die Region. Mittelalterliche Bergstädte liegen entlang der Straße des Olivenöls.

Schwungvoll gießt Paul O‘Grady das leuchtende Santa Margeritha in drei kleine Becher und präsentiert den Besuchern seines kleinen Shops im kroatischen Vodnjan die dunkle Flasche. „Wisst ihr, wie man Olivenöl richtig verkostet“, fragt der gebürtige Ire. Die deutschen Gäste Birgit und Markus Rudnik schütteln den Kopf. Paul nimmt den kleinen Plastikbecher in die rechte Hand, bedeckt ihn mit der Linken und schwenkt das Öl vorsichtig hin und her. „Wir wärmen das Olivenöl leicht an, so dass es sein ganzes Aroma entfalten kann“, erklärt der Wahl-Kroate. Gesagt, getan. Die Gäste befolgen den Rat und bringen die gold-grüne Flüssigkeit auf Temperatur.

Dann geht es weiter wie bei einer Weinprobe. Erst riechen, dann einen Schluck nehmen, kurz im Mund lassen und genießen. Birgit Rudnik stellt den leeren Becher ab und unterdrückt ein Husten. „Ein wenig Schärfe zum Abgang ist ein Muss für fehlerfreie Öle mit der Bezeichnung Extra Vergine“, schmunzelt Paul. „Viele kennen diesen Geschmack jedoch gar nicht, denn das extra-native Olivenöl ist eines der in Europa am häufigsten gefälschten Lebensmittel.“

In Istrien setzt man hingegen kompromisslos auf Qualität. Schon zu Zeiten der Römer galt das Olivenöl der kroatischen Adria-Halbinsel als das Beste der damals bekannten Welt, heute hat die Region diesen Ruf wieder erlangt. Bereits zum dritten Mal in Folge wurde sie von der italienischen Olivenöl-Bibel „Flos Olei“ zur besten Olivenölregion gekürt. Die Bemühungen Istriens haben sich also gelohnt. Noch vor zwanzig Jahren wurzelten hier keine hunderttausend Ölbäume, heute prägen eineinhalb Millionen das Landschaftsbild. Auch alte Terrassenplantagen und traditionelle Olivensorten wurden rekultiviert. Mit moderner Technik nutzen Istriens Olivenölproduzenten heute ihre Boden- und Klimavorteile und bieten beste Qualität.

Gute Öle findet man direkt bei den Erzeugern, aber auch in Supermärkten und Restaurants. In der urigen Konoba Cok in Novigrad beispielsweise beträufelt Chefkoch Sergio Jugovac den fangfrischen Fisch mit ein wenig goldenem Olivenöl vom Weingut Clai. Das deutsche Ehepaar Rudnik ist von dem Geschmack so begeistert, dass es sich am nächsten Morgen auf den Weg ins 20 Kilometer entfernte Krasica macht. Hier bewirtschaftet die Familie Clai nach alter Tradition acht Hektar Wein mit vorwiegend lokalen Rebsorten und drei Hektar mit Olivenbäumen. Verkostet wird mit Blick über die typische Hügellandschaft des istrischen Hinterlandes. Entlang der ausgeschilderten „Straße des Olivenöls“ fahren die Rudniks weiter in das mittelalterliche Bergstädtchen Buje. Inmitten sonniger Hügel gelegen ist der Ort auch ein Eldorado für Weinliebhaber. Schon der kaiserliche Hof in Wien soll Kutschen mit leeren Weinflaschen gesandt haben, die mit Muskateller befüllt zurück kamen.

Der gebürtige Ire Paul O‘Grady arbeitet bei Brist Olive in Vodnjan. Foto: Thomas Sbikowski

Zwei Dutzend Winzer haben sich rund um Buje angesiedelt, dazu zählt auch das Spitzenweingut Kabola. Bereits 1891 begann die Familie Markežić mit dem Anbau von Muskat-Trauben, heute ist das Weingut international für Orange Weine bekannt. „Wir waren die ersten in Kroatien, die Weine in Tonamphoren ausbauten“, erklärt Kristina Županić und schenkt den Rudniks den bernsteinfarbenen Malvazija Amphora ein. „Wir geben dem Malvazija in unseren acht Tonamphoren einen neuen Geschmack und lassen heute sogar den roten Teran einige Monate in der Amphore reifen.“ Wie auf vielen is­trischen Weingütern gedeihen auch bei Kabola Olivenbäume, und zum Abschluss der Weinprobe gibt es zwei kleine Plastikbecher mit gold-grünem Öl.