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In San Francisco der Hippie-Kultur nah sein

San Francisco : Let’s go to San Francisco

Vor 50 Jahren verstarben die Flower-Power-Ikonen Janis Joplin und Jimi Hendrix. In San Francisco wird ihr Erbe aus der Blütezeit der Hippie-Kultur lebendig. Ein Tipp für die Zeit nach der Reisewarnung für die USA

Wie ein Magnet zieht Haight Ashbury in jedem Sommer tausende von Touristen an. Kein anderer Stadtteil von San Francisco ist so vom Mythos der Flower-Power-Bewegung geprägt, wie die Gegend an der Haight und der Ashbury Street nur wenige Meter vom Golden Gate Park entfernt.

Wer eine Erklärung für dieses Phänomen sucht, ist auf der „Haight Ashbury Flower Po-
wer Walking Tour“ genau richtig. Authentischer als mit den Guides Pam oder Stan kann man heute die Geschichte der Blumenkinder kaum erkunden. Vor den Wohnhäusern von Janis Joplin und Jimi Hendrix’ Freundin wird die Zeit wach, in der von hier aus eine neue Lebensphilosophie die Welt eroberte.

Treffpunkt für die Tour ist die Ecke, in der die Stanyan und die Waller Street aufeinander treffen, direkt gegenüber dem ehrwürdigen Stanyan Hotel mit Sicht auf den Golden Gate Park. Touristen aus den USA, Australien, Japan, Deutschland und Chile haben sich versammelt, um in kleiner Gruppe die Schauplätze zu erkunden, die 1967 Geschichte schrieben.

Pam Brennan ist Veranstalterin der zeitgeschichtlichen Fuß-Tour, die sie gemeinsam mit ihrer Freundin Izu vor 15 Jahren entwickelte. Izu war noch dabei, als im Jahr 1966 etwa 1000 gleichgesinnte Jugendliche in Haight Ashbury eine neue Heimat fanden, die gemeinsam gegen den Krieg in Vietnam rebellierten, von der Heuchelei sexueller Keuschheit und vom damals noch immer tief verwurzelten Rassismus in den Vereinigten Staaten genug hatten. Es war die Geburtsstunde der Flower-Power-Bewegung. „Wir stellten alles infrage, was uns von Staat und Gesellschaft als Lebensnorm vorgegeben wurde. Wir philosophierten, musizierten, rauchten Marihuana, praktizierten freie Liebe, teilten so ziemlich alles und lebten in Kommunen zusammen“, reflektieren die noch ansässigen Hippie-Veteranen der ersten Stunde die wohl aufregendste Zeit in ihrem Leben.

Teile Haight Ashburys gleichen heute einem für Touristen drapierten Flower-
Power-Freilichtmuseum. In kleinen Boutiquen hängen Hippie-Klamotten. Second-Hand-, Kunstgewerbe-, Wasserpfeifen-  und Gitarrenläden konkurrieren mit Edelshops und Gourmet-Restaurants um die Gunst der Kunden. Wie ein Magnet zieht der Golden Gate Park sowohl Touristen wie auch Anwohner an. Vor allem Familien mit ihren Kindern nutzen die weiten Rasenflächen des Parks, um zu picknicken, Baseball zu spielen und den vereinzelt auftretenden Musikern zu lauschen. 1967 versammelten sich hier 30.000 Jugendliche aus ganz Nordamerika rund um den Hippie Hill. Im Park und im Panhandle spielten und sangen Jefferson Starship, Janis Joplin, Jimi Hendrix und The Grateful Dead. „Es ging wie auf einem riesigen Volksfest zu“, berichtet Pam etwas melancholisch.

Vor der Nummer 710 in der Ashbury Street bleibt sie stehen: „Hier wohnten die Grateful Dead von 1966 bis 1968. Ihr Haus war stets für alle geöffnet, und für jeden Besucher gab es gratis Essen sowie Unterkunft. Es lag auch immer etwas Marihuana herum.“ Janis Joplin ging hier ein und aus. 1967 zog sie dann ein paar Häuser weiter in die Nummer 635 ein und startete eine steile Karriere als Königin des weißen Bluesrocks. „Den großen Durchbruch brachte ihr Auftritt auf dem Monterey Pop-Festival im Juni 1967“, erinnert sich Pam. Rund 80.000 Menschen besuchten den musikalischen Auftakt der Flower-Power-Kultur in dem 200 Kilometer südlich von San Francisco gelegenen Ort. Das Motto des Konzerts, „Love, flowers and music“, wurde zum Gründungsmythos der Hippie-Bewegung.

Auch für Jimi Hendrix brachte Monterey den Durchbruch in den USA, indem er das Publikum mit seinem virtuosen Gitarrensound faszinierte. Mit dem Verbrennen seiner Gitarre prägte er sich nachhaltig in das kollektive Gedächtnis der zum Aufbruch bereiten Jugend ein. Hendrix’ temporäres Wohnhaus in der Haight Street 1524A ist heute für Passanten nicht zu übersehen. In knalligem Rot ehrt es den legendären Künstler, der ihm mit seinem Song „Red House“ ein musikalisches Denkmal setzte.

Am nahen Hippie Hill im Golden Gate Park und im angrenzenden Panhandle traten Janis und Jimi mehrfach mit anderen Bands ohne Gage auf. Doch der Sommer der Liebe brachte 1967 die Wende. Immer mehr Jugendliche strömten nach Haight Ashbury, nachdem Scott McKenzies Song „San Francisco“ die internationalen Charts stürmte. Darunter kommerzielle Dealer mit harten Drogen sowie Mitläufer, die mit der ursprünglichen Hippie-Idee nicht das Geringste gemein hatten.

Mehr über diese Zeit erfährt der Besucher im „Museum of Psychedelic Art and History“, das den Abschluss der Walking Tour bildet. Ein Zitat des Aktivisten Abbie Hoffman zieht eine positive Bilanz der Hippie-Kultur: „Wir beendeten die juristische Rassentrennung. Wir haben es nicht akzeptiert, dass man eine halbe Million Menschen rund um den Erdball herum schickt, um einen Krieg zu führen, den die Menschen nicht wollen. Wir haben auch mit der Auffassung aufgeräumt, dass Frauen Menschen zweiter Klasse sind. Und wir haben die Umwelt zu einem Thema gemacht.“