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Neues Publikum gesucht: Center Parcs setzen auf Luxus

Neues Publikum gesucht : Center Parcs setzen auf Luxus

Eigentlich ist das Wesen der Ende der 60er Jahre in den Niederlanden erfundenen Center Parcs ja schnell erklärt: Man nehme eine erkleckliche Anzahl von eher schlicht errichteten Bungalows und lege rund um einen See ein Feriendorf unter Bäumen an. Dann noch ein Spaßbad in die Mitte, dazu eine Einkaufs- und Restaurant-Meile und allerlei Sport- und Spielaktivitäten. Das Ganze ist sehr beliebt bei Familien und galt lange als betont volkstümliche Veranstaltung.

Nun begab es sich aber, dass Center Parcs vor gut zehn Jahren von der französischen Pierre-et-Vacances-Gruppe übernommen wurde. Und seither wird das holländische Konzept behutsam, aber bestimmt auf Luxus getrimmt. Der letzte Versuch in diese Richtung ist jetzt im Center Parc De Eemhof zu besichtigen.

Die 65 Hektar große, auf einem Polder errichtete Anlage wurde 1980 eröffnet und gehört zu den größten unter den rund 20 Center Parcs in Europa. Die Lage direkt am Wasser war wohl mit ein Grund, gerade hier einen als schicke Marina gestalteten Ferienkomplex aus dem Boden zu stampfen.

Die Anlage befindet sich am Rande des eigentlichen Ferienparks hinter dem Deich neben dem Jachthafen De Eemhof und bietet geräumige Appartements sowie Liegeplätze für Boote. Das malerische Hafenstädtchen Port Grimaud an der Côte d'Azur diente angeblich als Vorbild — französisch eben.

Mit der Aussicht auf "mediterranes Flair" wollen die Betreiber nun offenbar auch ein Publikum locken, das sich bisher nicht so recht für Center Parcs begeistern konnte. Zwar muss man angesichts der bis zum Horizont auf den Deich gepflanzten Windräder schon einiges an Fantasie aufwenden, um sich an der französischen Riviera zu wähnen. Aber ansonsten haben sich die Center-Parcs-Architekten beim Bau der Marina ganz schön ins Zeug gelegt, um einen Hauch von Mittelmeer zu erzeugen. Insgesamt 100 Appartements mit Balkon oder Terrasse für vier, sechs, acht oder zwölf Personen verteilen sich auf zwei gefällig gestaltete Gebäudekomplexe. Parallel zum Deich und zum alten Jachthafen rahmen sie das neue Hafenbecken L-förmig ein.

Ab April 2012 sollen hier dann bis zu 300 Jachten der gehobenen Preisklasse vertäut werden, passend zur erhofften Exklusivität der Promenade, die am Wasser entlang führt. Bis dahin soll auch ein neuer Strand angelegt sein, von dem aus allerlei Wassersportaktivitäten organisiert werden können. Im Angebot sind Kurse im Katamaran-Segeln, Kanufahren, Surfen, Wakeboarden und Wasserski. Segelboote, Kanus und Tretboote können auch individuell gemietet werden.

Bereits fertiggestellt sind die Ferienwohnungen (71 bis 162 Quadratmeter groß), die einen freien Blick aufs Wasser erlauben. Bei der Einrichtung haben die Innendesigner auf eine sehr gelungene Mischung aus holländisch-solide und südlich-schick gesetzt: hohe Decken, helle Wände, geschmackvolle Korbmöbel. Alle Appartements haben mindestens ein Bad mit Regendusche, Sauna und Badewanne, die sich auf Knopfdruck auch als Behelfs-Whirlpool nutzen lässt. Die offene Küche ist komplett ausgestattet mit vierflammigem Gasherd, Mikrowelle und den üblichen Gerätschaften, was — im Gegensatz zu vielen anderen Ferienwohnungen — die problemlose Zubereitung kompletter Mahlzeiten erlaubt.

Wer keine Lust hat, selber zu brutzeln, der kann sich auch im funkelnagelneuen (das ist angesichts von viel sichtbarem Edelstahl ganz wörtlich zu nehmen) Restaurant "Zuiderzoet" verköstigen lassen. Die dort zelebrierte Brasserie-Küche ist leicht, die Qualität der Gerichte sehr gut, für holländische Maßstäbe sogar exzellent. Dafür sind die Preise gesalzener als in den anderen Themenrestaurants des Center Parcs, wo man sich ohne falsche Scham auf Fast Food konzentriert.

Wer eines der neuen Prestige-Appartements am Jachthafen mietet, darf natürlich auch die übrigen Einrichtungen des Parks nutzen, darunter vor allem das Erlebnisbad "Aqua Mundo", dem mit dem "Turbo Twister" gerade die längste Wasserrutsche Europas spendiert wurde. Der Eintritt ins Schwimmbad ist bei einem Besuch des Center Parcs inbegriffen. Für alle anderen Aktivitäten muss dagegen extra bezahlt werden, was manchmal ein wenig knickerig wirkt: Sogar für das Entleihen von Tischtennisschlägern werden fünf Euro pro Stunde fällig. Für Eltern mit Kindern kann das nervenaufreibend (und teuer) werden. Die gerade von deutschen Kunden nachgefragten All-Inclusive-Pakete wird es aber bei Center Parcs auch in Zukunft nicht geben.

Weil die Jahrzehnte an der Anlage in De Eemhof nicht gerade spurlos vorbeigegangen sind, wurde auch das Interieur der insgesamt 651 Bungalows gründlich aufgemöbelt. Besonderer Wert wurde dabei auf moderne Bäder und eine funktionale Küchenzeile gelegt. Das Ganze wirkt frisch und durchaus gelungen. Wunder konnten die Innenarchitekten in den 30 Jahre alten Bauten indes nicht vollbringen: Verglichen mit den großzügigen neuen Appartements am Wasser wirken die in die Vegetation gewürfelten Unterkünfte trotz aller Bemühungen eher beengt. Bei der Buchung im Center Parc De Eemhof muss man sich künftig zwischen zwei Welten entscheiden: Reihenhaus oder Riviera.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Center Parcs- Anlagen

(RP/chk/pst)