Foula, die Insel in Schottland in der nur etwa 30 Menschen leben.

Schottlands abgelegenstes Eiland Foula : Magie einer Insel

Foula ist Schottlands abgelegenstes, bewohntes Eiland. Etwa 30 Menschen leben auf der Shetland Insel.

„Das luxuriöse Kreuzfahrtschiff Oceanic lief im Herbst 1915 vor Foula auf Grund. Es gab keine Opfer, aber das Schiff war verloren.“ Billy Moore vom Scalloway Museum erzählt enthusiastisch über die historische Begebenheit, die das Eiland im Südwesten der Shetland Inseln in die Schlagzeilen brachte. „Im Einsatz als Versorgungsschiff der britischen Marine führten Differenzen zwischen dem zivilen und dem militärischen Kapitän zur Havarie.“ Die Gewässer zwischen Foula und Mainland Shetland sind gespickt mit Felsen und Untiefen, umtost von gewaltiger Brandung. „Binnen zwei Wochen war das Wrack verschwunden, aber nahezu in jedem Haus fanden sich später Objekte und Gegenstände, die nur von der Oceanic stammen konnten.“

Etwa 30 Menschen leben heute auf Foula, das selbst im 21. Jahrhundert schwer zu erreichen ist. Es gibt keinen befestigten Hafen, Boote müssen auf den Strand gezogen werden, um nicht verloren zu gehen. Die Passagierfähre hievt ein Kran an Land ins Trockene im Hafen von Ham. Im Jahr 1969 wurde ein Flugfeldes angelegt, welche eine bessere Versorgung Foulas gewährleistete. Dennoch kann auch hier das Wetter Probleme bereiten. Weht der Wind zu stark oder nur ungünstig, dann geht schlicht nichts mehr.

„Weihnachten und Neujahr feiern wir nach dem alten Julianischen Kalender, also 14 Tage später als üblich“, berichtet der Kapitän zur See a.D. Jim Raeter. „Man hat sich bei der Bestellung der Äcker stets an nordischen Festtagen orientiert und bis heute beibehalten. Eine exzentrische, aber liebenswerte Eigenart Foulas!“ Jim verbrachte seine Kindheit hier bis er auf die weiterführende Schule auf Shetland musste. Mit leuchtenden Augen erzählt er von unbeschwerten Zeiten. „Für uns Kinder war es das Paradies, eine eigene, beschützte Welt, in der wir tun und lassen konnten was wir wollten.“ Die spektakuläre Landschaft mit den zweithöchsten Klippen Großbritanniens barg und birgt so manche Gefahr. Wirft man von der Höhe beispielsweise einen Stein über die Klippenkante, dann dauert es mehr als zehn Sekunden bis er die Meeresoberfläche erreicht.

Dorothy Thomson war einige Jahre Grundschullehrerin auf Foula: „Die Arbeitswoche begann mit der Anreise am Montag früh und endete am Freitag mit dem Flug zurück. Manchmal kam ich zu spät, manchmal musste ich dort bleiben. Es kam vor, dass nur zwei oder drei Kinder im Unterricht waren.“ Die rüstige Mittachtzigerin lobt ihre damaligen Schützlinge insbesondere für das ausgeprägte Sozialverhalten. „Ich hatte immer das Gefühl Teil einer großen Familie zu sein.“

Die historische Begebenheit der Evakuierung von St. Kilda wurde 1936 im Dokumentarfilm „Island on the edge“ nachgestellt, gedreht auf Foula, das dem Hebridenarchipel ähnlich ist. „Sehen Sie der kleine Junge dort mit den kurzen Hosen?“ Bertie Gray grinst. „Das bin ich, vier Jahre alt, aber für eine Filmkarriere hat’s nicht gereicht! Und die Filmcrew durfte nach Drehende noch etwas länger bleiben – das Wetter, Sie wissen schon.“ Auch der Senior lebte in seiner Jugend auf Foula und kann die Insel von seinem Haus auf Mainland bei klarer Sicht am Horizont ausmachen. „Dann kommt schon Wehmut auf.“

Wie alle Familien betätigten sich die Grays als Crofter, als Kleinbauern mit kleinen Ackerparzellen. Verbesserte Transportmöglichkeiten sorgten für eine Optimierung der Versorgung mit Lebensmitteln. So verschwanden die Kühe, eine eigene, kleinere Rasse, Schafe traten an ihre Stelle und entwickelten ebenfalls eine eigene Spezies, die noch eigensinniger zu sein scheint als jene auf dem Festland. „Die bleiben stur auf dem Weg stehen und weichen keinen Millimeter!“ Die durch ihre bunte, filzig wirkende Wolle auffallenden Vierbeiner gelten als Ursprung der heutigen Shetland-Schafe. Mehr als 2000 finden sich davon auf Foula. Vögel stellen bei Weitem die größte Menge an Lebewesen – ornithologisch Interessierte wähnen sich in einem Dorado für See- und Meeresvögel. Insbesondere während der Zeit des Vogelzuges machen auch viele sehr seltene gefiederte Gäste hier Station.

Shetlandponys und Schafe machen einen Großteil der Inselbewohner aus. Auch zahlreiche Vögel leben auf der schottischen Insel. Foto: VisitScotland - Paul Tomkins

Die Vögel gaben Foula seinen Namen, abgeleitet aus dem Norwegischen „Fugløy“. Überhaupt ist die Nähe zum skandinavischen Sprach- und Kulturraum stets spürbar. Um 800 nach Christus kamen die ersten nordischen Siedler und blieben bis Ende des 16. Jahrhunderts. Die Ortsnamen behielten ihren nordischen Charakter, ebenso konnte „Old Norse“ die alte nordische Sprache lange überleben. Das eigentümliche Gemenge aus Natur und Kultur in Verbindung mit einem rauen Klima, das stets eine Überraschungen bereithält, macht den Besuch Foulas zu einem unvergesslichen Erlebnis in einer eigenen, abgeschlossenen Welt.

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