Maya Bay: Thailändische Bucht bekommt Pause vom Massentourismus

Maya Bay: Thailändische Bucht bekommt Pause vom Massentourismus

Von Schnellbooten aufgewirbelter Sand hat die Korallen in Maya Bay reduziert. Dass die berühmte Touristenattraktion für vier Monate jedes Jahr geschlossen werden soll, ist Teil einer globalen Umbesinnung.

Maya Bay war einmal eine unberührte Bucht in Thailand und wurde durch einen Film mit Leonardo DiCaprio berühmt. Die Naturschönheit zog zuletzt Tausende Besucher täglich an, die vergeblich hofften, einen ungetrübten Blick auf die smaragdgrünen Gewässer und den glitzernden weißen Sand zu bekommen. Ab Freitag wird die Attraktion für vier Monate geschlossen, um den Korallenriffen und dem anderen Meeresleben die Chance zu geben, sich zu erholen. Der Massentourismus hat der Bucht geschadet.

Thailand hat jahrtzehntelang einen uneingeschränkten Tourismus gefördert. Der Ansturm auf Maya Bay auf der Insel Phi Phi Leh hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Behörden sagen, sie wollten versuchen, für eine Balance zwischen Profit und Naturschutz zu sorgen. Die Bucht soll jedes Jahr geschlossen werden.

Weltweit ist eine Umbesinnung zum Thema uneingeschränkter Tourismus zu beobachten, der zwar viel Geld einbringt, aber historische Stätten und die Umwelt beschädigt. Neulich fingen die Philippinen damit an, die beliebte Insel Boracay für sechs Monate zuzumachen. Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat die Gewässer der Insel als Kloake beschrieben. Die italienische Lagunenstadt Venedig richtete während einer viertägigen Feiertagszeit im April Tore an zwei Brücken ein, damit Besucher zurückgewiesen werden konnten, wenn der Ansturm zu groß wurde.

Thailand wurde im vergangenen Jahr von etwa 35 Millionen internationalen Besuchern aufgesucht. Das war ein Anstieg um das Fünffache innerhalb von etwas mehr als zwei Jahrzehnten.

Viele der Meeresnationalparks von Thailand sind während der Monsun-Regenzeit von Mitte Mai bis Mitte Oktober zu. Maya Bay hat aber wegen seiner Beliebtheit seit knapp 20 Jahren keine Pause mehr bekommen. 1999 war eine Hollywood-Filmcrew mit dem Sand von Maya Bay in Kontakt gekommen, um den düsteren Backpacker-Film „The Beach“ basierend auf einem Roman von Alex Garland zu drehen. Einer der Hauptdarsteller war DiCaprio.

Die Korallen der Bucht sind durch Sand und anderes Material reduziert worden, das durch Schnellboote aufgewirbelt wird. „Ich versuchte viele, viele Jahre, diese Kampagne voranzubringen, aber wissen Sie, in Thailand sind wir ein Tourismusindustrie-Land und wir brauchen viel Geld, also haben vorher nicht so vielen Menschen zugehört“, sagte der Meeresbiologe Thon Thamrongnawasawat, der einem Regierungskomitee zu Entwicklung und Umwelt angehört. „Es hätte vor zehn Jahren getan werden sollen, aber zumindest ist es getan worden.“

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Shi Pengfei konnte Maya Bay als einer der letzten Touristen besuchen, bevor sie zugemacht wird. Er habe keine Ahnung gehabt, dass so viele Menschen an dem Strand sein würden, sagte der Besucher aus China. „Der Plan der Regierung, den Strand für einige Monate abzuriegeln, ist nur normal, weil der Ozean eine Pause braucht, eine Chance, sich zu erholen, damit die nächste Generation ein besseres und sogar noch schöneres Reiseziel haben kann.“

Der Chef des Verbands für Touristenunternehmen von Phi Phi, Watrapol Jantharo, sagte, er sei überrascht gewesen, als die Sperrung im März von der thailändischen Behörde für Nationalparks bekanntgegeben worden sei. Bewohner hätten den Eindruck gehabt, dass Maya Bay nur für Boote geschlossen würde, während Besucher weiter von der anderen Seite der Insel zur Bucht laufen könnten, sagte er. „Wir sind nicht dagegen, unsere Umwelt zu schützen. Wir wissen sehr gut, dass Maya Bay unsere wichtige Ressource ist, wie ein Reisfeld für einen Bauern“, teilte er mit. Doch hätte man sich eine bessere Kommunikation über das Vorhaben der Regierung gewünscht.

Thon sagte, der Plan sei drei Jahre lang mit Einheimischen besprochen worden, bevor die Entscheidung getroffen worden sei. Besucher aus dem Ausland seien „sehr wichtig für unser Land, aber das Wichtigste ist unsere nationale Ressource. Wir müssen sie erhalten und der nächsten Generation übergeben“, sagte Thon.

Wenn die Bucht wieder geöffnet wird, dürfen nach dem Beschluss der Regierung täglich maximal 2000 Touristen dort hin. Das ist etwa die Hälfte der derzeitigen Zahl. Boote dürfen nicht mehr dort ankern, sondern müssen auf der gegenüberliegenden Seite der Insel anlegen.

Der thailändische Einsatz zum Schutz bestimmter Inseln hatte vor etwa drei Jahren unter der derzeitigen Militärjunta begonnen. Yoong Island und Tachai Island sind seit Mitte 2016 für Touristen nicht zugänglich. Thon, der vor kurzem beide Inseln begutachtete, sagte, er sei erstaunt über die Resultate. Gewässer, in denen einst Fische fehlten, seien nun voll davon. Es gebe rund 10 000 Quadratmeter wiederhergestellter Korallen vor einer der Inseln. „Wir sind uns fast sicher, dass etwas Gutes in Maya Bay passieren wird“, sagte Thon.

„Jetzt, wo die Regierung diesen Plan hat, können wir ihn nicht ändern“, sagte Watrapol. „Aber wir könnten diese Gelegenheit nutzen, um der Welt zu sagen, dass wir nicht nur Maya Bay haben. Es gibt zehn andere schöne Strände und Inseln in der Gegend, die Touristen genießen können.“

(dpa/ham)