Auf Safari durch Uganda

Auf Safari durch Uganda: Auge in Auge mit dem Silberrücken

Elefanten, Löwen und dazu noch die beeindruckenden Berggorillas: Uganda bietet das volle Afrika-Programm, ist aber von Touristen bislang kaum entdeckt. Das eröffnet Chancen auf Abenteuer - allerdings mit nachhaltigem Hintergrund.

In zwei Geländewagen pirschen wir langsam durch die Buschlandschaft des Queen Elizabeth Nationalparks im Westen Ugandas. Mehrere Elefantenfamilien haben uns schon beeindruckt. Und ausgebremst. "Das ist unser Terrain, weg hier", will uns wohl ein Leittier mit seinen drohend aufgestellten Ohren signalisieren. Wir geben nach, drehen ab. Ohnehin haben wir noch ein ganz anderes Ziel: Löwen.

James, unser Begleiter, sucht mit einer Handantenne konzentriert die Umgebung ab. "Da, ich empfange ein ganz starkes Signal", flüstert er ins Funkgerät. "Ja, ich höre es auch", knarzt die Antwort. Am Gegengerät sitzt im zweiten Wagen Ludwig Siefert. Der deutsche Tropentierarzt lebt seit einigen Jahren in Uganda, lehrt an der Makerere University in der Hauptstadt Kampala und erforscht als Teamleiter in einem ugandischen Projekt die großen Raubtiere.

Da, plötzlich schimmert etwas Braunes aus den Bäumen vor uns. Wir haben Glück: Gleich sieben Löwen haben sich da versammelt, lassen es sich auf den Ästen gut gehen. Das machen die Großkatzen in der Region gerne: ausruhen in den Bäumen. Unser Glück kommt nicht von ungefähr: Die Forscher haben ein paar der Tiere mit Sendern ausgestattet, um ihr Verhalten und ihre Lebensweise zu studieren. Rund 65 Löwen streifen durch den Nationalpark. 1969 habe man allerdings noch 120 gezählt, bemerkt James.

Siefert nimmt gerne Gäste mit auf Beobachtungstouren. "Tourismus ist sinnvoll, wenn ökologische Aspekte dabei beachtet werden." Diese Achtung vermisst er indes in Uganda häufig. Sogar mit Genehmigung der Behörden werde zum Beispiel Gras abgebrannt. "Die sagen, dann wachse frisches, nährstoffreiches Gras für die Tiere. Aber es geht wohl eher darum, die Tiere an die Wege zu treiben, damit die Touristen sie sehen können."

In nachhaltigem Tourismus sieht auch Corné Schalkwyk eine Chance für Uganda, wieder am Mythos der "Perle Afrikas" anzuknüpfen. Nur wenn die Natur und damit der Tierbestand erhalten werde, sei das Land für Besucher interessant, glaubt der Südafrikaner und arbeitet deswegen mit dem deutschen Tierarzt zusammen. Corné, Manager beim Lodgebetreiber Marasa Africa und der Schwesterorganisation Premier Safaris, baut seit ein paar Jahren das Tourismusgeschäft in Uganda auf.

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Auch an einem anderen Ort ist Corné der Blick über den touristischen Tellerrand wichtig: Im Bwindi-Regenwald, ein paar Autostunden weiter im Süden Ugandas, leben Berggorillas - die letzten ihrer Art. Rund 820 soll es weltweit noch geben, davon etwa die Hälfte in dem gebirgigen Urwald in Uganda. Die Tiere reagieren sehr empfindlich auf Krankheiten, die von Menschen übertragen werden. Cornés Safari-Unternehmen unterstützt daher das Projekt Conservation Through Public Health (Bewahrung durch öffentliche Gesundheit - CTPH). "Wir schützen die Gorillas, wenn wir den Menschen helfen", erklärt Feldassistent Alex Ngabirano den Ansatz. CTPH informiert die Bewohner der Dörfer rund um den Bwindi-Regenwald über Krankheiten, die Mensch und Tier betreffen, und fördert allgemeine Bildungsinitiativen. Außerdem untersuchen und behandeln die Projektmitarbeiter die Gorillas.

Nachhaltiger Tourismus helfe letztlich den Menschen und den Tieren, die in der Region leben, ist Gladys Kalema-Zikusoka, die Gründerin des Projektes CTPH, überzeugt: "Der Gorilla-Tourismus stärkt die Wirtschaftskraft der Menschen und befähigt sie so, auf das Wohl der Tiere zu achten."

Nun wollen wir die Gorillas erleben. Von der auf gut 2000 Metern Höhe gelegenen Basisstation müssen wir mitten hinein in den Urwald, Steilhänge hinab- und wieder hinaufkraxeln. Unsere Begleiter stehen im Funkkontakt mit Betreuern der Gorillas, die noch nach dem geeigneten Frühstücksplatz suchen. Schließlich ermahnt uns einer der Begleiter, ruhig zu sein. Und da sehen wir sie auch schon: Die beeindruckend großen Gorillas haben es sich gemütlich gemacht, liegen auf dem Rücken, greifen nach Zweigen mit grünen Blättern und nach Gräsern.

Es ist die Orusogo-Familie, die sich da am Hang niedergelassen hat. Die Jungen klettern flink die dünnen Bäume hin-auf und wieder herunter. Eine Mutter hält ihr Kleines im Arm. Zwei Silberrücken streifen stolz umher. Die Clan-Chefs mit den silbernen Haaren auf dem Rücken vertragen sich - noch. Irgendwann wird einer seine eigenen Wege gehen und vielleicht eine neue Familie gründen. Groß genug für eine Teilung wären die Orusogos, die Gruppe hat 23 Mitglieder.

Sie zählt zu den Gorillagruppen, die an Menschen gewöhnt sind. Die Gorillas lassen sich nicht von uns beeindrucken, wir uns von ihnen hingegen sehr. Es ist ein ergreifendes Erlebnis, diese friedlichen Tiere zu beobachten. Wir beginnen zu verstehen, wieso Uganda die "Perle Afrikas" genannt wird. Und lernen einmal mehr, das Land als spannendes Urlaubsziel zu schätzen.

(RP)