1. Leben
  2. Reisen
  3. Fernreisen

Artenschutz: Das können Urlauber für Schildkröten machen

Artenschutz : Urlaub mit Schildkröte

Der 23. Mai ist einer Tierart gewidmet, die seit über 220 Millionen Jahren auf der Erde lebt: der Schildkröte. Auf der ganzen Welt engagieren sich Menschen in Artenschutzprojekten für diese Tiere. Auch Urlauber können ihren Beitrag leisten.

Susi ist eine Diva, wenn auch nicht im klassischen Sinne. Dazu ist ihr Kopf zu kahl und ihr Mund zu zahnlos. Aber im Vergleich mit anderen Schildkröten, ist Susi etwas ganz Besonderes, und wie alle Diven steht auch sie gern im Mittelpunkt des Interesses. Nähern sich Besucher dem Aquarium im Allwetterzoo in Münster, paddelt die Schildkrötendame ganz nah an die Scheibe und präsentiert sich von allen Seiten: ihren anthrazitfarbenen Panzer, ihre kreisrunden Augen und natürlich ihren langen schlanken Hals. Mit diesem nickt sie ihren Besuchern energisch zu. „Sie kommuniziert mit uns“, sagt Philipp Wagner. Der Biologe ist Kurator für Forschung und Artenschutz im Allwetterzoo. Ähnlich wie bei den Delfinen, zeigen auch Susis Mundwinkel stets nach oben. Deshalb sieht es so aus, als würde sie lächeln.

Wäre Susi ein Mensch, wäre ihr das Lachen allerdings längst vergangen. „Unsere Susi ist eine Chelodina mccordi, zu Deutsch eine McCords Schlangenhalsschildkröte und diese Art ist akut von der Ausrottung bedroht“, sagt Philipp Wagner. „Insgesamt sind rund 60 Prozent aller Schildkrötenarten bedroht und viele von ihnen könnten zeitnah für immer von unserem Planeten verschwinden.“ Die Gründe seien vielfältig, weiß der Artenschutz­experte. „Der Mensch dringt immer weiter in die Lebensräume der Tiere ein, die Möglichkeiten, um Eier abzulegen, werden weniger.“ Dazu kämen die Verschmutzung der Flüsse und Meere durch Plastik, das Trockenlegen von Feuchtgebieten und der Klimawandel.

„Die asiatischen Arten, zu der auch Susi gehört, haben noch ein weiteres Problem“, sagt Wagner. „Schildkröten gelten in vielen Kulturkreisen Asiens als Glücksbringer und Symbole für langes Leben. Diese an sich erfreuliche Wertschätzung wird ihnen zum Verhängnis. Denn die Menschen dort glauben, dass sich die positiven Eigenschaften der Tiere auf den Menschen übertragen lassen, indem man das Fleisch, die Innereien und zermahlene Knochen oder Panzer verspeist.“ Da die Corona-Pandemie auf einem Wildtiermarkt in Wuhan ihren Ursprung gehabt haben soll, hat die chinesische Führung den Bürgern inzwischen verboten, mit Wildtieren zu handeln oder diese zu essen. Das ist gut, aber aus Sicht von Philipp Wagner noch kein Grund zum Aufatmen. „Schildkröten sind auch ein Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Jahr für Jahr werden Millionen Wildtiere zu Pasten, Tonika und Tinkturen verarbeitet, darunter auch Schildkröten, Seepferdchen oder Schlangen. Die Bestände in der Natur werden daher also auch weiterhin geplündert und es ist auch die Frage wie lange dieses Verbot wirklich bestehen bleibt.“

 McCords Schlangenhalsschildkröte Susi ist im Allwetterzoo Münster zu Hause.
McCords Schlangenhalsschildkröte Susi ist im Allwetterzoo Münster zu Hause. Foto: Christiane Neubauer
  • Die Kids versorgen die Hühner mit
    Kita-Projekt in Rommerskirchen : Hühner machen Station im Abenteuerland
  • Auch zum Start der NRW-Herbstferien 2021
    Flugverkehr in den Ferien : Flughafen Düsseldorf fürchtet Sommerchaos an Sicherheitskontrollen
  • Deichgräf Gerd Eckers: „Risikobewusstsein schärfen.“ ⇥Archiv:
    Infrastruktur Neuss : Infos zum Schutz bei Starkregen

Seit 2002 bemüht man sich im Allwetterzoo Münster intensiv darum, extrem selten gewordene beziehungsweise in der Wildnis bereits ausgestorbene asiatische Schildkrötenarten vor der Ausrottung zu retten. Auch die schöne Susi ist eine der letzten ihrer Art und daher „Botschafterin“ für den Artenschutz, den Zoos betreiben. Da die Tiere sehr sensibel sind, kann die Zuchtstation im Allwetterzoo von Zoobesuchern allerdings nur in Ausnahmenfällen besichtigt werden. Wer möchte, kann jedoch eine Schildkröte adoptieren und auf diese Weise die Artenschützer im Allwetterzoo unterstützen Mehr Informatio­nen dazu gibt es unter www.allwetterzoo.de.

Nicht nur in Münster hat man ein Herz für Schildkröten. Auf der ganzen Welt gibt es Ini­tiativen und Organisationen, die sich dafür einsetzen, dass die ruhigen und genügsamen Reptilien, die seit über 220 Millionen Jahren auf unserer Erde leben und damit auch die Dinosaurier überlebt haben, nicht am Ende ebenfalls für immer vom blauen Planeten verschwinden. Besonders arbeits- und zeitintensiv sind die Rettungsmaßnahmen für die Unechte Karettschildkröte. Wegen ihres schmackhaften Fleisches wurde die Meeresschildkröte jahrhundertelang gejagt. Heute steht sie durch das Washing­toner Artenschutz-Übereinkommen unter internationalem Schutz. Trotzdem gehen die Bestände zurück. Tag für Tag verendet eine nicht bekannte Zahl der erwachsenen Tiere als ungewollter Beifang in den Schleppnetzen der Fischerei-Industrie. Artenschützer können hier nur schwer Abhilfe schaffen.

Die meisten Initiativen zur Rettung der Unechten Karettschildkröte zielen daher da­rauf ab, dass es möglichst viele Schlüpflinge wenigstens bis ins Meer schaffen. „Schon vor dem Schlüpfen räubern Krabben und Marder in den Nestern. Auf dem Weg ins Wasser schnappen sich Seevögel die Kleinen und im Wasser lauern Raubfische“, sagt Albert Taxonera von der Initiative „Projeto Biodiversidade“. Auf der Kapverden-Insel Sal, deren kilometerlange Sandstrände zu den weltweit wichtigsten Nestgebieten der Unechten Karettschildkröte zählen, patrouillieren Albert und seine Mitstreiter während der Eiablage-Saison regelmäßig die Niststrände. Sie betten Nester um, die die Mütter ungünstig angelegt haben, und schützen die Gelege vor Räubern. Die Mithilfe von Touristen, die auf der Insel Urlaub machen, ist erwünscht. Gäste aus dem Ausland können außerdem ein Nest adoptieren. Den Namen der Adoptiveltern schreiben die Tierschützer auf eine Tafel, ebenso wie die Zahl der Eier im Sand. Wenn die Jungen schlüpfen, erhalten die Urlauber eine Mail mit Fotos von „ihrem“ Nachwuchs. Mehr Informationen gibt es unter www.projectbiodiversity.org.

Dass Tourismus und Naturschutz sich nicht ausschließen, will auch ein Projekt unter Beweis stellen, das sich den Schutz der Aldabra-Schildkröten auf die Fahnen geschrieben hat. Zwar gilt das Überleben der Riesenschildkröten derzeit als gesichert, doch da diese Art ein winziges Verbreitungsgebiet hat, könnten Naturkatastrophen oder Seuchen die Aldabra-Schildkröten sehr schnell an den Rand der Ausrottung treiben. 98 Prozent der natürlichen Populationen dieser Landschildkrötenart leben auf dem namensgebenden Aldabra-Atoll im Indischen Ozean. Die zweitgrößte Population ist auf Fregate Island zu finden, einer Privatinsel, die zu den Seychellen gehört. Das Eiland, das dem deutschen Industriellen Otto Happel gehört, wird touristisch genutzt, allerdings wurde der Bau des Resorts von Naturschützern überwacht. Außerdem unterhält das Hotel ein Artenschutzteam, das sich nicht nur um die 3500 Aldabra-Schildkröten kümmert, die auf der Insel leben, sondern auch um andere endemische Arten, da­runter um den stark gefährdete Seychellendajal, ein Vogel, der einer Elster ähnlich sieht. Der Besuch in der „Tortoise Sanctuary“, in der verletzte und kranke Schildkröten behandelt und Baby-Aldabras aufgepäppelt werden, ist für die meisten Gäste des Resorts eine ganz besondere Urlaubserinnerung (www.fregate-island.de).