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Das "Widder" in Zürich: Edle Schlichtheit in der Schweiz

Das "Widder" in Zürich : Edle Schlichtheit in der Schweiz

Wie schläft man, wenn pro Übernachtung 500 bis 1000 Euro fällig werden? Gute Gesundheit vorausgesetzt genau so, als wenn man einen Bruchteil solcher Summen bezahlen würde.

Wer mehr ausgibt, zahlt nicht fürs Schlafen, sondern für seine Umgebung beim Wachsein. Manche lieben den großen Auftritt im Grand Hotel. Andere tragen den Zobel lieber innen. Für sie ist das Hotel "Widder" in Zürich eine angemessene Adresse.

Kein Platz für eine große Vorfahrt. Kein freischwebender Baldachin als Blickfang. Keine gewaltige Fassade, die nach außen zeigt, dass im Inneren die große Welt zu Hause ist. Wer durch Zürichs Altstadt schlendert, könnte das "Widder" glatt übersehen.

In dieser Altstadt, die sich an den Hügeln rechts und links des Flusses Limmat hochzieht, sind die Fassaden der oft aus dem Mittelalter stammenden Häuser bis auf wenige Ausnahmen nicht marktschreierisch herausgeputzt. Dem Rahmen gediegenen Wohlstands passt sich das Hotel an.

Wer das Haus durch eine selbst öffnende Glastür betritt, blickt in eine Lobby mit vier Sesselchen. Wer am Tresen des Portiers vorbei ins Treppenhaus geht, wird überrascht: Aufzüge und Treppen aus viel Glas und wenig Stahl. Alles ist transparent. Dort wird das Prinzip des Hauses sichtbar: edle Schlichtheit.

Um das Treppenhaus herum liegen neun bis zu 700 Jahre alte, behutsam modernisierte Häuser mit Zimmern, Konferenzräumen, Sälen und Restaurants. Von außen ist das "Widder" hinter den alten Fassaden nicht als geschlossener Bau zu erkennen.

Auch im Innern wurde die alte Bausubstanz mit Ehrerbietung behandelt. Alte, manchmal bemalte Wände, blieben wie manche Deckenbalken und Steinfußböden erhalten. Zwischen einzelnen Häusern gibt es Brücken. Kleine Treppen gleichen Höhenunterschiede aus. Barrierefreiheit gehört nicht zu den vielen Vorzügen des Hauses.

42 Zimmer und sieben Suiten hat das Hotel, und nicht ein Raum gleicht dem anderen. Eins haben sie gemeinsam: Sie sind erlesen möbliert. Mit modernen Klassikern wie den Sesseln von Charles Eames, mit Sitzgruppen von Le Corbusier, Mies van der Rohe und Eileen Gray. Dazu moderne Bilder. In einem Penthouse mit Dachterrasse hängt ein Spätwerk von Robert Rauschenberg, das dieser nach einem Aufenthalt für das Hotel gemalt hat.

Überall gilt: Auf jedes Detail wurde geachtet, Altes und Neues ergänzen sich, nichts Schrilles beleidigt das Auge. Eine schöne Hülle also, in der erstklassiger Service geboten wird — auch in außergewöhnlichen Situationen. Als den Teilnehmern eines Fotoshootings das Fluggepäck abhandengekommen war, sorgte der Hotelservice dafür, dass eine Kleiderboutique sonntags öffnete. Die Küche des Hotels wird gerühmt, die Weinvorräte sind beachtlich, und die Bar, die auch von vielen Zürichern besucht wird, hält 250 Sorten Whisky bereit. Kein Wunder also, dass Hotelchef Jan E. Brucker nicht nur für sein Haus spricht, sondern auch für die Organisation Schweizer First-Class-Hotels.

Eigentümer des "Widder" ist die Schweizer Großbank UBS. Vor gut 25 Jahren, als Zürichs Altstadt zu vergammeln drohte, kaufte sie die Häuser um das alte Zunfthaus der Metzger, die den Widder als Zunftzeichen geführt hatten. Zehn Jahre wurde geplant und gebaut. Seit seiner Eröffnung 1995 ist das "Widder" ein Beweis dafür, wie Tradition lebendig gehalten wird.

Widder Hotel, Rennweg 7, CH-8001 Zürich, Tel.++41 44 224 2526, E-Mail : Home@Widderhotel.ch, Zimmer pro Nacht umgerechnet ca. 455 bis 1600 Euro.

(RP/chk/das/felt)