Okavango Delta in Botswana: Infos rund um das beliebte Reiseziel in Afrika

Eine Reise ins Okavango Delta : Natur im Überfluss

Das Mündungsgebiet des Okavangos gilt als Tierparadies schlechthin. Das größte Binnendelta der Erde liegt in Botswana. Wir nehmen Sie mit auf eine Reise ins tierreiche Delta im südlichen Afrika.

Gabi Dlask streckt ihre rechte Hand nach dem Frosch aus. Er ist winzig, kaum größer als ein Fingernagel, und will offenbar auf den Zeigefinger der Frau klettern. Doch dann entscheidet sich das Tier anders, es hüpft von dem langen Grashalm, den es mit seinen filigranen Füßen umklammert hat, ins Wasser. "Schade", sagt Gabi Dlask, lächelt dabei aber und lehnt sich entspannt in dem Mokoro zurück. Vor ihr sitzt eine Kollegin, hinter ihr steht Paul. Der Afrikaner schiebt den Einbaum mithilfe eines langen Holzstabes durch den flachen Sumpf.

Das schmale Boot gleitet durch eine der beeindruckendsten Wasserlandschaften der Welt - das tierreichste Feuchtgebiet Afrikas. Ein Fluss, der ins Landesinnere fließt und dort versickert – wo gibt es das schon? Eine unberührte Natur – wo ist sie noch in dieser Ursprünglichkeit vorhanden? Der Fluss Okavango hat hier, im Nordwesten Bots­wanas, ein riesiges Binnendelta geschaffen. Mit unzähligen Flussläufen, weitläufigen Feuchtgebieten, ausgedehnten Savannen. Der Name des Unesco-Welterbes steht für einen Lebensraum mit unglaublicher Artenvielfalt. Bis heute gilt das Mündungsgebiet des Okavango in Botswana als Tierparadies schlechthin. Fast die gesamte Fauna des südlichen Afrikas ist hier vertreten, darunter bedrohte Spezies wie Geparden, Nashörner und Wildhunde. Der Mensch dagegen spielt kaum eine Rolle. "Wer ins Delta reist, erlebt extreme Abgeschiedenheit", weiß Dlask.

Die Flut bestimmt den Rhythmus

Der Fluss entspringt im Hochland von Angola und fließt von dort aus nicht zum Meer, sondern nach Südosten und damit ins Innere des afrikanischen Kontinents. Nach rund 1.700 Kilometern verschwindet der Okavango in Botswana im Wüstensand, teilt sich aber zuvor noch in zahllose Arme und überschwemmt eine Fläche von der Größe Schleswig-Holsteins. Das Delta steht jedoch nicht immer unter Wasser. Im Gegenteil: Große Teile trocknen sogar komplett aus. Der Fluss Okavango flutet nur die Papyrussümpfe im Westen ganzjährig. Im Osten aber entstehen für einige Monate tausende Inseln, übrig bleiben nur ein paar schmale Kanäle und Seen. Der Wasserstand ist im Mai, Juni und Juli, in den Monaten nach der Regenzeit in Angola und Botswana, am höchsten; im Dezember und Januar weist das Delta die kleinste Ausdehnung auf.

Keine Flut gleicht der vorherigen oder der nächsten. Doch sobald das Wasser ins Delta kommt, kommen auch die Tiere. Und mit ihnen allmählich die Touristen in den Süden Afrikas. Der Juli, August und September sind eine beliebte Reisezeit, weil riesige Herden durch das Okavango-Delta ziehen. Büffel, Elefanten und Zebras. Aber auch andere Monate haben ihren Reiz. Im Spätjahr verzücken Antilopenbabys Besucher; der afrikanische Sommer begeistert Vogelfreunde, da zum Beispiel ausschwärmende Termiten Adler anlocken. Und nicht zu vergessen: Viele Tiere bleiben in der Region, in den Papyrussümpfen etwa leben das ganze Jahr über Nilpferde und Krokodile, und durch die Savanne streifen Löwen.

"Insider wählen den November", verrät Carsten Pesselt. Es ist nachts nicht so unangenehm kalt wie im August, der Regen kündigt sich erst an. Und trotz des schwindenden Wassers bietet das Okavango-Delta noch "tolle Safari-Erlebnisse", betont der Afrika-Experte.

Nachhaltiger Tourismus

Wer das Land im südlichen Afrika besucht, muss bereit sein, sich den Urlaub dort etwas kosten zu lassen. Schnell addiert sich die Summe für einen einwöchigen Aufenthalt im Okavango Delta in Botswana auf 6.000 bis 8.000 Euro. Botswana setzt auf nachhaltigen Tourismus. Das Credo heißt: Weniger ist mehr. Statt Besuchermassen will das Land ein eher zahlungskräftiges Publikum ansprechen. Mit dem Ziel, die empfindliche Natur nicht negativ zu beeinflussen, sondern wie etwa im Delta ein intaktes Ökosystem zu erhalten.

Ein Drittel der Region steht seit 1963 unter Naturschutz und gehört zum Moremi-Tierreservat. Aber auch im Rest des Deltas ist die Bewahrung von Landschaft sowie Flora und Fauna das obers­te Gebot. Der Ernennung des Mündungsgebiets zum Unesco-Welterbe im Jahr 2014 folgte die Einstellung des Bergbaus auch in den Randgebieten des Okavango Deltas. Und mit Tourismus- und Umweltminister Tshekedi Khama hat Botswanas Natur einen engagierten Anwalt. Er hat unter anderem der Wilderei den Kampf angesagt und die Jagd komplett verboten.

Der Naturschutzgedanke prägt die touristische Infrastruktur. Die Zahl der Unterkünfte im Okavango Delta ist limitiert. In dem riesigen Gebiet gibt es lediglich rund 50 Lodges. Ihre Betreiber müssen sich an strenge Regeln halten. Sie dürfen höchstens zwölf Zimmer anbieten, müssen die Camps in die Landschaft integrieren und dürfen als Baumaterial nur Holz und Zeltplanen verwenden – damit das Ganze jederzeit problemlos wieder zerlegt werden kann. Zudem sollten ökologi­sches und soziales Engagement zur Firmenphilosophie gehören.

Engagement für die Natur

Junge Hyänen beschnuppern neugierig die Reifen des Allradwagens. Obonye Kamela hat das offene Fahrzeug in der Nähe ihres Baus geparkt. Die Kleinen spielen, die Mutter schläft unterdessen und nimmt von den Menschen offenbar keine Notiz. Safari auf Chief's Island, einer Insel im Moremi-Wildreservat. Kamela ist mit Gästen des Mombo-Camps unterwegs. Die vier Frauen und Männer fotografieren auf der Safari Giraffen, halten Ausschau nach einem Leoparden, verfolgen gebannt die Wageninspektion der vorwitzigen Hyänen. Und können ihr Glück nicht fassen, als plötzlich mehrere Breitmaulnashörner vor ihnen stehen.

Wilderness Safaris hat auf Chief's Island ein 45.000 Hektar großes Gebiet gepachtet, dort die zwei Luxus-Camps Mombo sowie Little Mombo errichtet und hohe Summen in den Naturschutz investiert. Dank des Unternehmens gibt es wieder Nashörner im ­Okavango Delta. Im November 2000 wurde das erste Tier begrüßt, inzwischen leben fast 100 Nashörner hier. Darunter auch Artgenossen aus Südafrika. Denn Botswana geht ­konsequenter gegen Wilderer vor als der Nachbar im Süden und schickt sogar Soldaten auf Patrouille.

Eine Garantie, die Schwergewichter zu sehen, gibt es nicht. Doch die Chance besteht durchaus. Zweimal am Tag brechen Kamela und seine Kollegen mit den Mombo-Gästen zu Pirschfahrten oder kurzen Wanderungen auf. Früh morgens, bevor die Sonne aufgeht, und am späten Nachmittag – wie überall im Busch.

Das Mombo-Camp und die benachbarte kleine Schwester zählen zu den teuersten Lodges Afrikas. Die insgesamt 24 Gäste nächtigen in zwölf großen, edel eingerichteten Zelt-Suiten; 60 Personen sind hier beschäftigt, Guides, Zimmermädchen, Köche und Handwerker. Doch nicht dies allein ist für den Tagespreis – er beinhaltet Übernachtung, Vollpension und Safaris – von 1.500 bis 2.400 Euro verantwortlich. Das Bieten eines exklusiven Erlebnisses, das Engagement im Naturschutz, all das kostet viel Geld. "Solche Camps zu unterhalten, ist zudem sehr teuer", sagt Wilderness-COO Grant Woodrow. Sie befinden sich mitten im Busch, weit entfernt von der Zivilisation. Keine Straße führt hierhin; jede Schraube, jeder Apfel muss mit einer kleinen Propellermaschine eingeflogen werden. Und auch jeder Urlauber.

Fliegen statt Fahren

Die sogenannten Buschflieger sind ein gängiges Transportmittel im Wildschutzgebiet. Die meisten Besucher buchen sie, um von Camp zu Camp zu gelangen. Denn auf dem Landweg sind diese in der Regel nicht erreichbar. Es existieren so gut wie keine Straßen, die das Okavango Delta mit der Außenwelt verbinden. Nur ins Moremi-Tierreservat zweigen zwei unbefestigte Wege ab.

Selbstfahrer nutzen diese Pisten. Doch wer nicht fit am Steuer eines Allradwagens ist, dem rät Brett McDonald davon ab, auf eigene Faust das Naturschutzgebiet zu entdecken. Auch aus einem zweiten Grund: "Die meisten Selbstfahrer sind mehr damit beschäftigt, den Weg zu finden, als nach Tieren Ausschau zu halten", weiß der Chef des afrikanischen Botswana-Spezialisten Flame of Africa.

Mehrtägige Bootstouren

Im Moremi-Tierreservat befinden sich die einzigen Cam­pingplätze des Okavango Deltas. Im Zelt zu übernachten – dazu entschließen sich jedoch nicht nur Selbstfahrer. Geführte Rundreisen enthalten oftmals mehrtägige Bootsfahrten durch die Sümpfe. Mit dem Mokoro – die traditionellen Einbäume sind heute nicht mehr aus Holz, sondern aus Fiberglas – entdecken die Teilnehmer das Naturparadies Okavango Delta. Auf einer der vielen kleinen Inseln werden dann Zelte als Nachtquartier sowie eine provisorische Küche aufgebaut.

Die Touren gelten als erschwinglichere Alternative zum Aufenthalt in einer Lodge. Sie eignen sich allerdings nur für Urlauber, die für ein paar Tage auf Komfort verzichten können. So sind beispielsweise nächtliche Toilettengänge wegen der wilden Tiere tabu. Und man sollte nicht allzu schreckhaft sein. Dass ein Nilpferd oder ein Elefant vorbeischauen, kann durchaus mal passieren.

Froschkonzert

Gabi Dlask sitzt am Lagerfeuer der Xugana Island Lodge und lauscht in die Nacht. "Man braucht hier keine Musik", sagt sie. Fasziniert hört sie dem Konzert zu, das gerade die kleinen Frösche geben. Die Winzlinge, so scheint es, spielen Xylophon. Sie geben bei Dunkelheit in der Wasserlandschaft den Ton an. Erst am Morgen lösen Vögel die Frösche ab und läuten mit ihrem fröhlichen Gesang den Tag ein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Auf Safari durch das Okavango-Delta in Botswana

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