Die versteckten Orte Zyperns

Zypern : Mehr als Sonne und Strand

Touristen haben bei Zypern Sonne, Strand und gutes Essen vor Augen. Doch die Insel sei viel mehr, sagt der neue Tourismusminister Savvas Perdios.

Schaut man sich Werbepros­pekte von Mittelmeerländern an, ähneln sie sich häufig. Kinder planschen am Meer vor mehr oder weniger schicken Hotels im Hintergrund. Um sich im Wettbewerb hervorzuheben, muss ein Land auf Dinge verweisen, die es woanders nicht gibt. Mehr noch: Die Kombination mehrerer solcher Spezialitäten bringt den Kick. Genau das hat Savvas Perdios im Sinn, wenn er von einer „Neupositionierung“ der touristischen Strategie spricht: Zypern soll zu einer unverwechselbaren Marke werden.

Glaubt man dem neuen Tourismusminister der Insel, dann steckt da mehr dahinter, als nur neue Prospekte zu drucken. Dass es um einen kompletten Strategiewechsel geht, zeigt allein schon seine Funktion. Perdios, seit Jahresbeginn im Amt, ist der erste Tourismusminister des Landes. Diese Aufwertung des Sektors ermögliche Kooperationen auf einem neuen Level, sagt Perdios im Gespräch mit dieser Zeitung.

Eine Marke muss mit Inhalten gefüllt sein. Was macht denn nun Zypern so unverwechselbar? Der Minister nennt sechs zentrale Punkte, die die neue Marke bestimmen werden. Da sind zum einen die Qualitäten der Insel als solche: das ganze Jahr über natürliches Sonnenlicht und gute Luft, auch im Winter 20 Grad, wenig Straßenverkehr und kaum Schwerindustrie – die Insel hat nur 800.000 Einwohner. Das alles verbinde sich zu einem „climate of wellness“, einem Wohlfühlklima, und mache die Insel zu einem „place to live“, wo man also gerne lebt. „Dies alles fehlt den Menschen in Zentraleuropa“, sagt Perdios.

Er ist zudem überzeugt: „Menschen, die in diesem Umfeld leben, sind glücklicher“ – was zum zweiten Punkt führt: Zyprer seien warmherzig und sehr gastfreundlich. Zum Beleg führt der Minister eine Forbes-Studie an, nach der Zypern zu den 25 gastfreundlichsten Ländern der Welt gehört. Diese Vorteile spielt die Insel zudem als EU-Land aus mit allen Vorteilen der Gemeinschaft wie etwa Infrastruktur, Sicherheitsniveau, wenig Formalitäten oder einheitliches Roaming beim Telefonieren.

Dabei liegt Zypern im östlichen Mittelmeer und ist „das einzige Land, das in einer Stunde Flugzeit von drei Kontinenten erreichbar ist“. Damit benennt Perdios einen dritten Aspekt der Marke Zypern, der mehrere Vorteile beinhalte. So sind Tagesausflüge nach Ägypten, Israel oder Jordanien möglich. Aus dem Westen reisten bislang vor allem Familien und Best Ager an, aus dem Osten eher Jüngere. Daher müsse Zypern differenzierte Angebote machen, um den unterschiedlichen Touristensegmenten gerecht zu werden, sagt der Minister.

Lifestyle wird daher ebenfalls ein Element der Marke sein. Die Besucher sollen die „soft side“ des Landes kennenlernen, eben jene Elemente, die die Marke verkörpern. Dazu gehört auch – Punkt vier – die Größe der Insel: In einer Stunde gelange man vom Meer in die Berge und könne von einem Ort aus das ganze Land erkunden, betont Perdios. Zudem sprechen 80 Prozent der Menschen Englisch, „Sprache schafft Vertrauen“, benennt der Minister eine weitere Facette, die Teil der Marke sein soll.

Und schließlich: 11.000 Jahre Geschichte. Griechen, Perser, Römer, Ägypter, Osmanen, Venezianer, Briten und andere Völker haben ihre Spuren auf der Mittelmeerinsel hinterlassen. Wichtige Handelsrouten gingen über sie. „Das lehrte uns, offen zu sein für andere Nationalitäten, Kulturen und Religionen“, sagt Perdios. Die historische Vielfalt habe sich ausgewirkt auf Kultur, Gebräuche und Küche. „Das macht uns einzigartig.“

Ganz Stratege, betont der Minister die Bedeutung des Brandings, der Markenbildung: „Sie müssen eine Geschichte erzählen, die den Menschen im Kopf bleibt.“ Erst wenn die Marke definiert sei, gehe es um die Produkte. Die müsse jetzt die Tourismuswirtschaft liefern, zum Beispiel Pakete mit Hotel und Ausflügen in die Nachbarländer. Das Ministerium sei da mit den Reiseveranstaltern und anderen relevanten Akteuren im Gespräch. Zudem arbeitet Zypern mit Griechenland, Israel, Ägypten, Libanon und Jordanien zusammen, um gemeinsame Themen zu finden. Perdios denkt zum Beispiel an eine Paulus-Route auf den Spuren des Apostels.

Ein Ziel der neuen, auf die nächsten zehn Jahre angelegten Markenstrategie ist es zudem, den Wintertourismus zu fördern. Die Insel bietet ja dafür die Voraussetzungen. Für den Tourismus insgesamt, der etwa 20 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht, erhofft sich der Minister ein „nachhaltiges Wachstum“. Zurzeit besuchen jährlich rund vier Millionen Touristen die Insel. „Wir erwarten für 2030 etwa fünf Millionen“, sagt Perdios. Für den Wintertourismus strebe man einen Anteil von 40 Prozent an.

Savvas Perdios ist der neue Tourismusminister von Zypern. Foto: Louis Sinclair

Die Voraussetzungen zur Neupositionierung seien jetzt günstig, ist der Minister überzeugt. In den zurückliegenden zehn Jahren seien viele Hotels renoviert und in die Infrastruktur investiert worden. Zypern stellt das neue Branding nächstes Jahr im März offiziell in Deutschland vor.

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