Advent in Göteborg: Wo sich die Wichtel des Weihnachtsmanns stärken

Advent in Göteborg : Wo sich die Wichtel des Weihnachtsmanns stärken

In der Adventszeit ist Göteborg zweigeteilt: Die Amüsiermeilen erinnern an Las Vegas - mit Achterbahn, Lichtinszenierung und einer Schlacht am Buffet. Aber es gibt auch ruhige Ecken mit viel Tradition, Rentieren und natürlich Santa.

In Göteborg rasten in diesen Wochen die Wichtel des Weihnachtsmannes. Kleine Wesen kochen ihnen zur Stärkung den Reisbrei Julgröt und setzen sie an den warmen Ofen. Hier verschnaufen sie ein wenig von der harten Arbeit. Hier, das ist in einem der vielen kleinen Betriebshäuser des Herrenhauses Gunnebo im Umland der zweitgrößten schwedischen Stadt. Fragt ein Mensch, bekommt er aber auch eine Portion von der herzlichen Frau mit den roten Backen und der Zipfelmütze auf dem Kopf.

Auf dem Anwesen Gunnebo findet einer der beliebtesten Weihnachtsmärkte Göteborgs statt (29. und 30. November): In den kleinen roten Häusern der romantischen Gartenanlage werden im Advent Basteleien, traditionelle schwedische Dekorationen und Leckereien verkauft. Menschenmengen drängen sich durch die Verkaufsstände. Der Besuch auf Gunnebo ist überaus besinnlich - aber nicht unbedingt repräsentativ für die Adventszeit in Göteborg, das Las Vegas unter den Weihnachtsstädten.

Fast ein Dutzend Märkte zieren ab Mitte November die Stadt. Es gibt sie in allen Stilen und für alle Zielgruppen, aber vor allem für die Amüsiersüchtigen. Sie zieht es wie auch Familien mit Kindern nach Liseberg, zu dem großen Freizeitpark mitten in Göteborg. Dort findet sich dem Tourismusbüro zufolge der größte Weihnachtsmarkt Skandinaviens (14. November bis 23. Dezember, nicht durchgehend geöffnet).

Es ist ein Lichterspektakel: Die Umrisse fast aller Bäume sind mit Lämpchen nachgezogen, fast 5 Millionen Lichter blinken an Ästen und Gebäuden. Menschenmassen drängen sich an den Abenden und Wochenenden durch die Gassen mit ihren rund 70 Fressbuden und Hütten mit Kunsthandwerk aus allen Teilen Schwedens. Es duftet nach Marzipan, Ingwerplätzchen und Glögg, dem traditionellen Glühwein.

Rentiere ziehen Schlitten durch die Gassen. Im Hintergrund fahren die Gondeln über die große Achterbahn. Vereinzelt hört man zwischen den Weihnachtsmelodien vergnügtes Kreischen aus den Karussells. Und natürlich schaut hier Santa höchstpersönlich vorbei.

Am schönsten sind aber die ruhigeren Ecken der Amüsiermeile: Hier bereiten die Sami, die Ureinwohner Lapplands, marinierten Hering zu, braten Rentier und bieten getrocknetes Fleisch aller Art an. Wem es draußen zu kalt in der skandinavischen Winternacht ist, der findet hier auch einen warmen Platz in einem der mit Fell bedeckten Zelte.

Das Highlight 2015 soll ein neuer - traditioneller - Bereich werden, inspiriert von den 30er- und 40er-Jahren. Die Weihnachtsmärkte in Schweden sind ein relativ neues Phänomen: Erst in den vergangenen Jahren entstanden sie, dafür aber in großer Zahl. Tendenz steigend, berichtet Eva Lehmann vom Tourismusbüro Göteborg.

Mitten im Weihnachts-Vegas von Göteborg steht das Restaurant "Hamnkrogen". Hier gibt es wie in fast allen Restaurants der Stadt zur Adventszeit spezielle Buffetangebote, die Julbord heißen.
"Eigentlich jeder geht ins Restaurant in der Adventszeit", erzählt Fremdenführerin Anne-Marie Deresiewicz. Ohne Reservierungen hat man kaum eine Chance auf einen Tisch. "Firmenfeiern, Familientreffen oder einfach nur ein Abend mit Freunden heißt im Dezember: Wir gehen zum Julbord." Und das bedeutet vor allem einen Kampf durch mehrere Gänge, vor allem mit Fisch in unterschiedlichsten Variationen.

Der erste Gang besteht vor allem aus Sill: Hering in unzähligen Macharten. Eingelegt in Curry, Senf, Sahne, Zwiebeln und vielem mehr. Danach folgen noch weitere kalte Gänge mit anderen Fischen und Meeresfrüchten. Anschließend wird der Teller mit Sülzen, Pasteten und Aufschnitten von Rentier und Elch vollgepackt. Auch hier gehören unzählige Töpfe mit Soßen dazu. Doch das waren nur die Vorspeisen. Zu den warmen Hauptgerichten gehören natürlich die Fleischbällchen Köttbullar, aber auch Braten, Schweinerippchen und noch mehr Fischgerichte und Beilagen. Für das Dessert ist dann kaum noch Platz.

Göteborg ist dank seiner Lage an der Nordsee für hervorragende Fischspeisen bekannt. Lachs, Hering, Makrele, Kabeljau, Steinbutt, Seehecht und Weißfisch stehen auf den Speiseplänen und liegen in den diversen Fischhallen der Stadt. Sandwiches mit einem wahren Berg von Krabben sind als Snack beliebt.

Zur Weihnachtszeit ist Göteborg außerdem ein beliebtes Shopping-Ziel. Der 2013 erstmals veranstaltete Weihnachts-Designmarkt à la London setzt hier an: Von der britischen Shoppingmetropole inspiriert finden Mode- und Stilbewusste hier ungewöhnliche Geschenke, Kleidung und Accessoires von über 50 Designern aus Göteborg (29. und 30. November). Ähnliche Veranstaltungen und Kunstmärkte mit modernem Touch finden sich an einzelnen Wochenenden überall in der Stadt.

Ganz anders ist es in Haga. Der Stadtteil mit Häusern vornehmlich aus dem frühen 19. Jahrhundert ist bekannt für seine kleinen Cafés, winzigen Second-Hand-Boutiquen, Dekoläden und Antiquitätenshops - perfekt für Liebhaber der typisch deutschen Weihnachtsmärkte in kleinen Altstädten. Hier gibt es einen Weihnachtsmarkt vor allem mit Selbstgemachtem und Kunsthandwerk, Ingwerschnaps und Safranbrötchen (29. November bis 21. Dezember, nur am Wochenende).

Aber Göteborg wäre eben nicht Göteborg zur Weihnachtszeit, wenn es nicht noch mit einer großen Lichterschau aufwarten würde: Die Stadt schmückt sich dann auf einer drei Kilometer langen Strecke vom Hafen bis zum Vergnügungspark Liseberg und entlang der Prachtstraße Avenyn mit Lichtern nach einem Konzept von Stadtarchitekten und Lichtdesignern (5. Dezember bis 11. Januar). Besonders in dieser Zeit hat der Besucher das Gefühl, in einer europäischen Variante von Las Vegas zu sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Zur Weihnachtszeit nach Göteborg

(dpa)