Saison endet am 31. Mai Hunderte wollen noch in letzter Minute auf den Mount Everest

Kathmandu · Obwohl aus dem Basislager zahlreiche Corona-Infektionen gemeldet worden sind, gehen die Expeditionen auf das Dach der Welt weiter. Denn den Gipfelstürmern bleiben nur noch wenige Stunden, um ihr Ziel zu erreichen - die Saison endet mit dem Mai.

 Bergsteiger klettern auf einem Pfad knapp unterhalb von Lager vier am Everest (Archivbild).

Bergsteiger klettern auf einem Pfad knapp unterhalb von Lager vier am Everest (Archivbild).

Foto: dpa/Rizza Alee

Die ehrgeizigen Bergsteiger am Mount Everest lassen sich vom Coronavirus nicht abschrecken. Ein Jahr nach der ausgefallenen Saison streben Hunderte auf den höchsten Gipfel der Erde. Ihnen bleiben nur noch wenige Stunden, um ihr Ziel zu erreichen, denn die Saison endet mit dem Mai.

Drei Expeditionsteams brachen in diesem Monat ihren Aufstieg ab, nachdem Hunderte Menschen im Basislager erkrankt sein sollen. Die anderen 41 Teams beschlossen dagegen, mit Hunderten Kunden und ihren Bergführern den Aufstieg zum Gipfel in 8849 Meter Höhe zu wagen.

„Auch wenn das Coronavirus das Everest-Basislager erreicht hat, hat es doch keine großen Auswirkungen“, erklärt Mingma Sherpa von Seven Summit Treks, dem größten Anbieter am Everest. „Niemand ist ernsthaft an Covid erkrankt oder gestorben, wie es in Gerüchten hieß.“ Mit 122 Kunden in zehn Teams habe das Unternehmen die größte Gruppe auf den Berg geführt, aber es habe keine ernsthaften Erkrankungen gegeben.

Mount Everest – wunderschön und gefährlich
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Foto: afp, pm/fk/RC

Die nepalesischen Behörden sprechen lieber nicht über Berichte von Corona-Infektionen auf dem Mount Everest und spielen das Problem herunter. Offenbar ist die Sorge groß, im Basislager Chaos und Unsicherheit auszulösen. Nach der ausgefallenen Saison im vergangenen Jahr und den entsprechend fehlenden Einnahmen war Nepal dringend darauf angewiesen, 2021 wieder Geld mit dem Bergtourismus zu verdienen.

„Viele Menschen haben es ins Basislager geschafft und es ist möglich, dass Menschen, die dort hinaufgingen, infiziert waren“, sagte Ministerpräsident Khadga Prasad Oli. „Aber das bedeutet nicht, dass es (das Coronavirus) den gesamten Berg erreicht hat, vielleicht Teile des Basislagers oder Gegenden unterhalb davon.“

In April war ein Bergsteiger aus Norwegen der erste, der im Basislager positiv auf das Virus getestet wurde. Er wurde mit dem Hubschrauber in die Hauptstadt Kathmandu geflogen, wo er behandelt wurde, und kehrte danach nach Hause zurück.

Der österreichische Expeditionsveranstalter und Extremsportler Lukas Furtenbach brach in diesem Monat wegen eines Corona-Ausbruchs unter den Team-Mitgliedern eine Expedition ab und holte seine Kunden vom Berg. Nach seiner Rückkehr schätzte er, dass mehr als 100 Bergsteiger und Helfer infiziert waren. Es wisse von so vielen Fällen, weil er die Erkranken gesehen und das Husten aus den Zelten gehört habe, erklärte er vergangene Woche in einem Interview.

Piloten, Ärzte, Expeditionsführer und Versicherungen hätten die Infektionen bestätigt, sagte Furtenbach der Nachrichtenagentur AP. Und er habe positive Tests vorliegen, die das beweisen könnten.

China stoppte in der vergangenen Woche alle Aufstiege von seiner Seite auf den Everest. Grund waren Befürchtungen, das Virus könnte von Nepal ins Land eingeschleppt werden. Die Klettersaison in Nepal war überschattet von einem rasanten Anstieg der Neuinfektionen im Land.

Auch für den Veranstalter Mountain Trip mit Sitz in Telluride in Colorado war das ein Grund, seine geplanten Aufstiege abzusagen. „Das ist eine schwierige Entscheidung angesichts all der Arbeit, der Jahre der Vorbereitung, der Opfer und Ressourcen, die in die Expedition geflossen sind“, erklärte das Unternehmen. „Aber es ist aus Sicht des Risikomanagements die einzig vernünftige Entscheidung.“ Sechs Sherpas von Mountain Trip seien mit Symptomen von Covid-19 nach Kathmandu gebracht worden.

In dieser Saison stellten die Behörden insgesamt 408 Ausländern Genehmigungen für den Aufstieg auf den Mount Everest aus. Sie werden unterstützt von mehreren hundert Sherpas und weiteren Helfern, die seit April im Basislager stationiert sind.

Seit der Mount Everest am 29. Mai 1953 erstmals bezwungen wurde, haben Tausende Menschen den Gipfel erreicht, viele nepalesische Bergführer sogar mehrfach. Der erfahrene Sherpa Kami Rita schaffte das in diesem Monat zum 25. Mal und damit häufiger als jeder andere Mensch.

(felt/dpa)