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Urlaub für Individualisten und Knobelfreunde: Das freakigste Hostel auf den Philippinen

Urlaub für Individualisten und Knobelfreunde : Das freakigste Hostel auf den Philippinen

Glasklares Wasser und strahlend blauen Himmel findet man auf Negros, der größten philippinischen Isayas-Insel. Soweit das bekannte Szenario. In einem heimlichen Idyll nahe des schönen Strandabschnitts Sugar Beach wird es aber richtig bunt: Kein Zimmer ist wie das andere im abgedrehtesten Hostel der Philippinen.

Hier ist Intuition gefragt, denn einen herkömmlichen Lichtschalter sucht man in den neun Gästezimmern des außergewöhnlichen Hostels vergeblich. Im Zimmer "Mad Mix" wird es erst hell, wenn man auf eine der Frauenbrüste drückt, die sich quietschgelb aus dem Torso neben dem Bett hervorwölben. Mal ist es der Knopf einer Bohrmaschine, die in die Wand integriert ist, mal der Schalter eines Damenrasierers, über den Licht ins Dunkle kommt.

Die Suche nach dem Licht

Karl-Heinz Kalitta, der das Hostel betreibt, hat seine Freude daran, die mit dem Boot gestrandeten Gäste erst einmal ins Ungewisse zu schicken. Mancher kehrt um und versucht an der Rezeption doch einen Hinweis für die Bedienung alltäglicher technischer Einrichtungen zu bekommen. Darauf muss man sich einlassen können: auszuprobieren und um die Ecke zu denken. Die Individualisten, die es hierher lockt, schwärmen über den Einfallsreichtum und die besondere Ausstattung der Zimmer. An diesem Fleckchen ist nichts aus einem Guss. Alte Toilettendeckel, eine defekte Computertastatur, über deren "L"-Taste übrigens Licht ins Zimmer kommt, oder Deorollerkugeln — solche Gegenstände fanden hier eine neue Verwendung. Alle Gästezimmer und Bungalows haben ihren eigenen Charme und sind nach einem anderen Motto gestaltet. Und: Der Lichtschalter sieht wirklich überall anders aus.

Im Zimmer Bongo Bongo, ragt ein riesiger modellierter Elefantenkopf aus der Wand. Seefahrerromantik kommt im Raum "Treasure" auf, blickt man auf die Gaslaternchen und den Mast am Bett. Auf dem Balkon sitzt der Entspannungswillige auf einem echten Boot, das in die Wandfläche eingearbeitet wurde. Wenn das dem eigenen Geschmack nicht entspricht, bleibt noch genügend Auswahl: Im Urzeitzimmer "Cave" kann man das Toilettenpapier von einem angeblich echten Mammutknochen abwickeln und in "Rockadelic" unter E-Gitarren und Goldenen Schallplatten schlafen. Der Bettsockel besteht aus tausenden von CDs. Im knallpinken Cadillac bettet sich der zur Ruhe, der "Superstar" bucht.

Abenteuerliche Anreise zum ungewöhnlichen Hostel

Die Besucher schätzen das Hostel für seine familiäre Atmosphäre, die man auch daran bemerken kann, dass mancher noch lange nach der Reise von "Kalle" und "Cathy" schwärmt und sich in Online-Foren für den guten Transferservice und die Einzigartigkeit bedankt, mit der Karl-Heinz Kalitta und seine Frau Catherine die lustige Unterkunft führen. Vieles geht an diesem wundersamen Ort anders ab: Schon die Anreise ist mindestens ebenso untypisch wie die Takatuka-Lodge. Mit einem Paddelboot nur kommt man hierher. Vorweg gilt es eine mehrstündige Busfahrt von den Flughafenstädten Bacolod oder Dumaguete aus bis nach Siplalay zu bestehen. Dort heißt es Umsteigen in eine Motorrad-Riksha, um bis zum Boot zu gelangen. Nach der 20-minütigen Überfahrt geht die Reise nur noch per pedes weiter entlang einer Klippe und durch ein Stück Dschungel.

All Inklusive-Urlauber mögen beim Gedanken daran die Augen verdrehen, doch die ungewöhnliche Reise an dieses unberührte Fleckchen Erde ist das erste Abenteuer auf der Reise zum "Sugar Beach". Nach der physischen Ankunft lassen die beiden Schweizer Hostelbetreiber ihre Gäste erst einmal mit dem Kopf ankommen. Sie haben Zeit, ihr Zimmer zu beziehen und sich dort staunend umzusehen, bevor sie vielleicht beim Abendessen den üblichen Meldezettel mit den persönlichen Daten bekrakeln.

Bunt und angenehm — auch die Unternehmungen

Alles so bunt zu gestalten wie der Name Takatuka-Lodge schon vermuten lässt, war nicht gleich die Idee der beiden. Die Farbe kam aus der Sorge heraus ins Spiel, der viele Beton, der im Haus verarbeitet wurde, könne zu kühl wirken. Damit war das übergreifende Motto der nun schon seit zehn Jahren bestehenden Takatuka Lodge geboren: bunt, nein eigentlich kunterbunt. Trotz der durchgängigen Selfmade-Linie wurden aber Annehmlichkeiten wie Klimaanlagen, Ventilatoren oder Safe nicht vergessen.

Das krasse Kontrastprogramm finden die Urlauber des Takatuka-Resorts vor den Türen der schrillen Bleibe. Der schönste Sandstrand und unglaublich blaues Wasser bringen Inselfeeling pur. Den passenden Cocktail zur Kulisse bekommt man an der eigenen Strandterrasse. Danach heißt es ab in die Hängematte. Die Füße vertreten kann man sich locker bei unendlich langen Spaziergängen am Wasser, geführten Höhlenbesichtigungen oder einem Besuch an erfrischenden Wasserfällen.

Wem draußen Buntes fehlt, der kann an einem von mehr als 30 Tauchplätzen aus in die farbige Unterwasserwelt starten, durch Korallengärten gleiten, Steilwände im tiefen Nass besichtigen oder eines von drei versunkenen Schiffen erkunden. Schillernd bunt ist es hier auch. Nur eines sucht man hier vergeblich — den Lichtschalter.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Takatuka-Hostel auf Negros

(wat)