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Fernbusreisen: Warum der ADAC aufgibt, die Post aber nicht

ADAC steigt aus Fernbus-Geschäft aus : Endet jetzt die Zeit der Fahrten zum Schnäppchenpreis?

Nach zwei kleinen Firmen verlässt auch der Automobilclub ADAC den Markt mit Reisen per Bus. Trotzdem wird die Konkurrenz für die Bahn härter: So will die Post das Busgeschäft nun umso entschlossener ausbauen, der Markt boomt. Was das für die Preise bedeutet, was sich ändert, was Sie jetzt wissen müssen - die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Fernbus-Unternehmen waren die Gewinner des Lokführerstreiks - gleichzeitig tobt der Verdrängungswettbewerb um so härter. Zwei kleine Unternehmen mussten Insolvenz anmelden, nun zieht sich der ADAC aus dem umkämpften Markt zurück und beendet seine Beteiligung am ADAC Postbus.

Wie entwickelt sich der Markt?

Seit der Liberalisierung im Jahr 2013 entwickelt sich der Fernbus-Markt in Deutschland rasant. Bereits im vergangenen Jahr nutzten neun Millionen Menschen einen Fernbus, in diesem Jahr könnten es doppelt so viele werden. Bei der Bahn hat die neue Konkurrenz denn auch bereits Umsatzeinbußen verursacht.

Bleiben die Tickets so günstig?

Auf dem Markt herrscht ein knallharter Wettbewerb. "Die großen Anbieter wie auch Postbus oder MeinFernbus werden überleben", sagt der Essener Logistikexperte Detlev Symanskyi von der Beratungsfirma CMS, "viele kleinere werden wegen der Kampfpreise der großen Anbieter aufgeben. Dann aber dürften nach den Gesetzen des Marktes auch die Preise wieder anziehen.

Von Berlin nach Hamburg für acht Euro - solche Schnäppchen werden Reisende in Deutschland wohl bald nur noch schwer finden. Noch aber ist der Verdrängungswettbewerb nicht abgeschlossen. Die Preise werden noch eine Weile niedrig bleiben. Im Vergleich mit der Bahn bleibt der Bus ohnehin konkurrenzfähig.

Welche Unternehmen sind pleite?

Vor rund einer Woche hat der Fernbus-Pionier DeinBus.de Insolvenz angemeldet. Grund für den Insolvenzantrag sei Überschuldung, sagte das Unternehmen. Hintergrund sei der Preiskampf zwischen den Anbietern. Bereits Mitte Oktober hat die Frankfurter Firma City2City den Betrieb eingestellt.

Wie ist die Lage beim ADAC-Postbus?

Der ADAC steigt aus, weil es für ihn untragbar ist, weitere Anlaufverluste des Busunternehmens mit der Post zu tragen. Immerhin muste der Verein bereits massive Kritik einstecken, weil er zu viele fragwürdige Nebengeschäfte machte und sich so von seinem eigentlichen Vereinszweck immer mehr entfernte.

Für die Post sieht die Kalkulation anders aus: Der Weltkonzern sieht es als Prestigeprojekt an, nun im Heimatmarkt mit seiner eigenen Busflotte Erfolg zu haben. Außerdem hat der Konzern genug Kapital, um einen Verdrängungswettbewerb durchzuhalten. "Unsere Fahrgäste sind vollkommen überzeugt, und wir sind es auch. Darum werden wir das Netz im nächsten Jahr weiter ausbauen", erklärt Post-Vorstand Jürgen Gerdes.

Wie expandiert der Postbus?

Zum Start im November 2013 verknüpfte der ADAC-Postbus 24 Städte mit fünf Linien. Jetzt sind es 60 Städte, darunter Straßburg und Zürich im Ausland, die mit 15 Linien verbunden werden. Die überwiegend von der Post kommenden Manager beim ADAC-Postbus (künftig Postbus) suchen nun weiter Strecken. Etwas hilft dabei, dass der ADAC zumindest vorläufig Vertriebspartner bleibt.

Welche Fernbus-Anbieter sind ab Düsseldorf buchbar?

Von Düsseldorf aus werden nationale und internationale Fahrten mit Flixbus, MeinFernbus.de, Onebus, dem ADAC-Postbus, Eurolines und dem IC-Postbus angeboten. Vom Marktführer MeinFernbus.de beispielsweise gibt es ab Düsseldorf täglich 40 An- sowie 40 Abfahrten.

Wie viel kosten die Busfahrten?

Je nach Nachfrage und Zeitpunkt der Buchung variieren die Preise. Wer von Düsseldorf nach München fahren möchte, kann Tickets für 19 Euro ergattern. Maximal fallen 53 Euro an. Die deutliche kürzere Strecke von Düsseldorf nach Frankfurt ist auch deutlich günstiger. Das billigste Ticket liegt bei sieben Euro, der Maximalpreis beträgt 21 Euro. Die Strecke von Düsseldorf nach Amsterdam kostet im Schnitt zwischen 19 und 33 Euro. Düsseldorf-Prag zwischen 33 und 66 Euro.

(RP)